Griechenland Teil 2

In der Nacht war es absolut ruhig und die Lkw kommen am nächsten Morgen auch erst arbeiterfreundlich gegen 8.30 Uhr, als wir bereits aufgestanden sind. Es beginnt zu regnen und das soll auch den ganzen Tag so bleiben. Wir fahren weiter auf der 3 nach Lamia. Hier müssen wir gezwungenermaßen (so man nicht mitten durch die Stadt will!) für zwei Abfahrten auf die Autobahn und dann geht es bei wenig Autoverkehr immer noch auf der 3 bis hinter Bralos. Hier biegen wir auf die 27 ab und fahren (heute schon das dritte Mal) über einen kleinen Pass nach Amfissa. Sieben Kilometer hinter dem Ort biegen wir schließlich links ab nach Delphi. Da es dort kaum Chancen auf einen annehmbaren, freien Stellplatz gibt und wir außerdem den Camping Apollon noch von früher kennen (Nostalgie, außerdem mit fantastischer Aussicht und nur 1,5 km vom Ort und den Ausgrabungsstätten entfernt!), stehen wir bereits vor 12 Uhr an der dortigen Rezeption. Wir zahlen wieder den ADAC-Winterpreis von 19 € inklusive Strom (können wir gut brauchen, denn bei Regen bringt die Solaranlage nicht wirklich viel) und Internet, der übrigens bisher von allen offenen Campings in Griechenland verlangt wird. Zwei Plätze weiter stehen Nachbarn aus Großbritannien mit ihrem VW-Bus, die wir schon aus Volos kennen. Kurz darauf stehen wir alle in den Wolken, immerhin liegt Delphi knapp 500 m hoch.

Am nächsten Tag ist es zwar stark bewölkt, aber trocken, und somit das perfekte Wetter um in den Ruinen herumzuklettern – äähh, Halt! So war es früher! Aber das Positive zuerst, denn im Winter zahlt man nur den halben Eintritt, also 6 € anstelle von 12 €. Außerdem sind außer uns und wenigen weiteren Individualreisenden nur Gruppen von jungen Leuten (und einmal, wie könnte es anders sein, ein „Gruppenseminar“ von Studiosus-Reisen mit schrillen Kolleginnen und Kollegen, größtenteils „Ex“ aus Deutschland) unterwegs: Studien- und Klassenfahrten aus Frankreich und den USA. Aber apropos klettern: Früher haben wir im Amphitheater gesessen und die Aussicht genossen, sind die Bahnen im Stadion abgelaufen und konnten gute Positionen für die Kameraeinstellungen finden. Heute gibt es einen vorgeschriebenen „Laufweg“, alles andere ist mit Ketten abgesperrt – schade, besonders jetzt, wo nichts los ist! Da wir aber gut drauf sind und das Klima im Gegensatz zum Hochsommer so angenehm ist, laufen wir auch zur Castella-Quelle und weiter zum Tholos, dem Heiligtum der Athena – bis hierhin sind wir früher nie gekommen und interessant ist es auch noch! Auf dem Rückweg nehmen wir dann noch das Museum mit, dessen Besuch übrigens im Ticketpreis enthalten ist und sich unbedingt lohnt. Viele Ausstellungsstücke kennt man noch aus den Geschichtsbüchern der Schulzeit, aber was die griechische Kultur damals so drauf hatte – alle Achtung! Auf dem Rückweg durch den rein touristischen Ort schauen wir von oben in die Fenster eines Restaurants und sehen mehrere Leute Pizza essen – Mann, sieht die gut aus! Die wollen wir heute Abend auch! Aber erst einmal zurück zum Auto und als wir uns hinsetzen, merken wir, dass unsere Rücken doch ein wenig schmerzen: Knapp 4 ½ Stunden Besichtigung ohne Pause steckt man doch nicht mehr so weg wie noch vor 20 Jahren! Dafür wird jetzt der Himmel wieder blau und die sagenhafte Aussicht direkt vom Stellplatz runter in die Bucht und aufs Meer, die wir damals vom Bett des T2-Bullis bei geöffneter Heckklappe genossen haben, entschädigt für alles. Abends laufen wir dann noch einmal in den Ort, um die besagte Pizza zu genießen – „Speziale“ heißt das gute Stück und ist nur mit Mühe

und einem (oder zwei) magenfreundlichen Retsina zu schaffen!

Am Morgen werden wir von unseren Nachbarn geweckt, die mit ihrem Allrad CS Independent gestern Abend noch zum kuscheln kamen und die jetzt unbedingt unter viel Lärm vor 8 Uhr los müssen. Um uns herum 23 freie Plätze, alle mit identisch guter Aussicht, alle gleich groß, aber neben uns müssen sie stehen – „Ratsch Bumm“! Ok, wenn wir schon wach sind, dann gibt es wenigstens ein Luxusfrühstück mit Ei und Bacon – schließlich ist heute Sonnabend! Dann fahren wir vom Berg runter (oben blauer Himmel bei 7°, unten am Wasser bei 20°) nach Itea (links ab in Richtung Kirra gibt es keine vernünftigen Stellplätze – alles verbaut!) und auf der 48 immer an der Küste entlang nach Nafpaktos. Einkaufsstopp bei Lidl, dann fahren wir die bei Park-4-Night empfohlenen Stellplätze ab, die uns dieses Mal absolut nicht überzeugen. Aber Kathrin hatte doch vorhin an der Strecke, so von oben runter, was gesehen!? Also fahren wir rund 14 km zurück nach Monastiraki, dort runter ans Wasser (es lebe Exe, niemals werden wir uns einen Expeditions-Lkw zulegen – keine Chance, mit so einem Teil durch den engen Ort zu kommen!) und wieder 2 – 3 km nach Westen und da liegt er: Ein Traumplätzchem am Strand, im Sommer sicher ein übervoller Parkplatz für die Einheimischen. Jetzt kommen ab und zu ein paar Angler, ein Liebespärchen, zwei Hundefreunde und ein Modellschiffer, der seine Rennboote auf dem zugehörigen, kleinen Binnensee fahren lässt – und das ist die Aufzählung von zwei Tagen! Faulenzen ist angesagt. Ok, ein wenig schreiben und Fotos sortieren und am Sonntag ein entsprechender Spaziergang in den Nachbarort an den Hafen und dort in aller Ruhe und Stille sitzen, die Wärme und das Treiben genießen und die Seele baumeln lassen. Uns kann’s schon schlecht gehen! Abends verkochen wir dann den letzten Schinken aus Georgien – so langsam gehen uns lebensmittelmäßig die Nostalgika aus – ist nur noch ChaCha da, aber was heißt hier „nur noch“?

Genug Ruhe – heute geht es rüber auf den Peloponnes! Nochmal Halt in Nafpaktos, dieses Mal griechisch einkaufen, dann geht es rauf auf die A5 und auf die extrem eindrucksvolle Patrasbrücke (13,30 € Maut). Auf der anderen Seite umfahren wir Patras, dann biegen wir ab auf die 9 und hinter Karinina auf die Küstenstraße an dicht besiedeltem Gestade entlang. In Lakopetra machen wir den ersten Abstecher zum Jonian Beach: Fehlanzeige, alles privat und abgesperrt! Dann fahren wir weiter nach Kalogria – wenn wir die von Erika und Detlef übersandte Karte richtig gelesen haben, dann haben die Beiden hier irgendwo gestanden. Ein großes Feuchtgebiet mit Sümpfen, Mooren und Pinienwald bis zum dünenreichen Strand – erinnert uns an Südwestfrankreich! Zuerst fahren wir zum Strandparkplatz mit angeschlossenem Restaurant „La Mer“. Großparkplatz, komplett leer, natürlich das übliche Verbotsschild, schließlich sind wir in einem Nationalpark! Ein winziger Parkplatz, der scheinbar zum Restaurant gehört, direkt am Müll gelegen, sehr „attraktiv“ und außerdem schon von einem Kastenwagen aus Flensburg belegt. Daneben wollen wir uns nicht stellen, das ist uns nun wirklich zu eng! Also raus, im Restaurant fragen. Sehr unwirsch gibt man uns Auskunft – ja, es ist offen, ja, man kann auch abends essen. Aber ob man auf dem Großparkplatz stehen könne? Keine Ahnung, der gehört nicht zum Restaurant! Das sind die Situationen, wo unser „Bauchgefühl“ einsetzt: Weshalb die Unfreundlichkeit, wenn man im Winter doch auf jeden Gast angewiesen sein sollte? Also gibt es scheinbar genug einheimische Gäste? Wenn ja, haben die eventuell etwas gegen Reisemobile, wie die Reaktion der Gastwirte zeigt? Nutzen die dann das Vorhandensein des Verbotsschildes, das sonst niemanden im Winter interessiert? Und weshalb steht der Kastenwagen eng neben dem Müll, wenn man das Parken auf dem Großparkplatz tolerieren sollte? Uns erscheint das alles komisch, wir fahren weiter. Nebenan geht es nochmal an den Strand und das Restaurant hier ist zu. Da gibt es sicher keinen Ärger – nur: Das haben auch schon andere Reisemobile herausgefunden, denn hier ist ein „Überwintererlager“ entstanden und so etwas hassen wir wie die Pest: Ein polnisches Reisemobil mit Anhänger und zwei Paletten (!) Trinkwasser unter dem Auto, das reicht für Monate! Ein französisches Mobil mit Pkw-Hänger und Smart vor der „Haustür“ und ein deutsches Auto mit aufgebautem Sonnenschutz, Markise, Liegestühlen, Mountainbikes und Roller. Ach ja, „Markise raus“ gilt für die anderen auch – wir sind in einem Nationalpark! Nichts wie weg! Was nun? Wir umfahren den großen Binnensee weiträumig, das geht auch gar nicht anders, weil es nicht einmal eine Piste entlang des Strandes gibt, über Varda und Lapas und nähern uns dem Park nun von Süden. Hier führt eine Straße parallel zum Strand nach Norden und von der aus führen Pisten in regelmäßigen Abständen zum Strand (Tipps hierzu auch bei Park-4-Night). Erster Abstecher – hier steht bereits ein Hymer. Langsam bekomme ich schlechte Laune. Ich weiß, wir sind durch die letzten Monate verwöhnt, aber so haben wir uns das auf dem Peloponnes nicht vorgestellt. Hier ist ja scheinbar noch jede Menge Betrieb! Kaum gedacht – schon versöhnt, denn der nächste Abstecher bringt es: Parkplatz mit direkter Zufahrt auf den Strand (die brauchen wir ja nun nicht), die von den einheimischen Anglern und Netzfischern auch genutzt wird. Direkter Blick aufs Meer und die untergehende Sonne und vor allem: Wir sind alleine und bleiben es die nächsten vier Tage auch! Die Verbotsschilder stehen übrigens überall – an den Zufahrtsstraßen, an jedem Strand…am zweiten Tag kommt eine Rangerin vom Strand aus mit ihrem Allrad-Pickup, strahlt uns an, hupt, winkt und ist wieder weg – na also! Kurz vor dem Abendessen bleibt uns zum ersten Mal die Luft weg: Die Sonne geht mit einem Glutball im Wasser unter, beim späteren Glas Wein dann das zweite Mal: Die Mondsichel folgt an gleicher Stelle – ebenso blutrot, genauso groß, boaahh!!!

Einer der Netzfischer mit einem uralten Alfa Romeo Kombi, den wir inzwischen schon kennen und uns gegenseitig grüßen, hat bereits um 7 Uhr morgens sein Netz eingeholt, ansonsten war in der Nacht absolute Stille bei einem unglaublichen Sternenhimmel, fast so schön wie in Alamogordo, USA. Es ist eben die Lichtverschmutzung, die uns dieses Bild so selten erleben lässt! Während des Frühstücks parkt ein älterer Mann seinen Pkw direkt hinter Exe. Gerade als wir uns fragen, was das wohl soll, klopft es an der Tür: Er möchte uns Gemüse verkaufen, außerdem hat er noch selbstgekelterten Retsina dabei und frisches Brot. Brot und Retsina können wir immer brauchen, außerdem erstehen wir „Nicht EU-Norm gerechte“ Gurken und frischen leckeren Knoblauch. Unsere Kaffeebecher leeren wir im Sand sitzend und einem Angler-Pärchen zuschauend, das leider trotz sechs ausgeworfener Angeln so gar nichts fängt. Als die Beiden kurz vor Mittag schließlich einpacken, tun auch wir etwas und begeben uns auf Stranderkundungsgang: Nach rechts geht es nicht weit, nur eine kleine Bucht folgt, an dessen Ende ein österreichischer Kastenwagen parkt. Danach noch ein Felsen mit einer kleinen Kapelle – „Landsend“! Also zurück und rüber zur anderen Seite. Hier können wir laufen, so weit wir wollen. Die ganze Zeit über begegnen uns nur eine Katze und danach noch unser Anglerpärchen, das es an anderer Stelle, aber leider mit genauso wenig Erfolg versucht. Wieder zurück können wir nicht anders als faulenzend in der Sonne zu sitzen – das Wetter ist mit 21° und strahlend blauem Himmel einfach zu schön! Es ist übrigens der 13. November und am nächsten Sonntag ist Volkstrauertag – oh Mann: Geht es uns schlecht!! Zur Sundownerzeit beginnen wir mit der planmäßigen Vernichtung des Retsinas – so ein in Plastikflasche abgefüllter Wein muss jung getrunken werden. Das Weinchen entpuppt sich als Bringer und wir geben uns auch echt Mühe, aber den ganzen Liter schaffen wir denn doch nicht. Am nächsten Morgen haben wir weder einen dicken Kopf noch sonst irgendwelche Beschwerden – wir hätten gerne noch mehr davon gekauft, aber scheinbar hat unser Händler? Bauer? Rentner? genug verdient, er taucht auch in den nächsten Tagen leider nicht mehr auf. Zwei weitere Tage verbringen wir noch bei Sommerwetter an diesem herrlichen Fleck, dann machen wir uns auf den Weg, denn das Wetter soll umschlagen, außerdem neigen sich die Batterie- und Wasservorräte dem Ende zu – die Sonne steht doch auch hier im Winter um einiges flacher am Himmel und so müssen wir denn, wenn wir nicht fahren, irgendwann einmal Strom „nachtanken“.

Nachdem wir von streitenden Fischern geweckt wurden – es ging wohl um Gebietsansprüche – fahren wir bei langsam einsetzendem Regen, der sich schnell zu einem mittleren Wolkenbruch entwickelt, über Varda zurück zur 9 und zuerst einmal zum Lidl nach Amaliada. Es gilt, die Vorräte wieder aufzufüllen und wir staunen nicht schlecht, als auf dem Parkplatz bereits vier Wohnmobile stehen. Dann geht es ein Stück auf gleicher Strecke zurück bis Gastouni. Hier biegen wir ab und fahren über Vartholomio und Ligia nach Glifa zum einzigen geöffneten Campingplatz an der gesamten Westküste des Peloponnes. Natürlich ist niemand da, insgesamt stehen gerade einmal drei Mobile und ein Caravan auf dem sehr gepflegten Platz mit nagelneuen Sanitäranlagen. Wir fahren Exe zur Entsorgung, lassen ihn in Ruhe „auslaufen“ und sehen uns den Platz an. Die gesamte erste Reihe direkt am Strand ist frei, da wissen wir ja schon einmal, wo wir uns hinstellen. Dann finden wir auch eine Sprechanlage und die Frau auf der anderen Seite teilt uns mit, wir könnten uns überall hinstellen und irgendwann käme dann ihr Mann vorbei – Platzgebühr wieder die üblichen 19 € inklusive Strom und Internet. Wir suchen uns einen Platz mit Rundumblick aus, kabeln uns an, leeren das Klo, duschen…nur regnen tut es, und das ausgiebig und mit Sturm und das dann auch noch die nächsten zwei Tage – aber wir haben ja noch einiges an den Rechnern nachzuholen und es war uns ja von Anfang an klar, dass eine Überwinterung im Süden Europas nicht bedeutet, dass wir monatelang nur blauen Himmel haben würden!