Portugal und zurück

Nach der Überquerung der Grenzbrücke erwartet uns die nächste Überraschung: Alle ausländischen Fahrzeuge werden zu einer Mautstation geleitet. Hier soll man per Kreditkarte (Visa bevorzugt!) etwas bezahlen (nirgends steht wieviel und wofür), dann wird angeblich automatisch ein Foto vom Kennzeichen gemacht und per KI soll dann wohl ähnlich wie in Norwegen erkannt werden, wann man mautpflichtige Abschnitte befährt und die Kreditkarte anschließend entsprechend belastet werden. Das kommt uns alles schon ein wenig merkwürdig vor, denn einerseits muss man über die Brücke, wenn man hier über die Grenze will (seit wann ist ein Grenzübertritt mautpflichtig?) und andererseits wollen wir nur 300 m hinter der Mautstation von der Autobahn abbiegen. Okay, wir versuchen unser Glück und bekommen – übrigens genau wie alle Nachbarn auf den Nebenspuren auch! – bei der Eingabe unserer Visakarte nur ein nettes ERROR auf den Monitor gezaubert. Also nehmen wir per Knopfdruck Verbindung  mit der sogenannten „Infoline“ auf. Das dauert ein wenig, denn der arme Kerl hat so einiges zu tun und unsere spanischen „Nachbarn“ sind nicht unbedingt so ruhig und geduldig wie wir. Er versucht zu beschreiben, dass wir irgendwo rechts eine Säule finden und dort würde das Procedere auch ganz sicher funktionieren. Als ich ihm erkläre, dass wir nur die 300 m bis zur Ausfahrt wollen und nicht vorhaben, danach noch eine Autobahn in Portugal zu nutzen, seufzt er ausführlich und meint, wir sollten einfach fahren. Das tun wir auch und so geht es auf derselben Strecke wie vor 2 ½ Jahren über Castro Marim und Sao Bartolomeu zur 125 und auf dieser über Altura nach Manta Rota, wo wir dank anderer Zeitzone bereits um 11.45 Uhr hinter einem Riesen-Concorde mit Anhänger (darin eine Honda Goldwing, wie wir später hören und sehen dürfen – übrigens ein allein reisender Single, man gönnt sich ja sonst nichts!) an der Schranke zum Stellplatz stehen.

An dieser Stelle ein kleiner Einschub zu dem Stellplatz: Der Platz ist gut für rund 100 Mobile und nur von September bis April für Mobile zugänglich. Während der Hauptsaison dient er als Strandparkplatz für PKW. Hier stehen jetzt eine Menge Überwinterer, man parkt längs und hat so mehr Platz und etwas mehr „Privacy“ als üblich. Ansonsten ist das ein eher nichtssagender Platz. Aber der Strand, der über Holzstege gleich hinter den Dünen gut zugänglich ist, hat es in sich! Riesengroß, fester Sand (bei Ebbe) und super für lange und wunderschöne Strandspaziergänge.

Der zugehörige Ort ist nicht groß, bietet aber mit mehreren Restaurants, einer Topwäscherei und zwei Supermärkten alles, was das reisende Mobilherz begehrt und deshalb…ist dieser Platz immer und jederzeit knackevoll! Als wir vor 2 ½ Jahren das erste Mal hier waren, warteten am Abend über 10 Mobile draußen vor der Schranke auf ein eventuell freiwerdendes Plätzchen am nächsten oder übernächsten Tag. Wir hatten damals nur das Glück, dass Freunde uns einen Stellplatz freigehalten hatten. Das ist zwar nicht gern gesehen, aber häufig werden die frei werdenden Plätze bereits Tage zuvor unter der Hand „weiter vererbt“. Jeden Morgen durchstreifen Mobilfahrer zu Fuß den Platz und sprechen jeden an, der so aussieht, als packe er gerade zusammen.

Okay, weiter im Text! Dieses Mal haben wir keine Freunde, die uns helfen. Wir haben uns auch keine großen Hoffnungen gemacht – eher nach dem Motto: Wir schauen uns das Ganze heute mal an und wenn nichts frei ist, dann parken wir nur und suchen auf alle Fälle den sehr sauberen und mit hervorragenden Maschinen bestückten Waschsalon des Ortes auf. Der Concordefahrer ist mit dem Einchecken fertig und fährt rein, also sind wir die Nächsten. Skeptisch betrete ich das Kassenhäuschen und tatsächlich – wir werden eingelassen. Der Concorde findet ob seiner Größe nur einen Platz gegenüber der stets etwas müffelnden Entsorgung und wir dürfen auf den einzigen, weiteren noch freien Platz – ein wenig Schatten, schön weit hinten, also ohne großen „Durchgangsverkehr“…perfekt! Wir können unser Glück kaum fassen und beschließen spontan, hier für ein paar Tage Pause zu machen. Viel tun wir in dieser Zeit nicht: Mit den Rädern zur Wäscherei, zweimal lecker essen im Restaurant direkt am Platzeingang (bloß nicht zu viel bewegen!), zwei Strandspaziergänge, ein wenig Büroarbeit, ein kleiner Einkauf im Supermarkt… ansonsten sonnen, lesen, faulenzen. Mittlerweile haben wir mitbekommen, dass man den Stellplatz eigentlich überhaupt nicht verlassen muss, denn es gibt hier eine Menge fliegender Händler: Obst, Gemüse, Eier, Fleisch (ja, ein echter Schlachter kommt hier regelmäßig vorbei!), Bäcker, Gas und sogar ein Verkaufswagen mit Wohnmobil- und Campingzubehör, dessen Fahrer auch kleinere Reparaturen durchführt. Das ist ja alles ganz schön und nett, aber nach fünf Tagen ist unsere Geduld erschöpft und wir müssen weiter. Wie Menschen auf so einem (oder auch anderen) Platz vier, manchmal sogar sechs Monate stehen können – dieses Geheimnis wird uns wohl für immer verborgen bleiben! Und natürlich: Als ich am Abend vor unserer Abfahrt die Räder auflade, steht zuerst der Nachbar von schräg gegenüber an der Tür und bittet uns, bescheid zu geben, wenn wir fahren. Zehn Minuten später bittet uns der andere Nachbar, der hinter uns steht um den gleichen Gefallen. Wir halten es mit dem amerikanischen Spruch „First Come, First Serve“ und bitten die Platzaspiranten darum, sich selbst zu einigen, wessen Freunde, Bekannte, Verwandte denn nun unser Plätzchen erben darf.

Als wir am nächsten Morgen loswollen, trauen wir unseren Augen nicht: Die nachbarschaftlichen Gewinner haben bereits Tisch, Stühle und Fahrrad als Zeichen der Inbesitznahme direkt neben Exe aufgebaut – Kathrin stolpert fast darüber, als sie aussteigt! Nix wie weg hier vom „Rentnerpark Nr. 1“, also zahlen wir am Kassenhäuschen pro Tag 5 € und sind kurz darauf auf der 125 gen Westen. Nach einem gemütlichen Großeinkauf in Tavira geht es um Faro herum bis kurz vor Albufeira. Unsere Befürchtungen bewahrheiten sich – die beiden Stellplätze dort sind hoffnungslos überfüllt und es sieht dort eher aus wie auf einem Dauercampingplatz. Da wir aber gerne noch die berühmte Felsenküste sehen und erfahren wollen, zuckeln wir mit 50 km/h quer durch Albufeira und probieren es auf dem Campingplatz von Armacao de Pera. Das große Gelände ist nicht parzelliert und teilweise schräg, daher dauert es etwas länger, bis wir einen ebenen und vor allem sonnigen Stellplatz finden. Eines aber ist dieser Platz nicht: Überfüllt! Es scheint wirklich so zu sein, dass Mobilfahrer, gerne auch mit echten Dickschiffen, knapp bei Kasse sind. Der Campingplatz hier kostet mit Strom 13 €, das scheint eindeutig zu viel zu sein, auch wenn man zusätzlich warme Duschen, wirklich großzügige Stellflächen, einen Supermarkt und sogar eine Werkstatt für Wohnmobile vorfindet – von dem richtig leckeren Essen im platzeigenen Restaurant möchten wir gar nicht erst reden – oder doch: Da gibt es z.B. Filetsteak vom heißen Stein oder Bacalhau mit Maisbrot, Shrimps und Krebsfleisch, dazu ein Riesensalat und frische, knusprige Kartoffelchips!  Zusammen mit einem halben Liter Rotwein und zwei Espresso kostet so eine „Kleinigkeit“ dann gerade einmal 27 € – „zu viel für Portugal“, wie einige Überwinterer meinen! Wir sehen uns am ersten Tag gemütlich den Ort mit seiner kleinen Strandpromenade an

– viele verkleidete Kinder laufen heute hier herum, denn es ist Faschingsdienstag! – und am zweiten Tag machen wir einen ausführlichen Spaziergang auf und an der Steilküste entlang, inklusive der Besichtigung einer der berühmten „natürlichen Brücken“ und vieler weiterer attraktiver Fotomotive.

Am nächsten Morgen fassen wir sehr zum Unmut zweier Hymer 580 – Mieter („Was habt ihr denn für einen Wassertank, das dauert ja ewig!“) ordentlich frisches Nass – und zwar durch unseren Filter, da gut gechlort. Dann geht es zurück auf die 125 und da wir die Autobahn meiden, zuckeln wir (viele LKW, oft 50 km/h Beschränkungen, noch mehr Ortschaften…) die gut 50 km über Portimao und Lagos zum ländlichen Stellplatz in Figuera. Da es heute ordentliche Schauer gibt, sind wie immer bei solchem Wetter viele Leute abgereist und wir haben reichlich Auswahl. Vom Platz aus geht ein Fußweg zum dorfeigenen, kleinen, aber feinen Bilderbuchstrand.

Sonst bellen ein paar Hunde, krähen einige Hähne, es gibt ein Restaurant, eine Kneipe und einen kleinen Lebensmittelladen, das ist alles und es reicht.

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Hier machen wir für vier Tage Pause und erledigen nebenbei wieder „Wartungsarbeiten“. Ein Tipp für eventuelle Besucher: Das Duschwasser wird über solare Wärmetauscher erhitzt und es gibt nur dieses Wasser, kein Kaltwasser zur Beimischung. Wer also wie der Schreiber dieses Blogs nicht so gerne „überbrüht“ werden möchte, möge daran denken, nur zu Zeiten geringer Sonneneinstrahlung unter die Dusche zu hüpfen!

Nun treibt es uns weiter. Wenn man nur wenige Kilometer von Sagres und somit dem südwestlichsten Punkt des Kontinents entfernt ist, dann will man auch dorthin. Also runter von den Keilen und ab zum Fort von Sagres. Erster Eindruck vom Großparkplatz: Trotz deutlichem Verbotsschild (Halteverbot für Wohnmobile von 22 – 8 Uhr!) haben hier rund 20 Mobile übernachtet. Wir parken nur, zahlen am Fort 4,50 € (3 € für die junge Dame und 1,50 € für den alten Sack über 65) und laufen die wirklich sehenswerten 4 km rund ums Kap mit vielen tollen Fotomotiven.

Dann geht es die kurze Strecke weiter zum wirklich südwestlichsten Punkt am Cabo de Sao Vincente.

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Die so oft auf Touristenfotos zu sehende Imbissbude „Die letzte Bratwurst vor Amerika“ ist noch nicht da – es gibt lediglich eine „Fish and Chips“ Bude (ja, es gibt hier im Moment eine Menge Besucher aus UK!) und einen fliegenden Händler mit Wollsachen. Dann machen wir uns auf den Weg nach Norden. Wir nutzen die 268, die aufgrund ihres Zustands mit maximal 60 km/h zu befahren ist und das ist auch gut so, denn die Straße führt fast die ganze Zeit am und durch den Küstennaturpark das Alentejano und es wäre schade, da nur durchzurasen. Die sich anschließende 120 ist zwar besser befahrbar, hat aber ebenfalls eine Menge Probleme mit den starken Baumwurzeln der dicht neben der Straße stehenden Bäume und daher gibt es einen Haufen kleiner Baustellen. Kurz vor Odemira biegen wir auf die 393 ab und stehen zur besten Kaffeezeit am Campingplatz von Vila Nova de Milfontes, der den gleichen Namen trägt wie die Stadt. Viel Platz hier, aber nicht leicht, hier einen Platz ohne (!) Schatten zu finden. Schließlich gelingt uns das einigermaßen und vor allem stehen wir in der Nähe einer der zahlreichen WLAN-Antennen des Platzes und haben hervorragenden Empfang.

Am nächsten Tag geht es auf Entdeckungstour und wir sind wirklich sehr angetan – von der Stadt an sich, vor allem von deren Lage an Flussmündung und Atlantik gleichzeitig, von den breiten Stränden am Fluss und am Meer, von der Steilküste, von dem Castel mit vielen Storchennestern, dem Leuchtturm auf der vorgelagerten Klippe, den Bars und Restaurants und dem extrem entspannten Lebensgefühl.

Das ist Balsam für die Seele, die sich die letzten Tage doch jede Menge Gedanken zum Ukraine-Krieg gemacht hat. Abends wird der Grill angeworfen – Urlaubsfeeling satt! Nachdem wir am nächsten Morgen noch einmal umparken müssen, damit direkt neben uns ein morscher Baum gefällt werden kann,

machen wir uns auf zu einer schönen Wanderung an der Steilküste entlang und am Fischereihafen vorbei. Über dem Hafen stehen eine Reihe von Bänken, von denen man den Surfern beim Wellenreiten zusehen kann.

Am letzten Tag hier – das Wetter soll für mindestens eine Woche kippen und da das hier sowieso der geplante Umkehrpunkt der Tour war, beschließen wir, der Planung auch zu folgen – machen wir noch einen Abstecher zum nahegelegenen Supermarkt und drehen noch eine Runde über den Campingplatz: Viele der gestern noch anwesenden Überwinterer sind abgereist, scheinbar sehen die das ähnlich wie wir. Wir packen Tisch und Stühle ein – das schlechte Wetter kann kommen, wir „haben fertig“!

Die ganze Nacht über hat es geregnet und auch die ersten zwei Fahrstunden regnet es – teilweise heftig! – weiter. Es geht auf der 390 nach Cercal, dann auf der 389, der 263, der 2 und der 18 weiter nach Beja. Von hier aus fahren wir auf der IP 2 in Richtung Spanien. In Serpa machen wir den letzten und ausführlichen Portugal-Einkauf bei Lidl und Intermarché, bevor es über die Grenze geht. Hier tanken wir dank Putin für „extreme“ 1,85 €/l (vor gut zwei Wochen waren es noch 50 ct/l weniger!) und bekommen vom Tankwart eine Flasche Wasser geschenkt – als Trost für die teure Rechnung! Anschließend fahren wir einen Platz vier Kilometer hinter Aracena an, einem kleinen Pilgerort mit vielen Bänken, Grillstellen und sogar einem Kinderspielplatz. Man merkt, dass wir in gut 600 m Höhe stehen, denn am nächsten Morgen liegt Raureif auf der Wiese und das Thermometer zeigt 0° C. Es ist Wochenende, auf dem Parkplatz, der sich langsam mit PKW füllt, versammelt sich bereits eine Gruppe von Wanderern und macht Aufwärmübungen, da wollen wir nicht weiter stören und fahren weiter auf die A 66 und in Richtung Sevilla. Dieses Mal umrunden wir die Stadt nördlich auf der SE 30 – heute, also am Wochenende, ein guter Einfall, denn die Strecke ist viel kürzer und es geht um einiges schneller, aber ein Teil der Strecke geht über Kreisverkehre und Ampelkreuzungen und das möchte man sich alltags besser nicht antun! Schnell sind wir auf „unserer“ A 92, auf der wir nun immer nach Osten bis zur Abfahrt 82 rollen und bald darauf stehen wir (nun bereits zum dritten Mal!) im netten Campillos. Da hier gutes Netz vorhanden ist, habe ich hoffentlich zum letzten Mal auf dieser Tour „Bürodienst“, anschließend ist das Netz sogar gut genug für ein ausführlicheres Videotelefonat mit unseren Freunden aus Leipzig.

Nun geht es wirklich langsam zurück – wir erfahren, dass Ursel und Jürgen gerade in der Schlangenbucht sind und dort wollten wir auch noch einmal hin. Welch ein Unterschied zum letzten Mal: Viele Plätze sind frei, in der tollen, kleinen „Offroadbucht“ stehen die Zwei quasi allein – als wir hier waren, gab es nicht den Hauch einer Chance, in dieser Bucht ein Fleckchen zu ergattern. Also nix wie runter, Einlaufbier und abends gemeinsam grillen.

Am nächsten Morgen fahren die Beiden weiter, nun stehen wir völlig allein. Leider können wir uns nicht zu lange daran erfreuen, denn am frühen Nachmittag erreicht uns der angekündigte Saharastaub. Zuerst wird es langsam immer dunstiger – nachdem wir eine kleine Siesta eingelegt haben, ist alles bereits in ockerfarbenes Licht getaucht und bis 17 Uhr ist es komplett rot – es sieht tatsächlich aus wie auf den Fotos vom Mars!

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Abends erreicht uns dann noch eine Mail von Ursel und Jürgen: Der Chef des Stellplatzes, auf dem sie geradestehen, hätte ihnen mitgeteilt, dass ab Mitternacht alle Fernstraßen dicht seien und bald darauf dann entsprechend die Supermarktregale leer. Mehr weiß auch er nicht, also recherchieren wir und finden schnell heraus, dass es um Streikaktionen der selbstständigen Fernfahrer geht, die zur Weihnachtszeit noch von der Regierung beruhigt werden konnten, nun aber genug haben (wohl auch durch die „günstigen“ Spritpreise!) und Blockaden planen.

Am nächsten Tag ist das Wetter noch merkwürdiger, denn es ist selbst für Spanien in dieser Jahreszeit ungewöhnlich warm, es ist sehr windig und gleichzeitig aber durch den Saharastaub halbdunkel und alles ockergelb eingefärbt. Das ergibt eine recht komische Stimmung.

Wie viele andere beschließen auch wir, am nächsten Tag weiterzufahren. Schließlich beginnt es auch noch zu regnen und das ist nicht mehr lustig, denn nun wird alles komplett eingesaut: Der Staub vermischt sich mit dem Regen und dieser feinste Matsch kommt überall hin – auch in die Mechanik der Fahrräder auf dem Träger! Wir verbrauchen auf der Fahrt jede Menge Wischwasser, es schmiert und die Sicht ist nicht gerade berauschend. So fahren wir bis zum nagelneuen Stellplatz von Torre Vieja. Der ist schon sehr originell, denn er befindet sich auf dem Dach einer Tiefgarage und ist sozusagen von Ferienappartements auf drei Seiten eingeschlossen, nur die Seite zum Wasser hin ist offen – Strand würden wir das definitiv nicht nennen!

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Im Moment ist der Platz fast leer (später ändert sich das dramatisch!), wir haben also freie Platzwahl und der Service ist schon hervorragend: Für 10 € gibt es kostenfreie Duschen, genau wie Ent- und Versorgung an jedem Platz sowie professionelle Waschmaschinen und Trockner und drei (!) Entsorgungsstationen in der Mitte zwischen den Stellflächen. Dass es direkt am Platz auch noch ein „Fine Dining Restaurant“ gibt, ist schon fast nebensächlich. Wir steigen aus und sind ein wenig schockiert, wie das Auto inklusive „Zubehör“ so aussieht! Wir waschen unterwegs nie das Mobil, aber heute ist der Ausnahmetag! Die drei Entsorgungsstationen, jede mit Wasserschlauch ausgestattet, bieten die idealen Voraussetzungen, um wenigstens den gröbsten Dreck des „Blutregen-Outfalls“ vom Lack, den Fenstern, den Solarzellen, den Türen, Klappen, Fenstern und auch den Fahrrädern abzuspülen. Jedes, aber auch wirklich jedes Mobil, das aus dem Süden kommt (die von Norden kommen, haben Glück gehabt und quasi nichts abbekommen!), tut das und wirklich alle freuen sich heute über diese Möglichkeit! Übrigens: Erst Zuhause bekommen wir mit, wie viel Dreck sich überall doch noch erfolgreich versteckt hat!

Nach einem leckeren Essen im Restaurant Christopher (der Betreiber kommt übrigens aus der Ukraine!) sind wir wieder mit unserem Schicksal versöhnt, obwohl das Wetter inzwischen in Dauerregen übergegangen ist, der uns auch die nächsten drei Tage auf dem Rückweg bis nach Südfrankreich begleiten wird. Aber nach all der Trockenheit ist das für die Spanier eher ein Segen. Wir zuckeln weiter, nach einem Zwischenhalt in Peñiscola und einem weiteren in Cabanes bei Figueres (Stichwort Dali!) verlassen wir Spanien. Ach ja, noch eine kleine Anekdote: Da der Diesel in Frankreich noch teurer ist, halten wir in Figueres an der laut Tankapp günstigsten Tankstelle in Grenznähe. Das scheint zu stimmen oder aber alle fallen auf die gleiche App herein, denn es gibt eine ordentliche Schlange – auch von Reisemobilen, die entweder gerade ein- oder ausreisen. Vor uns ein älteres Rentnerpaar aus Sachsen in einem ziemlich alten Hymer, das scheinbar auch von den gebotenen 1,68 €/l recht begeistert ist, denn man tankt nicht nur sehr gründlich und langsam (damit auch viel reinpasst!) seinen Oldtimer, sondern holt nach und nach aus dem Wohnraum (!) fünf Zwanzigliterkanister heraus, die alle genauso gründlich befüllt und wieder im „Wohnzimmer“ verstaut werden müssen. Nun könnte man meinen, nur unsere Schlange müsste unnötig lange warten – aber nein, es sind wirklich alle Tankwilligen betroffen, denn das Bezahlsystem (alle zahlen bei den Preisen natürlich mit Karte!) ist nicht das Neueste: Erst, wenn bezahlt wurde, können die Säulen wieder freigeschaltet werden. Da unsere sächsischen Kolleg/innen aber gute 20 Minuten beschäftigt sind, dürfen wir uns alle mit ihnen freuen!

Von nun an geht es auf Landstraßen immer etwas westlich der Route du Soleil gen Norden. Schöne kleine Stellplätze in Bannes und Melay machen richtig Spaß, sind aber nix für „Großmobile“ – 3,5 t Begrenzungen, enge und manchmal sogar einspurige Ortsdurchfahrten sind da ziemlich eindeutig.

Dann stehen wieder eine Nacht in Goncourt – inzwischen ist der Baumschnitt samt seinen Folgen beendet und der Stellplatz „gefegt“ -, bevor es endgültig auf die Autobahn geht. Über Ockenheim geht es noch fürs Wochenende zum Seabridge-Treffen in Bad Königshofen, denn wir interessieren uns für die Verschiffung nach Südafrika, und zwei Tage später sind wir nach 7500 km wieder Zuhause.