Wir sind unterwegs

Der erste Reiseblog soll sich mit den ersten, vom Ziel her noch nicht so aufregenden Wochen beschäftigen. Vielleicht ist aber für den einen oder anderen trotzdem etwas Interessantes dabei. Am Dienstag kommen wir nach ein wenig Ärger (siehe unter „Anekdoten“) gegen 11 Uhr los und verlassen für die nächsten acht Monate unser Zuhause, nachdem wir noch alle wichtigen Dokumente und Schlüssel im Schließfach unserer Bank deponiert haben.

Wir lassen es ruhig angehen und fahren nur bis Amelinghausen, denn hier gibt es in direkter Platznähe am Lopausee ein sehr nettes und vor allem gutes Restaurant und wir haben beschlossen: Hier fangen wir mit dem neuen Abschnitt an! Nach einem extrem leckeren Menü (u.a. gebackene Landhuhnschenkel und geschmorte Ochsenbäckchen) geht es am nächsten Tag langsam (!) weiter. Das ist wichtig und das haben wir uns vorgenommen. Um möglichst schnell in den „reisemobilen Flow“ zu kommen, müssen wir aus der Vorbereitungshektik der vergangenen Wochen rauskommen – Kathrin hatte dadurch seit ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben noch nicht einen einzigen Ruhetag! Also schalten wir das Navi auf „Autobahn vermeiden“ und machen uns auf den Weg nach Süden.

Nach einer Übernachtung auf dem ruhigen und mit Superaussicht ausgestattetem Stellplatz in Schulenberg (Harz), wo wir mit der letzten Flasche Sekt unserer Freunde aus Bremm an der Mosel auf die Tour anstoßen, geht es über eine weitere Übernachtung am „Hohen Meißner“ (neben uns im Restaurant eine Gruppe aus einem Altersheim der AWO – Kommentar meiner Kathrin: „Kinder sind doch einfacher!“) nach Bad Hersfeld. Hier wohnen Tertia und Norbert, die ohne ihr Zutun ein wenig Mitschuld an der Tourplanung tragen, denn sie sind diejenigen, die wir eigentlich in Georgien besuchen wollten. Leider sind die beiden schneller von dort zurückgekehrt (was aber nicht an Georgien liegt!) als gedacht. So verbringen wir einen netten Nachmittag und Abend bei und mit ihnen, erhalten auch noch eine Reihe von Tipps und dürfen uns nebenbei an unseren letzten Rückzug aus dem Ausland erinnern, denn der Zoll hat auch hier wie so oft die Auslieferung des Umzugsgutes verzögert und so sitzen wir bei Kaffee und Kuchen sozusagen inmitten von Kartons und sind den Möbelpackern ständig im Weg.

Nun geht es über Ebern im schönen Frankenland – leider wird es nichts mit einem leckeren fränkischen Essen, denn es ist der 18.08.18 und damit einer der Hochzeitstage des Jahres: Jeder, aber auch jeder Gasthof hat heute „geschlossene Gesellschaft“! – und Bad Aibling ins „Ausland“ nach Kaprun bei Bad Zell. Kaprun ist ein Beispiel dafür, dass es auch in Mitteleuropa noch etwas zu staunen gibt: Unser Abendspaziergang führt uns durch den touristisch hoch aktiven Ort. Am Ortseingang fällt uns zuerst auf, dass hier verdächtig viele, sehr hochwertige Limousinen unterwegs sind. Als nächstes bemerken wir, dass ein zweiter Fahrzeugtyp aus Mercedesbussen der Modelle Vito und Viano häufig anzutreffen ist, alle Busse in schwarz, mit verdunkelten Scheiben und nicht gerade älteren Baujahrs. Je mehr wir uns der Ortsmitte nähern, desto mehr Familien mit verschleierten oder zumindest kopftuchtragenden Frauen kommen uns entgegen oder sitzen in den Cafés und Restaurants. Als dann noch die Geschäfte zunehmend häufiger Werbetafeln in arabischer Schrift zeigen, sind wir vollends verwirrt. Was ist hier los? Ein Treffen? Irgendeine internationale Konferenz mit hoher arabischer Beteiligung? Zum Glück gibt es ja das Internet! Wir googeln und bei der Eingabe „Kaprun a“ erscheint sofort die Ausgabe „Kaprun, arabische Touristen“ – wie wir lesen, eine mehr als zehnjährige Erfolgsgeschichte: Die Touristen der Golfstaaten, nicht gerade für ihre Armut bekannt, haben dieses Fleckchen für sich entdeckt, denn es kommt ihrem Bedürfnis im Urlaub stark entgegen: Eine liberale Atmosphäre, in der sich vor allem auch die Jungen einmal so frei bewegen können, wie es zu Hause nie möglich wäre, Berge, viel Grün, die Möglichkeit, auch im Sommer einmal Schnee zu sehen und günstige Einkaufsmöglichkeiten….der Stern schrieb hierzu: Ein arabisches Paradies! Nun ja, und dass die Geschäftsleute vor Ort unglücklich über die gut situierten Urlauber sind, kann man sich auch nicht vorstellen. Also eine echte „Win-Win-Situation!

Am nächsten Tag geht es auf die Großglockner-Hochstraße, mit 2550 m immerhin eine der höchsten Passstraßen Europas. Hier geht der Tourismus so richtig in die Vollen. Mountainbiker und Rennradler sind in Massen unterwegs und von den Bikern, die wie die Bekloppten durch die Kurven brettern – oft genug weit über die Mittellinie hinaus, obwohl sie keine Ahnung haben, was auf der Gegenspur so auf sie zukommt! – will ich gar nicht weiter reden! Doch: Ein Polizist erzählt oben an einem Parkhaus (!) an der Franz-Josefs-Höhe, dass an guten Tagen mehr als 2000 Biker unterwegs sind. Die Franz-Josefs-Höhe ist überhaupt der touristische GAU: Das erwähnte Parkhaus für PKW, Busparkplatz, Reisemobilparkplatz, Großparkplatz für Bikes (!) und Fußwege, groß wie Landstraßen – und die werden auch gebraucht! Die Murmeltiere unterhalb der Fußwege sind jedenfalls extrem gut genährt und werden eher an einem Herzinfarkt als an Hunger sterben! Trotzdem ist die Strecke zusammen mit der hochalpinen Landschaft ein echtes Highlight und auf alle Fälle lohnend. Immerhin haben wir an allen interessanten Aussichtspunkten noch einen Parkplatz für Exe gefunden, das war in den USA in manchen Nationalparks (z.B. Arches!) nicht immer so.

 

Weiter geht es am nächsten Tag in die Gegend von Bled in Slowenien, nachdem wir noch kurz vor der Grenze Adblue vollgetankt haben – wir haben zwar die Möglichkeit, die Software des Steuergerätes so zu verändern, dass der Auspuff keinen Appetit mehr darauf verspürt, allerdings ist es schwierig, die Pumpe abzuschalten (der Stecker liegt unter dem Unterfahrschutz!) und so wollen wir das nur im Notfall tun.

 

Bei der Auswahl unseres heutigen Tagesziels machen wir gleich zwei Fehler: Zum einen wollen wir einen Platz anlaufen, den wir vor über 30 Jahren schon einmal besucht hatten, zum anderen geben wir dem Navi einen falschen Platz ein. So lotst uns „Lieschen“ direkt nach Bled. Whow, hier ist ungefähr so viel los wie am Großglockner! Wir schleichen mit 10 km/h durch den Ort und als wir den Campingplatz erreichen, werden wir bereits 100 m vor der Einfahrt abgefangen: Keine Chance ohne Reservierung! Also suchen wir im Führer und finden dabei heraus, dass unser Platz 5 km weiter liegt, nämlich in Lesce. Erleichtert verlassen wir das Gewusel und stehen eine halbe Stunde später schattig und am Fluss im Camping Šobec. Weshalb wir trotzdem nicht zufrieden sind? Man soll niemals aus nostalgischen Gründen einen Platz nach langer Zeit nochmals aufsuchen. Nichts ist wie damals, als es z.B. noch eine urige Restauranthütte mit einem Riesengrill gab, an dem die leckersten Sachen auf Holzkohle und mit allerlei leckerem und scharfem Zubehör verkauft wurden. Die Hütte haben wir noch wiedergefunden, heute ist darin die Kinderanimation zu Hause. Der Platz ist mindestens viermal so groß wie damals, unpersönlich und außerdem extrem teuer! Da wir es uns nun einmal vorgenommen hatten, machen wir den Fehler und gehen in dem neuen Restaurant essen – versprochen werden slowenische Spezialitäten, gehalten eher nicht.

 

Am nächsten Tag kaufen wir eine Vignette für die Strecke nach Kroatien, nachdem wir in verschiedenen Foren lesen konnten, dass es die Slowenen durch geschickte Verbotsschilder geschafft haben, alle Strecken zur Grenze ohne Vignette quasi zu „sperren“. Nun geht es über die Grenze, Kroatien folgt dann im nächsten Block.