Stellplatz auf dem Caravan Salon

Oha, was sind wir naiv! Es ist einige Jahre her, dass wir das letzte Mal auf dem Caravan Salon waren. Nun aber planen wir eine Reise auf den letzten Teil-Kontinent, den wir noch nicht mit dem Mobil bereist haben: Südamerika! Dafür brauchen wir noch manche Ausrüstung und Ideen für praktisches Zubehör wären auch nicht schlecht. Die Abenteuer Allrad war bereits gelaufen, als wir Südamerika für 2027 ins Visier nahmen – also ab ins Internet, Tickets und Stellplatz buchen.

Kleiner Exkurs: Südamerika war lange Zeit nicht auf unserer Liste, denn die Storys über ausgeraubte Autos auf der RoRo-Fähre (50% Aufbruchquote!) waren ziemlich abschreckend. Nachdem wir aber nun das Südliche Afrika (2023) und die Mongolei (2025) bereist haben (was für Trips!!!), steht plötzlich wieder die Frage im Raum, wie wir Patagonien, Feuerland und andere Ziele dort besuchen können. Erste Idee: Wir verkaufen unseren PKW, schaffen uns einen Pickup an, dazu eine Kabine, und packen das in einen Container – Problem gelöst! Dann haben wir uns bei Seabridge informiert – mit denen haben wir schon vier Mal verschifft! – und im Katalog mit den Daten für die Verschiffung fanden wir plötzlich die Info, dass das Problem der Autoaufbrüche, wenn auch nicht vollständig, aber doch überwiegend durch die Reedereien in den Griff bekommen wurde. Also doch mit Exe rüber? Das war der Stand der Dinge, als wir uns entschlossen, den Salon und anschließend die Hausmesse im Kabinen-Center nur 60 km entfernt zu besuchen.

Kaum auf der Messe-Homepage, schon beginnt die „Unlogik“, denn man muss zuerst die Tickets buchen, dann erst kann man den Stellplatz passend dazu ordern. Was ist eigentlich, wenn man Tickets für zwei Tage bezahlt hat und dann kommt die Nachricht, dass kein Stellplatz mehr frei ist? Wir bekommen zum Glück einen Stellplatz, dazu auch Infos für die Anreise. Wir wollen von Mittwoch bis Freitag bleiben – also kein Wochenendstress, denken wir noch. Das Stellplatz-Ticket soll so vorne links hinter der Windschutzscheibe platziert werden, dass der darauf befindliche QR-Code von außen abgelesen werden kann. Ganz wichtig: Erst ab 19 Uhr anreisen!

Okay, wir lassen uns bei der Anreise Zeit und machen daraus einen Kurzurlaub. Pünktlich um 19 Uhr – wie gesagt, vorher soll man auf keinen Fall anreisen! – stehen wir auf der Zufahrt in einem Megastau: Direkt hinter der Abfahrt stehen Autos auf den vier erlaubten Spuren, die fünfte Spur darf man nicht nutzen (ha, ha!), denn das ist die Ausfahrt. Um 19.10 Uhr tut sich was auf der äußersten, rechten Spur, ein paar Minuten später rollt es langsam auch in der Spur daneben an, dann auch in der Spur neben uns. Nur bei uns (wohlgemerkt: Eine offizielle Wartespur!) tut sich gar nichts. Hinter uns werden Mobilfahrer nervös und wechseln auf die freie Ausfahrtspur. Na, die werden sich wundern, denken wir noch. Nach 30 Minuten kommt auch in unsere Spur Bewegung, allerdings immer nur meterweise – in den anderen Spuren läuft es während der ganzen Zeit durchweg gut, aber brav wie wir sind, warten wir artig. Nachdem wir endlich um die Kurve sind und uns überhaupt dem Messegelände nähern, sehen wir den ersten Grund, weshalb es bei uns nur so langsam weiter geht: Alle Mobile, die uns über die Ausfahrtspur überholt haben, müssen sich bei uns einordnen!

Nun wird es wohl besser werden, denken wir naiverweise. Nein, nix wird besser! So beschließen auch wir, doch eine Spur nach rechts zu wechseln. Auch hier wird es nicht besser, denn nach weiteren hundert Metern müssen alle Autos aus der vierten Spur in unsere Spur einfädeln. Sehnsüchtig schauen wir auf die für uns nicht erreichbare rechte Spur, denn dort ist der Stau schon fast abgebaut und wird von Neuankömmlingen freudig genutzt. Merke auf: Bis hierher (eine Stunde ist vergangen!) gab es nicht ein einziges Hinweisschild und auch kein Personal, das vielleicht regelnd eingegriffen hätte. Die langsam etwas angespannte Stimmung erinnert uns an frühere Grenzübertritte zwischen Jugoslawien und Griechenland oder noch besser von Griechenland in die Türkei! 

Nun erreichen wir den aus früheren Zeiten noch bekannten „Kassen- und Anmeldebereich“, an dem man früher seinen Platz zugewiesen bekam und eine Tüte mit Infomaterial erhielt. Ach ja, was waren das doch für Zeiten! Davon ist heute nichts mehr übrig, allerdings steht hier das erste Personal. Jemand kommt zu uns, scannt den QR-Code und ist kommentarlos wieder weg. Hm, das mit den Deutschkenntnissen ist wohl ein Problem – jedenfalls macht man das beste aus der Arbeitszeit, denn die Familienangehörigen inklusive Kindern haben an den meisten Zufahrten kleine Picknickplätze errichtet und sorgen für die Verpflegung und Unterhaltung der Einweiser.

Wir kommen nun langsam am Festzelt-, Ver- und Entsorgebereich vorbei und langsam sickert die Erkenntnis ein, wie die Einweisetaktik aussieht: Die ankommenden Massen werden einmal komplett außen um das P1-Gelände herum geführt. Wenn Platzreihen frei sind, dann werden Autos „abgezapft“ und dorthin geleitet – soweit die Theorie! Erstmal wird unsere Reihe geschlossen und wir müssen uns weiter nach rechts einfädeln. Mitgezählt? Aus ursprünglich fünf Spuren (die unerlaubte Spur mal mitgezählt) sind jetzt zwei Spuren geworden. P1 ist rechteckig, also geht es staumäßig einmal und die Ecke, dann werden wir über den Kreisverkehr am Ende der Busspuren gelotst und immer noch ist die rechte Spur schneller als unsere. Als wir um die nächste Ecke kommen, sehen wir den Grund und können ihn nicht fassen: „Abgezapft“ werden die Autos alle nach links (wir umkreisen den P1 entgegen dem Uhrzeigersinn!) und wie macht das der Einweiser weitere hundert Meter vor uns? Er stoppt unsere Reihe und lässt die erste Spur nach links abbiegen. Was haben wir denn getan? Irgendwann ist er gnädig und lässt genau acht Autos durch und davon sind wir das letzte. Nach uns wird sozusagen zugemacht und alle weiteren Fahrzeuge werden geradeaus weitergeleitet. Da nichts mehr zu tun ist, geht der Einweiser weg und lässt uns acht Autos einfach stehen. Nach fünf Minuten Stehen entdeckt meine Kathrin einen freien Stellplatz in der Nähe und meint, ich solle einfach den Allrad zuschalten und quer über Bordstein und Abgrenzung  übers Gelände dorthin fahren. Was erkennt der routinierte Ehemann daraus? Die Nerven liegen blank – wir stehen nun auch knapp zwei Stunden hier rum und es wird langsam dunkel! Hinter uns sehe ich einen Einweiser Pause an einer der Picknickareas machen und frage (wohl nicht ganz leise) nach, wie es denn nun weiter mit uns verfahren werden soll. Sein Kommentar: „Bitte bleiben ruhig, wir hier nur arbeiten!“

Immerhin kümmert er sich tatsächlich, telefoniert und meint, wir sollten einfach bis zum Ende der Gasse fahren, dort würde man uns dann weiterhelfen. Das erzähle ich der Nummer 1 in unserer kleinen Warteschlange und tatsächlich dauert es nur weitere fünf Minuten und wir stehen auf unseren Plätzen. Welche Firma ist für dieses Chaos zuständig? Das Outsourcing ist hier gründlich schiefgegangen! Eine Schulung oder Einweisung des Personals hat unserer Meinung nach nicht stattgefunden! Zwei Stunden und zehn Minuten mitten in der Woche ist schon eine Zumutung! Nach weiteren 15 Minuten Fußweg erreichen wir das Festzelt inklusive „Restaurantbereich“. Wir erwischen noch die letzten, nur noch lauwarmen Mahlzeiten, aber wenigstens das Bier ist noch kühl und frisch.