Reisemobil-Sicherheit

Vorab einmal eine kurze Info zur Einordnung dieses Blog-Beitrags sowie unserer Erfahrungen zum Thema – und die sind erfreulich, denn in 50 Jahren Reisemobil auf über einer Million Reisekilometern in zwölf unterschiedlichen Mobilen auf allen fünf Kontinenten ist bei uns nicht ein einziges Mal eingebrochen worden. Scheinbar haben wir einiges richtig gemacht oder hatten wir bisher einfach nur Glück? Natürlich wissen wir, dass es keine einhundertprozentige Sicherheit gibt, aber eventuell hilft es dem einen oder anderen, wenn wir ein wenig aus unserem Erfahrungsschatz berichten? Wohlgemerkt, es geht hier nur um den Sicherheitsaspekt bei den häufigen, schnell ausgeübten Einbrüchen. Grundsätzlich gilt natürlich, dass man bei genügend Zeit überall reinkommt. Wie man ein Fahrzeug, dass für lange Zeit irgendwo unbeaufsichtigt abgestellt wird, sichern kann, wissen auch wir nicht. Also los:

Das Fahrzeug

  1. Ideal ist ein abgetrenntes Fahrerhaus mit fester und abschließbarer Tür nach hinten. Wenn dort vorne keine sichtbaren Wertgegenstände herum liegen, ist schon einmal ein großer Anreiz weg. Die abgeschlossene Tür zum Wohnbereich leise zu knacken, dürfte kaum möglich sein.
  2. Fahrer- und Beifahrertür mit zusätzlichen Heosafe-Schlössern sichern – und zwar abschließbar, was man dann natürlich auch tun muss. Es gibt für diese Sicherung unserer Meinung nach nur ein Gegenargument: Die Sicherungen seien nicht sehr auffällig und so könnten schon Einbruchschäden entstehen, bevor potentielle Diebe merken, dass die Türen nicht geöffnet werden können. Das mag sein, aber welchen Aufwand muss man betreiben, um z.B. bei einer kurzen Abwesenheit jedes Mal beide Türen per Kette, Seil oder Spanngurt zu sichern – und wenn der Aufwand zu hoch ist, dann dauert es nicht lange und man verzichtet darauf. Gerade diese kurzen Momente sind es aber oft, die Diebe für einen schnellen Zugriff nutzen. Wenn sie dann frustriert die Scheibe einwerfen sollten, dann nutzt ihnen das nicht viel, denn wenn die Heosafe nicht nur verriegelt, sondern auch abgeschlossen sind, dann müssen sich die „schweren Jungs“ durch die Fensteröffnung quälen, was nicht gerade für einen „schnellen“ Zugriff spricht. Außerdem kommt man ja dank Tür nach hinten immer noch nicht weiter.   
  3. Folierte Seitenscheiben sind zwar in Deutschland nicht zugelassen, denn sie können Probleme bereiten, wenn die Feuerwehr Personen aus dem Auto retten will. Das sehen wir anders, denn wenn bei einer Rettung Fenster eingeschlagen werden, dann sind Feuerwehrleute ja nicht blöd – ein kurzer Schnitt mit dem Messer und der Weg ist frei. Das wissen Einbrecher zwar auch, aber der ganze Splitterkram bleibt aus, denn der hängt an der Folie. In den USA wird übrigens im RV-Bereich intensiv Werbung für einbruchhemmende Folien gemacht. Wir haben die Folien seit zehn Jahren an unserem jetzigen Mobil – die Leute beim TÜV haben das bisher noch nicht einmal bemerkt.
  4. Die Fenster im Wohnbereich sind ein spezielles Thema. Hochwertige Echtglasfenster bieten dank ihrer äußerst stabilen Mechanik zwar einen guten Schutz, können aber genau wie die Seitenscheiben vorne eingeworfen werden – ist ja schließlich auch nur Glas. Die guten, alten Seitz-Fenster lassen sich dafür schon mit einem großen Schraubendreher aufhebeln, auch nicht gerade das, was man unter Sicherheit versteht. Wir haben sie trotzdem behalten. Weshalb? Von den fünf Fenstern im Wohnraum sind nur zwei groß genug, um hineinzuklettern. An deren Unterkanten haben wir Edelstahlschienen der Firma „Womosicherheit“ (auch unter „Secure Camper“ bekannt) verbaut. Die Schienen wiederum werden mit Rändelmuttern und Edelstahlwinkeln am inneren Fensterrahmen verankert. Ein Aufbrechen ist so nur noch schwer möglich und Kunststofffenster einzuwerfen sowieso. Da die Schienen allerdings Wärmebrücken darstellen, hat Kathrin sie mit Alcantara bezogen. Das hilft und sieht auch noch gut aus.
  5. Die Eingangstür benötigt auf alle Fälle ein Sicherheitsschloss. Bei den häufig verwendeten „Caravantüren“ zusätzlich, wenn möglich, von innen durch ein waagerechtes Stangenschloss verstärkt. Wir haben eine „Expeditionsmobiltür“, also ein Stangenschloss mit Dreifachverriegelung und „Hauszylinderschloss“, das gleiche auch beim Heckstauraum, das schreckt doch zum Glück schon ziemlich ab. Ein alter Gag: Entweder ist der Einbrecher Spezialist für Autoaufbrüche oder Hauseinbrüche – beides gleichzeitig ist selten! Früher hatten wir für alle Türen und Klappen außen angebrachte Riegelschlösser von Thule, Fiamma oder anderen Zubehörfirmen.
  6. Große Luken, durch die ein Einstieg von oben möglich ist, immer geschlossen halten, wenn man das Fahrzeug verlässt. Immer daran denken: Heute gibt es leicht zu transportierende Teleskopleitern!
  7. Stauklappen stets geschlossen halten – durch viele kommt man so auch in den Innenraum!
  8. Wir haben einen geräumigen „Safe“ unter dem Beifahrersitz. In Anführungszeichen gesetzt deshalb, weil es sich nicht um einen vollwertigen Tresor handelt. Der Beifahrersitzkasten wurde durch eine oben aufgenietete Stahlplatte verstärkt und der seitliche Zugang, eigentlich als Klappe für Zubehör gedacht, durch eine stabile Safeklappe mit drei Sicherungsbolzen ersetzt. Da passt eine Menge rein. Sicher ist das „knackbar“. Da der Zugang aber nur durch die geöffnete Beifahrertür möglich und diese ja im geschlossenen Zustand zusätzlich durch das Heosafe-Schloss gesichert ist, ist der extrem erschwert.
  9. Grundsätzlich gilt: Wenn wir fahren, sind Aufbautür und Stauraumklappen immer, wirklich immer verriegelt. Fahrer- und Beifahrertür verschließen bei unserem Fahrzeug ab Schrittgeschwindigkeit automatisch. Immer, wenn wir das Fahrzeug beide verlassen, verriegeln wir die Türen vorne zusätzlich mit den Heosafe-Schlössern und schließen diese auch ab. Selbstverständlich liegen keine Wertgegenstände herum. Die Durchgangstür zum Wohnraum wird ebenfalls verriegelt und rein wie raus geht es nur durch die Aufbautür. Die einsehbaren Fenster werden per Rollo so weit abgedunkelt, dass niemand hinein sehen kann.

Die Umgebung

  1. Immer wieder hört und liest man, dass man dort übernachten soll, wo bereits viele Fahrzeuge stehen, denn dann würde man sich gegenseitig schützen! Wäre ich einer der „bösen Jungs“, würde ich mich für diesen Tipp ausführlich bedanken, bietet diese Situation doch gleich mehrere Vorteile auf einmal: Zuerst einmal eine Auswahl wie im Supermarkt – auf welches Fahrerhaus habe ich mich denn spezialisiert, welches sieht besonders erfolgversprechend aus? Mit etwas Glück kann ich gleich mehrfach zuschlagen! Die „mobilen Häuser“ schirmen mich je nach Stellplatz gleich von mehreren Seiten vor unerwünschten Blicken ab!
  2. Selbstverständlich folgt daraus, sich auf gar keinen Fall auf Autobahn-Raststätten ein Übernachtungsplätzchen zu suchen. Runter von der Autobahn heißt das!
  3. Die gleichen „Experten“ (wie gendert man das richtig – „Expertierende“) empfehlen immer, sich auf keinen Fall irgendwo allein in die Natur zu stellen. Wirklich? Glauben die auch noch an den Räuber Hotzenplotz, der mit seiner wilden Horde durch den Wald streift? Wenn man irgendwo einsam steht, dann bedeutet das doch auch „einsam“, oder? Wer glaubt denn, dass Womo-Einbrecher stundenlang quer durch die Natur auf der Suche nach einem zu überfallenden Mobil streifen?
  4. Erscheint die Gegend (oder vielleicht auch das „Land“, haben wir aber bisher nicht erlebt!) wirklich unsicher, so hört bitte tatsächlich auf das oft beschriebene „Bauchgefühl“. Egal aus welchem Grund, aber wenn ihr meint, der Platz fühlt sich nicht gut an, dann fahrt weiter! Hier sind Stell- und Campingplätze eine wirklich gute Alternative – allerdings nur, wenn sie entweder durch Technik gesichert sind, also Zäune, Schranken, Kameras und/oder durch Sicherheitspersonal.

Nicht alles ist planbar!

Okay, nun noch ein paar unserer persönlichen Beispiele, die aufzeigen, dass nicht alles plan- oder erklärbar ist. In Südfrankreich stehen wir wegen des dort wirklich erhöhten Einbruchrisikos, aber auch weil es dort einfach schöner ist, auf einem scharf bewachten Campingplatz mit jeder Menge Sicherheitspersonal, per Karte gesicherten Zugängen und das Ergebnis sind mehrere Diebstähle – allerdings nur links und rechts von uns in Zelten und einem Wohnwagen. Keine Ahnung, wie die Diebe in den Platz eingedrungen sind, aber einhundertprozentige Sicherheit gibt es auch auf Campingplätzen nicht.

In der Mongolei stehen wir an einem wunderschönen See und selbst mit Fernglas ist keine, absolut keine menschliche Aktivität sichtbar – auf viele, viele  Kilometer nicht und bis zum Horizont! Nachts um 2 Uhr werden wir wach, weil neben uns ein Auto hält und die Insassen neben uns ihr Zelt aufbauen. Nein, kein Überfall, sondern eine Großfamilie, die uns gesehen hat und nun weiß, dass bei uns fester Boden zu finden ist, der sich für eine Übernachtung eignet. Also, gefunden werden kann man wirklich überall!

Es gibt auch „perverse“ Situationen, wie vor langer Zeit in Marokko erlebt: Wir sitzen auf einem Campingplatz in Marrakesch vor unseren Bullis, den Sundowner in der Hand, etwas entfernt befindet sich der mehr als zwei Meter hohe Sicherheitszaun mit ordentlich Stacheldraht obendrauf. Auf der anderen Seite stehen einige junge Männer und sehen zu uns rüber. Zwei oder drei versuchen, über den Zaun zu klettern. Plötzlich tauchen mehrere Sicherheitsleute mit langen Eisenstangen auf und schlagen mit denen auf die Jugendlichen ein – nicht etwas oder androhend, sondern mit brutaler Gewalt. Wohlgemerkt: Die waren nicht bewaffnet, die waren auch nicht gewalttätig, wahrscheinlich versuchten sie nur, etwas „Stoff“ an die Urlauber zu verticken. Sicherheitsempfinden kann auch zu komplett überzogenen Reaktionen führen.  

In Botswana wurden wir auf einem Campingplatz bestohlen: Fahrerhaus und Aufbau waren bei diesem Fahrzeug wie bei einem Pickup mit Absetzkabine getrennt. Wir haben die Fahrerkabine per Funkfernbedienung abgeschlossen. Der Security Guard vom Platz bat um den üblichen Tip, den wir ihm in dem Moment nicht geben konnten, da wir gerade erst am Automaten Geld geholt hatten. Also vertröste ich ihn auf später, ich müsste erst im Restaurant wechseln. Als wir aus dem Restaurant zurück kommen, ist er weg. Am nächsten Morgen wundern wir uns, dass die Beifahrertür nicht abgeschlossen ist und später stellen wir fest, dass der leere Rucksack und alte Ferngläser gestohlen wurden – keine Ahnung, wie das passiert ist, aber: Seither haben wir stets noch einmal nach dem Abschließen an beiden (!) Griffen gezogen.

Im südlichen Afrika wurden wir öfter vor bewaffneten Überfällen gewarnt. Sperren durch Autos, die Gangster bewaffnet. Entweder werden „nur“ die Autos und Insassen durchsucht und ggfs. geplündert oder aber man muss aussteigen und auch das Auto ist weg. Nicht einfach sagen – klar, dass ist das wilde Afrika….Nein, das gibt es inzwischen auch in den USA und auch in Mittelamerika! Kann man sich davor schützen? Kaum, außer dass man sich erkundigt und versucht, die großen Touristenrouten zu umgehen. Nicht nachts fahren hilft auch sehr, tagsüber ist auf den Straßen für einen Überfall oft zu viel los.