Deutschland, Frankreich, Spanien

Es hat die ganze Nacht hindurch geregnet und gestürmt, hier hält uns erst einmal nichts mehr! Motorvorwärmung an, waschen und Zähne putzen, runter von den Keilen und ab auf die A 7. Zum ersten Mal fahren wir durch den Trog nördlich des Elbtunnels – beeindruckend und vor allem dank Sonntagmorgen auch staufrei. Dann begeben wir uns auf die A 1 und auch hier ist fast nix los. Ab dem Kamener Kreuz beginnt dann erneut der Sturm, den wir bereits heute Nacht genießen durften, denn er zieht von Norden nach Süden – wie „schön“ für uns, denn nun kommt auch wieder der Regen, und das nicht zu knapp, denn der Scheibenwischer läuft fast ständig auf schnellster Stufe. Bei dem Sauwetter (Gegen- oder Seitensturm) verbraucht Exe viel Sprit und so müssen wir bereits kurz hinter dem Leverkusener Kreuz den ersten Tankstopp einlegen. Trotzdem machen wir den Tank nur zu einem Drittel  voll, denn es muss ja nur bis Schengen in Luxemburg reichen. Den billigen Diesel lassen wir uns niemals entgehen! In Mayen, also an der Abkürzung zwischen A 61 und A 48, machen wir an einem schönen Stellplatz für heute Schluss. Der Sturm lässt nach, zwei sehr leckere und handgemachte Burger mit zwei ebenfalls nicht zu verachtenden Kellerbieren versöhnen uns schließlich mit diesem ziemlich anstrengenden Fahrtag.

Weiter geht es über Trier und Wasserbillig an der Mosel entlang nach Schengen. Hier, nur einen Kilometer vor der französischen Grenze, wird randvoll getankt (1,47 €/l), auch der Gastank bekommt eine Füllung (78 ct/l) und für die Insassen gibt es noch eine Palette zollfreies Bitburger. Der Grenzübertritt ist schon einmal entspannend, denn wie schon zwischen Deutschland und Luxemburg gibt es keinerlei Kontrollen, niemand steht an der Grenze, alles wie früher, herrlich! In Thionville geht es auf die mautfreie Autobahn, nach Metz und Nancy verlassen wir diese an der Abfahrt 14 bei Toul. Unser nächster Halt an der D 674 ist der kleine Intermarché in Colombey-les-Belles und hier „laden“ wir ein wenig französisches „Savoir Vivre“ in Stauraum und Kühlschrank. Das muss sein, damit wir in die richtige Stimmung kommen: Handgemachter, gekochter Schinken, drei verschiedene Käse, zwei luftgetrocknete Würste aus der Auvergne, Wein aus dem Ventoux und Corbières. Weiter geht es auf der D 674 und D 74 nach Goncourt auf einen sehr netten, kleinen Stellplatz an der Maas. Nur noch schnell abbiegen, Blinker raus, um die Ecke fahren und…bremsen, denn ein „Gesperrt“ – Schild lässt uns nicht weiter fahren: Der Baumpfleger auf einem Hubwagen bearbeitet extrem gründlich die am Stellplatz und in Ufernähe stehenden Platanen. Als er sieht, wie wir gerade enttäuscht den Rückwärtsgang einlegen, bedeutet er uns, einfach vorbeizufahren, denn da wäre er ja schon mit der Arbeit fertig. Also stehen wir heute neben einer großen Menge „Astwerk“ und von Sperrschildern geschützt bei inzwischen strahlend blauem Himmel und feiern bei französischem Baguette (Flute), Rotwein und kleiner Käseplatte nach 2 ½ Jahren die Rückkehr in dieses schöne und vor allem reisemobilfreundliche Land.

Da die Ver-/Entsorgung in Goncourt gesperrt ist, holen wir dies an der ersten Autobahnraststätte der A 31 nach, die wir auf der Landstraße über Montigny erreichen. Unseren „Angstgegner“ Lyon durchfahren wir tatsächlich ohne einen Stau (die Gegenseite hat nicht so viel Glück!). Weiter geht es bis hinter Valence. Hier verlassen wir die „Route du Soleil“ für heute, wechseln bei Le Pouzin auf die Westseite der Rhone und fahren auf der D 86 zuerst einmal bis Le Tail. Nach der zweimaligen Durchfahrung der Stadt finden wir endlich den Intermarché mit der preisgünstigen Tankstelle am Ortsrand – den Umzug des Supermarktes dorthin hat man Google scheinbar nicht mitgeteilt. Der städtische Stellplatz auf dem ehemaligen Camping Municipal ist ein Reinfall. Einerseits liegt er zwischen zwei großen Straßen und andererseits ist er von Dauerbewohnern besetzt – schließlich kostet der Platz nichts! Also fahren wir weiter zum kommerziell geführten Stellplatz von Viviers. Nach dem hochmodernen Einchecken per Touchscreen unter Bekanntgabe des bisherigen Lebenslaufes und der Zahlung per Kreditkarte von exakt 12,73 € (!) inklusive Strom, den wir leider überhaupt nicht brauchen, dürfen wir den schönen, durch hohe Hecken unterteilten, ehemaligen Campingplatz befahren.

Am nächsten Tag geht es am Atomkraftwerk von Pierrelatte vorbei in Richtung Orange und dort auf die Autobahn A 7. Später wechseln wir auf die A 9 und an der Abfahrt 37 (Narbonne Est) geht es auf die D 32. Nach einem größeren Einkauf am Intermarché von Gruissan fahren wir zum Stellplatz von Narbonne Plage, da der große Stellplatz (4 Vents) im Ort für zwei Wochen gesperrt ist und somit alle Überwinterer und Rückkehrer auf den kleineren Platz (Le Chalet) müssen und das Gedränge wollen wir uns nicht antun. Der Platz in Narbonne Plage wird von Flot bleu gemanagt, ist riesig und zum Glück bis auf ein weiters Mobil total leer. Eine Besonderheit ist wirklich originell, jedenfalls haben wir so etwas vorher noch nicht gesehen: Die Einfahrt hat Doppelschranken, also die erste Schranke geht auf, man fährt rein, steht vor der zweiten Schranke und die erste geht zu, also „eingesperrt“. Die Begründung ist, dass so sichergestellt ist, dass nur Fahrzeuge bis 10 m Gesamtlänge auf den Platz kommen. Das wendet sich unserer Meinung nach vor allem an Mobilgespanne, denn die sind ja fast alle länger. Wir jedenfalls sind erstmal glücklich, denn bei strahlend blauem Himmel kommen uns die realen 15° C viel wärmer vor, also raus mit den Stühlen und nur wenig später hat jeder von uns einen Pastis in der Hand – leben wie Gott in Frankreich!

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Bei strahlend blauem Himmel gehen wir am nächsten Tag auf Fahrraderkundungstour: Zuerst geht es immer am Strand entlang nach Norden über Narbonne Plage bis St. Pierre le Mer, dann innerorts zurück. Fazit: Außer einer einzigen geöffneten Bar und einem kleinen Supermarkt ist hier noch alles verriegelt. Also auf nach Süden – an Exe vorbei zurück zum Intermarché und durch die Stadt zum Stellplatz „4 Vents“, der ja wie schon beschrieben im Moment wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Die Lage ist jedoch nicht schlecht: Blick aufs Wasser und in Restaurantnähe. Wir fahren weiter raus, über den Etang hinüber zum zweiten Stellplatz „Le Chalet“. Wie wir es uns schon gedacht haben, ist ordentlich etwas los, denn hier müssen nicht nur die Mobile beider städtischen Stellplätze stehen, der Platz ist auch noch bis übermorgen gebührenfrei! Auf dem Rückweg halten wir noch bei einer kleinen Boulangerie und belohnen uns für die 35 Kilometer mit einem leckeren Éclaire.

Weiter geht es auf der Autobahn und nach kurzer Zeit erreichen wir die spanische Grenze. Keine Kontrollen und von nun an ist die Autobahn auch noch mautfrei. Ohne große Stopps geht es über Barcelona und Tarragona bis zur Abfahrt Vila – Seca. Von nun an geht es auf der A 7 weiter und kurz vor L’Hospitalet tanken wir für sensationelle 1,30 €/l voll – da lacht das Herz des spritpreisgeplagten Mobilisten! Danach geht es in den Ort und dort auf den neuen und kostenfreien Stellplatz. Der liegt etwas erhöht und so hat man sogar Aussicht aufs Mittelmeer, eine Ver- und Entsorgung gibt es auch und zum Glück keinen Strom – so ist sichergestellt, dass sich keine Dauercamper ansiedeln und es fast immer Platz gibt, da die Fahrzeuge nicht ewig hier rumstehen. Hier bleiben wir für zwei Tage, laufen die gesamte Strandpromenade ab, genießen am Sonntag den recht großen Markt unten am Hafen, backen Brot und „grooven“ uns ein in Urlaubslaune.

Ach ja – Abwechslung haben wir auch noch: Ein etwas cholerischer Mobil-Single regt sich tierisch über ein spanisches Pärchen auf, weil es an der Entsorgung seiner Meinung nach bei der Reinigung der Toilettencassette zu zeitaufwändig vorgeht. Als die Beiden schließlich eingeschüchtert das Weite suchen, brettert er fluchend mit seinem selbst ausgebauten, ehemaligen Krankenwagen mit Schwung rückwärts auf die Betonplatte der Entsorgungsstation. Leider hat er wohl etwas zu viel Schwung drauf, denn was er übersehen hat – das hintere Ende der Betonplatte endet in einem 30 cm hohen Absatz! Jedenfalls bremst er zu spät und rauscht mit der zwillingsbereiften Hinterachse den Absatz runter. Nun hat er gleich mehrere Probleme, denn der Absatz ist zu hoch, um ohne Schwung mal eben wieder auf die Platte raufzukommen. Weiter rückwärts geht es auch nicht, denn die nagelneue Absperrung hinter der Entsorgung hat er bereits umgefahren, mehr ist nicht drin und Hochschaukeln geht ebenfalls nicht, denn der Wagen hat einen Retarder in der Kardanwelle verbaut und der liegt jetzt schon auf dem Beton auf. Zuerst ist noch relative Ruhe. Wir versuchen zusammen, den Anfahrwinkel für die Reifen durch Unterlegen von Steinen abzumildern, das hilft allerdings nicht wirklich. Wir können ihm anbieten, ihn da rauszuziehen, allerdings muss er dann noch ein bis zwei Stunden warten, denn noch ist das Brot im Ofen und sorry – das geht vor. Durch unsere Aktivitäten werden langsam auch andere Nachbarn neugierig und so hat er nach einiger Zeit eine Menge Aufmerksamkeit! Das Fachsimpeln in mehreren Sprachen unter Zuhilfenahme von Händen und Füßen beginnt. Das Resultat: Es herrscht internationale Einigkeit, dass eine Unterfütterung der Reifen unter Zuhilfenahme eines Wagenhebers wohl die erfolgversprechendste Variante ist. Da es aber auch schwierig sein wird, einen geeigneten Wagenheber und vor allem einen passenden Ansatzpunkt zu finden (der Wagen liegt hinten schließlich fast auf!), schauen sich alle an: Wir sind jetzt bereits sechs Leute, warum versuchen wir es nicht mit roher Gewalt und schieben einfach? Zwei oder drei Versuche später und der Wagen steht wieder oben. Übrigens: Einer der Hilfsbereitesten ist der junge Spanier, der sich den Zorn des Besitzers durch die gründliche Kloreinigung zugezogen hatte und wer meint, der Besitzer hätte sich bei den Helfern überschwänglich bedankt, der irrt! Ein leichtes Nicken zu uns rüber, dann ist er weg. Nehmen wir einfach mal gnädiger Weise an, das Ganze war ihm zu peinlich!?

Am nächsten Morgen sind wir noch etwas unausgeschlafen, denn gestern hat ein Riesen-Morelo reichlich knapp („Bin ich zu dicht? Geht aber ja nicht anders!“) neben uns eingeparkt. Nicht nur, dass uns damit jegliche Sonne und Aussicht genommen wurde – gleichzeitig hat man auf der anderen Seite, also sozusagen der „Terrassenseite“ den Nachbarplatz reserviert. Ein paar Stunden später parken die Freunde mit einem „Kleinwagen“ ein, einem 8,5 m Hymer. Den Abend verbringt man dann lautstark feiernd im Morelo wenige Dezimeter neben unseren Köpfen – bestenfalls annehmend, dass so eine Morelowand ja unglaublich gut isoliert….nein, tut sie nicht! Nach einem großzügigen Frühstück verlassen wir den nun nicht mehr ganz so gastlichen Ort und fahren größtenteils auf der N 340 weiter nach Süden. Es geht an Peniscola vorbei bis zum ziemlich neuen, kleinen Stellplatz der Gemeinde Nules. Kostenfrei, weniger als 50 m vom Meer entfernt, kein Service – perfekt, denn hier ist wieder kaum etwas los.

Heute geht es weiter zu einem der (auch bei YouTube) angesagten Stellplätze hier unten: Wir wollen uns den großen Stellplatz an der Playa de Perches ansehen – besser bekannt als „Schlangenbucht“. Es geht auf der Autobahn an Murcia vorbei bis Mazzaron. Weiter geht es auf kleiner Straße über Cañada de Gallego und um 15 Uhr zahlen wir am Eingang 18 € für drei Tage. Eine gute halbe Stunde geht an Suchzeit drauf: Die schönen Stellplätze mit Meerblick sind natürlich alle in „Langzeitcamperhand“ und werden bei einer möglichen Abreise einzelner Mobile sofort unter der Hand weitervermittelt. Dann gibt es noch einen Bereich in luftiger Höhe – ebenfalls ziemlich dicht besiedelt, da weht aber auch ein kräftiges Lüftchen, das müssen wir nicht haben. Es gibt noch eine kleine Nachbarbucht. Der Weg dorthin ist für normale Mobile etwas schwierig, das wäre eigentlich genau unser Ding, dort sind aber ebenfalls die guten Plätze bereits vergeben. Hinter der Entsorgung geht es ein Stück hinunter auf einen sehr großen und ebenen Platz. Dort am Rand gibt es noch nette Plätzchen mit Halbschatten an und unter Bäumen neben einer alten Trockenmauer und vor allem mit einer Menge „Privacy“! Zum Platz gehört eine schöne Sichelbucht und wäre jetzt Sommer, dann wäre das genau der Zeitpunkt für ein erfrischendes Bad.

So jedoch wird dies durch ein kühles Bier in der warmen Sonne ersetzt – wir können es nicht fassen, denn auch nach mehr als zehn Tagen, die wir nun unterwegs sind, ist der Himmel immer noch blau mit Temperaturen um die 20° C! Hier verbringen wir nun drei Tage „Urlaub“ mit leckerem Essen vom Grill (Rehsteak aus der Keule), Erkundungstouren mit dem Fahrrad entlang der Küste durch das „Mare del Plastico“ und zu weiteren Stellplätzen, die uns aber alle nicht so gut gefallen und natürlich ausgiebigen Sonnenanbetungen im Faulenzermodus.

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Inzwischen haben wir den Kontakt zu Ursel und Jürgen aus unserem Bimobilfreundeskreis hergestellt, die in der Gegend von Malaga auf Ersatzteile für die Reparatur ihrer Handbremse warten und wir verabreden uns am Großparkplatz neben Carrefour in Malaga, der leider seit kurzem nur noch tagsüber für Mobile zugänglich ist. Nachts wurde er wegen der sich immer weiterverbreitenden Wildcamperplage und der damit verbundenen Vermüllung dicht gemacht – wieder ein kostenloser Parkplatz weniger! Wir machen auf dem Weg dorthin noch einen Zwischenstopp auf einem netten kleinen und altmodischen Familiencamping in El Punte del Rio und stehen am nächsten Mittag neben dem Bimobil unserer Freunde. Das Übernachtungsverbot hat übrigens bisher nur dazu geführt, dass die Camper auf den zu Carrefour gehörenden zweiten Parkplatz umgezogen sind, der nun seinerseits rappelvoll ist – man darf gespannt sein, was noch daraus wird. Nach einer kurzen Besprechung beschließen wir, auf den Stellplatz von Campillos umzuziehen. Zum einen, weil sich dieser kostenfrei, ruhig und in Stadtrandlage befindet und man sich dort wirklich willkommen fühlt, zum anderen, weil er auf dem Weg zum Caminito del Rey liegt, unserem nächsten Ziel auf dieser Tour, für das wir schon online Tickets besorgt haben – besser ist das, denn diese Sehenswürdigkeit ist ziemlich beliebt, doch davon später mehr. Wir verleben jedenfalls zusammen dort zwei schöne Tage – wie immer bei solchen Treffen wird viel geklönt, Tipps und Erfahrungen werden ausgetauscht und nette Abende gibt es noch kostenlos dazu.

Am nächsten Morgen, nach dem obligatorischen „Kleingruppenfoto“ (natürlich in der Sonne bei knallblauem Himmel) für diejenigen unseres Kreises, die nicht dabei sein konnten, verabschieden wir uns von Ursel und Jürgen und fahren auf kleinen Straßen über mehrere Staudämme in das Berggebiet des Caminito del Rey. Ursel und Jürgen, die schon vor uns da waren, hatten uns vorgewarnt, rechtzeitig dort zu sein und uns schon über mögliche Stellplätze informiert. Da der Caminito montags geschlossen ist, finden wir um 12 Uhr noch ein schönes Plätzchen entlang der Straße und nur wenige Meter von dem Fußgängertunnel entfernt, der zum Eingang führt – Schwein gehabt, denn schon wenige Stunden später sind wir bis auf einen kleinen Notausgang zugeparkt…wir waren wohl nicht die Einzigen, die gemeint haben, eine Anreise, wenn geschlossen, sei günstig!

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Exe parkt außerdem nur rund 200 m vom Restaurant „El Kiosko“ entfernt – nicht nur, dass dieses Restaurant den ganzen Tag über warme Küche anbietet, hier ist auch die Endstation des Shuttle-Busses, der alle Besucher nach der Durchwanderung wieder zurückbringt. Wir genießen den Ruhetag und machen eine nette Erkundungswanderung bis zum Eingang des Caminito und entlang des Flusses – so weiß man schon einmal, was morgen anliegt. Abends gehen wir in das Restaurant und essen vorzügliche Spezialitäten der hiesigen Gegend: Einen Vorspeisenteller mit Schinken, Chorizo und Hartkäse, danach Zicklein und Spanferkelkeule vom Ibericoschwein.

Früh werden wir wach – der Parkplatzsuchverkehr, die vorbeirauschenden Shuttlebusse…leise ist das nicht. Es werden online nicht alle Tickets verkauft, ein kleines Restkontingent wartet auf Käufer, die morgens früh genug an den Kassen auftauchen. Deshalb ist im Moment besonders viel los und das ist exakt das, was wir nicht wollten. Unsere Tour (für heute gab es nur noch Tickets für geführte Touren) startet erst um 12.50 Uhr, also frühstücken wir gemütlich und schauen dem leicht chaotischen Treiben draußen in aller Ruhe zu. Überhaupt das Parkplatzproblem: Für einen Touristenhotspot dieser Größenordnung reicht das alles vorne und hinten nicht – die Zubringerstraßen sind auf Kilometer an beiden Seiten komplett zugeparkt! Zusammen mit einer recht umfangreichen Menschenmenge laufen wir rechtzeitig die 20 Minuten lange Strecke durch den Tunnel und am Fluss entlang hinab zum Eingang am oberen Wasserkraftwerk. Die Organisation am Eingang ist etwas chaotisch, aber um 12.50 Uhr stehen wir mit Helm und Funksprechanlage ausgestattet vor unserem Guide und es geht los. Hier vielleicht ein paar Infos zum Caminito del Rey: Es handelt sich um ein technisches Bauwerk. Man nutzte in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts eine enge Schlucht, um gezielt Wasser in einer festgelegten Menge in einem Kanal zu zwei Wasserkraftwerken zu leiten, also verlässlich Strom zu erzeugen. Durch die enge Schlucht und am Kanal entlang mussten natürlich Wartungswege gebaut werden. Zur Eröffnung kam der König und so entstand für den Weg durch die Schlucht der Name „Caminito del Rey“ oder übersetzt „der kleine Königsweg“. Vor sieben Jahren wurde der Caminito zu einem Touristen-Highlight ausgebaut, mit Gitterwegen in teils schwindelnder Höhe (bis 107 m) und zum krönenden Abschluss mit einer Hängebrücke in gleicher Höhe – genau das Richtige für jemanden wie mich mit Höhenangst!

Zurück zu unserer persönlichen Tour: Wir haben unheimliches Glück mit unserem Guide Enrice. Er macht die Führung ein- bis zweimal pro Woche nur zu seinem eigenen Vergnügen. Offiziell ist die Führung in Englisch (einzige Alternative zu Spanisch), da Enrice aber in Deutschland studiert hat, außerdem dort eine Firma für ökologisches Olivenöl betreibt, zudem so etwas wie ein Weltenbummler ist und viel Humor hat, sind die 2 ½ Stunden sehr unterhaltsam und informativ. Ein Stück hinter der Brücke, wieder auf festem Boden, nimmt uns Enrice die Funkempfänger ab, verabschiedet sich und ich habe nun einen Kilometer bis zur Bushaltestelle Zeit, das Zittern aus meinen Beinen loszuwerden und die Übelkeit abzuschütteln…aber eindrucksvoll, lehrreich und interessant war’s auf alle Fälle. Außerhalb der Saison fahren die Busse alle halbe Stunde. Das reicht jetzt gerade so und wir mögen uns nicht vorstellen, wie das hier alles in der Saison aussieht! Eine gute halbe Stunde später sind wir wieder zuhause. Wir werden schon beobachtet: Kaum haben wir die Tür aufgeschlossen, steht ein Mobilist vor der Tür und fragt, ob wir wegwollen, und wir machen diesen Menschen sehr, sehr glücklich! Da es schon später ist, fahren wir einfach auf gleicher Strecke zurück nach Campillos und verbringen dort, die Ereignisse des Tages bei einem Glas Tinto noch einmal passieren lassend, einen friedlichen Abend und eine ebensolche Nacht.

Nun geht es straight nach Westen in Richtung Portugal. Wir kommen ohne Stau um Sevilla herum. Da wir aber spätestens am nächsten Mittag in Höhe Tavira sein wollen (davon im nächsten Beitrag mehr), machen wir noch kurz vor Huelva einen Zwischenstopp in La Palma de Condado. Der dortige Stellplatz hat den daneben liegenden Festplatz als „Overflow“, es gibt also Platz genug. Sehenswert ist auf alle Fälle die Altstadt mit einer großartigen Piazza inklusive mehrerer Storchennester auf den Kirchtürmen und viel spanischem Familienleben auf dem Platz – das hat Atmosphäre und erinnert uns wehmütig an die alten Stadtzentren in Mexico.

Überraschend, nur muss man wirklich Google Maps gründlich studieren, sonst läuft man an dem alten Stadtzentrum glatt vorbei. Auch hier, also auf dem Stellplatz, gibt es wieder Staunenswertes zu berichten: Neben uns steht eine junge Familie mit Kleinkind, übrigens wieder in einem umgebauten Krankenwagen, und wir hören nach unserem Stadtspaziergang ausgiebiges Stöhnen nebenan. Wir sehen uns an, aber nein…keine weitere Familienplanung, sondern die junge Mama sitzt auf einem Trimmrad (auch Ergometer genannt) vor dem Mobil und strampelt sich einen Wolf – Spinning, Erholung, Spinning, Erholung, angefeuert vom aufmerksamen Papa. Anschließend ist Papa dran. Nein, nicht auf dem Rad, sondern er legt eine Gymnastikmatte in den staubigen Sand, befestigt an der Hinterradfelge Trainingsbänder und dann werden Bizeps und Schultermuskulatur trainiert. Die späteren Dehnübungen erfolgen mit dem Baby auf dem Arm während eines Spazierganges über den Festplatz – das nennen wir mal Konditionierung! Da wird doch ein kleiner Leistungssportler herangezogen!

Am nächsten Tag verlassen wir die A 49 hinter Huelva und fahren parallel zur Autobahn auf der 431 nach Lepe, denn hier hat Kathrin eine billige Tankstelle gefunden – in Portugal ist der Diesel um einiges teurer. Dank der etwas chaotischen Verkehrsführung in Lepe und weil die Tankstelle gerade renoviert wird, dauert es etwas länger, bis wir in der Ferne die imposante Brücke über den Guadiana sehen, der hier die Grenze zwischen Spanien und Portugal bildet.

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