Griechenland Teil 4

Nach einem ruhigen Sonnabendfrühstück verlassen wir dieses idyllische Plätzchen, fahren durch Mavrommati und weiter auf kleiner Straße gen Süden über Lambena und Triodos nach Messini (das neue!). Genau dort, wo die Straße auf die 82 trifft, befinden sich ein Lidl und ein größerer griechischer Supermarkt (Sklavenitis). Wir suchen beide heim und tuckern rund 20 km weiter nach Petalidi. Wir befinden uns nun auf dem westlichsten Finger des Peloponnes. Park-4-Night empfiehlt einen Großparkplatz am Hafen und nur wenige Minuten später stehen wir zusammen mit einem Schweizer Reisemobil auf dem großzügigen Platz, wieder direkt am Wasser und sogar mit eigener Parkbank. Ein Rundgang durch den Ort zeigt, dass auch hier die Tavernen alle geschlossen sind, lediglich Cafés und Snackbars finden wir – und das an einem Sonnabend!

 

Am nächsten Tag fahren wir wenige Kilometer zurück, denn eigentlich haben wir in der Stadt gestanden, weil wir essen gehen wollten. Wenn das nicht geht, fahren wir eben wieder an den Strand. Gesagt – getan, kurz hinter der Zuwegung zum Petalidi Beach Camping biegen wir auf ein kleines Sträßchen in Richtung Wasser ab und stehen einige Minuten später wieder einmal ganz alleine am Strand. Bei blauem Himmel und 18°C genießen wir den ersten Advent und zur Feier des Tages macht Kathrin heute gefüllte Paprika – wozu haben wir schließlich einen Backofen?

 

Am nächsten Morgen geht es weiter gen Süden. In Ag. Andreas gibt es einen kleinen Parkplatz am Hafen, auf dem steht aber schon der Schweizer von vorgestern. Daneben befindet sich das Gelände eines ehemaligen Campingplatzes. Das ist zwar offen zugänglich und bietet viel Platz, aber alle im Schatten und das ist zu dieser Jahreszeit und mit Solar auf dem Dach leider recht ungünstig. Also fahren wir weiter nach Koroni. Hier wird noch vor der Stadt mit großen Schildern darauf hingewiesen, dass man weder mit Mobil noch mit Caravan in den Ort hinein fahren soll. Also parken wir brav an der Straße und gehen zu Fuß. Hübscher Ort, netter Hafen und wenn man sich die Sträßchen ansieht, weiß man auch, weshalb hier keine Camper durch sollen. Zu dieser Jahreszeit ist zwar wie überall nichts los und es hätte wohl auch niemand etwas dagegen, aber was soll’s? Wir wenden und fahren außen herum weiter nach Finikounda. Kurz hinter dem Ort biegen wir ab zum Camping Thines – klein, nett, gemütlich und direkt am Strand. Mit 14 € inklusive Strom bisher auch der billigste Platz. Zweimal in der Woche kocht die Chefin, in den Ort mit immerhin zwei geöffneten (!) Tavernen und einem Supermarkt sind es gerade einmal 15 Minuten zu Fuß – hier stimmt auch die Infrastruktur!! Natürlich treffen wir auch wieder „Bekannte“ – so groß ist der Peloponnes nicht: Eine Schweizer Familie mit Caravan aus Volos, Rolf aus Albanien, Bernd aus Glyfa (und zu Hause in Heiligenhafen!) und Christine und Marco aus Olympia. Stühle raus, Sonne, 20°C! Irgendwann raffen wir uns auf und laufen in den Ort, fotografieren ein wenig, dann ist es Zeit fürs heimatliche Abendessen – Hähnchen in Roquefortsauce. Den Abend verbringen wir klönend und weintrinkend mit Christine und Marco in der offenen (aber geschlossenen!) Bierbar, denn hier hat man ein Dach über dem Kopf und es ist windgeschützt.

 

In den nächsten Tagen gibt es die üblichen Campingplatzaktivitäten – Wäsche waschen, Haare schneiden, duschen, Büroarbeit, Blog und natürlich die tolle Küche der Chefin genießen: Klassisch – vor der Bestellung in die Küche und gucken… die Spezialität ist eine Art „Fried Bread“, wie wir es von den Indianern kennen. Marco meint nur „Ah, hmm, Beignets!“ – ein in Fett ausgebackener, dünner, aber nicht süßer Teigfladen, der umsonst als Vorspeise serviert wird. Einige kommen nur deshalb zum Essen! Fast die gesamte Campingplatzkundschaft findet sich ein, schlemmt, klönt, es herrscht gute Stimmung. Ein buntes Völkchen hat sich hier eingefunden – übrigens der bestbesuchte Platz bisher mit rund 15 Einheiten! Hier gibt es den jungen Motorradfahrer auf großer Tour mit Ziel Australien, den alleinreisenden Geländewagenfahrer, der sich selbst sucht (und hoffentlich bald findet), andere Fernreisende und natürlich auch die klassischen Überwinterer. Viele Nationen sind vertreten, also Franzosen, Niederländer, Österreicher, Schweizer, Deutsche, Briten, Kanadier aus Ungarn … Heute hilft Christine, die Französin, mit in der Küche und es gibt Ziege mit sehr feinen Nudelplättchen, die in der Soße gegart werden (der Hammer!!), Nudelauflauf (Pastitio), Bifteki und Schweinesteak vom Grill, Spinatauflauf, Salat und Zaziki – unser Tisch bestellt von allem etwas und wir essen uns mit sechs Leuten durch die Speisekarte, dazu Bier, Wein und Ouzo – passt!! So vergehen die Tage, wir gehen insgesamt noch zwei weitere Male essen, ansonsten ist sonnen, lesen, spazieren angesagt. Insgesamt hängen wir neun Tage fest, bevor ein Unwetter am vorletzten Tag uns dazu bringt, an die Weiterfahrt zu denken und das tun wir dann auch.

 

Es geht nun nach Norden zur Festungsstadt Methoni. Nun ja, „Stadt“ ist inzwischen übertrieben, aber der Ort war einmal sehr wichtig. Das wird uns klar, als wir die doch ziemlich weitläufige Zitadelle besichtigen. Dann geht es weiter nach Pilos. Hier haben früher (und sogar noch im Mai) Reisemobile direkt auf der Hafenmole gestanden. Das ist jetzt nicht mehr erlaubt, dafür darf man sogar mit offizieller Polizeierlaubnis jetzt gegenüber am Yachthafen stehen. Die Aussicht ist genauso gut, also warum nicht? Wir parken Exe, sehen uns das nette Städtchen an und bringen einen Brief zur Post. Wir haben keine Ahnung weshalb, aber alle Postämter auf der Welt sind ähnlich: Ein paar nicht gerade gut gelaunte Schalterbeamte, eine große Schlange wartender, ebenfalls nicht sonderlich gut gelaunter Kunden, Papiere, Stempel, nochmal Papiere, Unterschriften, Geld kassieren, Quittung…jedenfalls warten wir fast eine ½ Stunde auf eine 90 ct Briefmarke!

 

Wieder zurück am Auto überlegen wir uns doch noch weiter zu fahren – schließlich ist es gerade Mittag. Also weiter nach Norden, wo wir in Gualova in Richtung Burg abbiegen. Der Weg, zuerst noch Asphalt, dann sehr schnell teilweise weiche Sandpiste, führt zwischen Strand und Lagune durch einen Naturpark, wieder einmal mit strengem Übernachtungsverbot. Es gibt zwar viele kleine Parkbuchten, in denen man gut stehen könnte, wenn nicht der Weichsand wäre. Die vielen „Wühlspuren“ zeigen deutlich, was passiert, wenn man dort reinfährt! Die einzige Bucht mit festerem Untergrund ist natürlich bereits von einem Allrad-Iveco besetzt. Die Burg am Ende der Piste kann man auch nicht besichtigen, sie ist „wegen Lebensgefahr“ (?) gesperrt. Also kehren wir um und fahren weiter zur Bucht von Voidokilia. Sie liegt in der Nähe von Korypnasion, ebenfalls im Naturpark, nur auf der anderen Seite. Ziemlich abgelegen, dafür aber traumhaft schön: Perfekte Sichelform, die relativ kleine Öffnung zum Meer eingerahmt von hohen Felsen – das wäre doch mal eine Kulisse für einen James Bond Film! Allerdings ist auch hier das Übernachten streng verboten. Das würde uns zwar nicht kümmern, wäre nicht der gesamte Parkplatz komplett abgesoffen und direkt am Straßenrand zu stehen wäre uns dann doch ein wenig zu auffällig. Bei der „Platzbegehung“ hören wir bekannte Vogelstimmen – das klingt doch so vertraut nach Camargue? Wir schauen hinüber zur Lagune, denn von dort kommen die so bekannten Laute und richtig: Da stehen Flamingos – sogar eine ganze Menge! Auch die für Lagunenlandschaften typischen Seidenreiher gibt es hier in großer Zahl. Es hilft aber nichts, hier können und wollen wir nicht stehen, außerdem bekommen wir Hunger und haben keine Lust zu kochen – und in Pilos war es nett und es gab einige Tavernen, die offen aussahen – also fahren wir wieder zurück und stehen 20 Minuten später mit schöner Aussicht auf die Stadt (und ihre Weihnachtsbeleuchtung!) direkt am Wasser neben dem Hafen. Eine nette Taverne mit guter Küche (mazedonisch) findet sich auch, was wollen wir mehr?

 

Am nächsten Morgen regnet es und das nicht zu knapp. Heute geht es auf der 82 bei strömendem Regen und jeder Menge Wasser auf den Straßen über die Berge nach Messini zum Lidl, denn es ist wieder einmal Großeinkauf angesagt. Kurz bevor wir weiter fahren biegt plötzlich Manfred mit seinem „Woelke-Sprinter“ auf den Parkplatz: Er war in Athen, hat dort seine Frau vom Flughafen abgeholt und berichtet von Schnee und Schneematsch auf der Autobahn – ok, dann doch lieber Regen bei 15°C! Eine Viertelstunde später stehen wir auf dem Parkplatz des Nautic Club in Kalamata. Wir haben richtig Glück, denn genau während unserer 2 ½ Stunden Stadtbesichtigung bleibt es trocken. Hier gibt es einen „Railroad-Park“, bei dem man das alte Bahnhofsgelände inklusive Bahnhof zu einem Park umgestaltet hat und eine Reihe alter Lokomotiven mit ebenso alten Zuggarnituren in einer Art Freilichtmuseum kostenfrei ausstellt. Klar, dass ich das sehen muss! Von hier aus führt der Weg ganz automatisch weiter ins Zentrum (dort stehen tatsächlich 12 Weihnachtsmarktbuden auf der Plaka – niedlich!) und in die Altstadt, die laut Reiseführer besonders sehenswert sein soll, weil viele alte Gebäude nach einem Erdbeben „liebevoll“ saniert wurden. Gut, es gibt ein paar Altstadtgassen mit Ambiente, fast ein wenig basarähnlich, aber insgesamt fragt man sich schon, wie es denn wohl hier vorher ausgesehen hat? Immerhin gibt es hier mehrere Kaffeeläden, so dass wir endlich wieder unseren Vorrat an gerösteten, ganzen Bohnen auffüllen können. Anschließend geht es weiter auf einen kleinen Strandparkplatz südlich der Stadt, den wir uns bereits vorher bei Park-4-Night ausgeguckt hatten. Die Sonne geht noch glutrot unter (morgen schönes Wetter?), bevor es wieder lange und ausgiebig regnet. Später abends, als wir schon im Bett liegen, gesellt sich noch ein Campingbus zu uns und das war`s denn auch.

 

Am nächsten Morgen können wir unseren Augen kaum glauben: Nicht nur, das wir schönstes Wetter haben, sondern der Camper neben uns entpuppt sich als ein Peugeot Expert aus Frankreich…Christine und Marco stehen neben uns! Großes Hallo, im Winter ist Griechenland wirklich klein!! Nach dem Frühstück verabschieden sich die Zwei nach Kalamata, sie wollen noch ein Weihnachtsgeschenk für Marcos Enkel, der in Vietnam lebt, bei der Post aufgeben und wissen genau wie wir inzwischen auch, wie viel Zeit man dafür einplanen muss. Wir starten kurze Zeit danach und umfahren Kalamata nun östlich, um auf der 82 über eine eindrucksvolle Gebirgsstrecke mit imposanten Schluchten in Richtung Sparta zu fahren. Wir haben bei schönstem Wetter die Straße, die bis auf 1300 m ansteigt, fast für uns allein und genießen das: Jede Menge Fotostopps, bei denen man einfach nach griechischer Sitte die Warnblinkanlage anstellt und mitten auf der Straße hält. In Tripi (der Ort heißt wirklich so!) biegen wir auf die kleine Straße nach Mistras ab und fahren zuerst zum kleinen Parkplatz am oberen Tor und Eingang. Schock: Direkt vor uns parken zwei (!) Reisebusse und spucken rund 100 Oberstufenschüler aus halb Europa aus. Wir lassen uns viel Zeit und als wir rund 30 Minuten später an der Kasse ankommen, versorgt die arme Frau dort gerade die letzten vier Teenies. Sie klagt uns ihr Leid: Nein, kein Gruppenschein – jeder Schüler hat einzeln bezahlt, einen ganzen Hunderterblock ist sie losgeworden und jeden musste sie abstempeln, die Ärmste! Wir zahlen 6 € p.P. verringerten Eintritt, denn eine ganze Reihe der Gebäude können nur von außen besichtigt werden, angeblich fehlt das Personal. Wegen der 300 Höhenmeter sollen wir hier oben nur die Burg und die Hagia Sofia besichtigen, dann mit dem Auto nach unten fahren und den Rest von dort aus besichtigen. Ein guter Tipp, denn als wir uns nach 120 Hm auf die Burg hinauf gekämpft haben, wissen wir wieder einmal, dass wir echte „Flachlandtiroler“ sind. Dort bleiben wir auch nicht lange, denn die Burg ist von 100 Teens besetzt, die überall auf den Felsen sitzen, Musik hören oder Selfies schießen. Als wir an der Kirche ankommen, erreicht gerade eine griechische Schulklasse (Klasse 8 und 9) das Gebäude. Bis die Lehrkräfte die Kids vor dem Gebäude eingenordet haben, sind wir zum Glück mit der Besichtigung schon durch. Da die Jugendlichen alle unten von den Bussen abgeholt werden, rechnen wir uns einen kleinen Vorsprung aus, als wir mit Exe zum unteren Eingang fahren, werden allerdings erst einmal enttäuscht, denn die ersten Teens kommen uns gerade von oben entgegen. Jedoch ist ihre „Verbleibzeit“ scheinbar stark begrenzt, denn man hört die Busse hupen und so läuft und rennt die Schar komplett an uns vorbei und wenige Minuten später ist alles passé und wir können die restlichen Gebäude und Kirche in aller Seelenruhe besichtigen. Es erwarten uns noch einmal läppische 60 Hm zum Kloster hinauf und nach gut zwei Stunden sind wir mit dem Besuchsprogramm durch, Wir parken Exe in der hintersten Ecke des Großparkplatzes und als das Gelände um 15 Uhr schließt, herrscht himmlische Ruhe.

 

Am nächsten Tag erleben wir Wetter extrem: Morgens beim Frühstück in Mistras regnet es bei 8°C. Auf der Rückfahrt nach Kalamata wird es langsam immer wärmer, wie ein großer Keiler, den wir neben der Straße bei seinem Müllfrühstück stören, sicher bestätigen könnte und in Kalamata selbst fahren die Biker auf ihren Maschinen im kurzärmligen T-Shirt ohne Helm: Blauer Himmel und warmer Wind bei 21°C! Wir fahren weiter auf die Mani, den mittleren Finger des Peloponnes, und finden in Kardamili einen ruhigen Stellplatz hinter dem Fußballplatz und neben dem Strand. Wir erkunden bei dem Bilderbuchwetter den Ort und die nähere wie weitere Umgebung unseres Stellplatzes, den wir mit einem einsamen Zelter (ein älterer Mann ohne Fahrzeug – vielleicht so eine Art Philosoph, vielleicht aber auch ein Obdachloser auf Urlaub?) teilen. Gegen 19 Uhr meint dann das Wetter, es wäre bisher noch nicht extrem genug gewesen und lässt ein ordentliches Gewitter vom Stapel – inklusive zweier kräftiger Hagelschauer und einem Blitzeinschlag keine hundert Meter entfernt! Am nächsten Tag ist der Himmel – wie sollte es anders sein? – wieder strahlend blau und wir beschließen, einen weiteren Tag an diesem friedlichen Ort zu bleiben. Wir besichtigen einen der für die Mani typischen Wehrtürme, übrigens zwar anders aussehend, aber mit der gleichen Funktion wie die Türme im svanetischen Georgien, laufen zum Hafen und erforschen den Ort nach geöffneten Tavernen für ein leckeres Abendessen. Leider müssen wir diesen Punkt streichen, wie so oft haben fast nur Cafés geöffnet und die zur Verfügung stehenden Tavernen bieten das typisch touristische Essen wie Souvlaki im Pitabrot. Aber wozu hat Exe schließlich einen Backofen? Also macht meine Kathrin eine ihrer leckeren Pizzen – nein, leiden müssen wir wirklich nicht!