Jede Zeit hat ihr eigenes Reisemobil

Jede Zeit hat ihr eigenes Reisemobil

Unsere eigene reisemobile Vergangenheit hat uns gelehrt, dass sich unsere Ansprüche an das ideale Reisemobil verändern – nach dem Motto „Alles hat seine Zeit“. Beispielsweise war ein geräumiger, voll integrierter, gut isolierter und mit Warmwasserheizung ausgestatteter Liner (übrigens aus dem kleinen Polch stammend und der Namensgeber aller Liner) das ideale Fahrzeug für Winterurlaube in Europa. Da wir uns nicht mehrere Mobile gleichzeitig leisten konnten (gilt immer noch und wird sich wohl auch nicht mehr ändern), musste dieser Liner auch auf Pisten (nur Allrad: ha, ha!) quer durchs Hochland von Island (zwei vernichtete Reifen wegen mittlerer Felsen zwischen den Zwillingsreifen und arg demolierte Seitenschürzen) und duch Russisch Karelien nach Murmansk (abgefallener Stabilisator und ein 20 cm-Loch im massiven Blechboden der Garage wegen eines durchgeschossenen Blattfederteils, das auf der Straße lag) brettern – kann man machen, geht aber besser!

Das haben wir dann erst recht festgestellt, als wir auf Zeit aus beruflichen Gründen in die USA übersiedelten. Amerikaner machen alles mit Kraft: Wozu Serpentinen bauen, wenn es Achtzylinder mit massig Hubraum, Leistung und entsprechendem Drehmoment gibt? Wie ergeht es einem 7,5 t schweren Clou auf Mercedes 814 mit vier Zylindern und mageren 136 PS auf einer fast geraden, 28 km langen,12 % – igen Steigung von 1800 m auf 2900 m Höhe bei 40° Außentemperatur? Könnte er sprechen, würde er sagen: „Bei euch ist wohl niemand mehr zu Hause?“ Da er das nicht kann, tat er seine Meinung einfach dadurch kund, dass er kochte, und zwar ausdauernd und alle zehn Minuten wieder!

Ein anderes Auto musste her, denn da wir hauptsächlich wegen der Arbeit in diesem Riesenland weilten und entsprechend nach jeder Tour auch wieder eine Rückreise nach Hause anstand, musste das neue Reisemobil schnell  lange Strecken komfortabel meistern. Amerikanische Mobile fielen aber so etwas von flach, nachdem wir uns viele, viele verschiedene Autos aller großen Hersteller angesehen hatten: Die Qualität der Aufbauten war derart mangelhaft, dass viele Möbel klemmten, auseinander- oder abfielen (Dachstauschränke an die Wand getackert!!) und auch Geräte bereits im Neuzustand nur mangelhaft oder gar nicht funktionierten Also fiel unsere Wahl nun auf einen Sprinter-Kastenwagen mit der inzwischen fast legendären 6–Zylinder–Maschine und 190 PS eines deutschen Herstellers. Da wir auch zum Zeitpunkt der Anschaffung bereits nicht mehr ganz jugendlichen Alters waren, sollten die Betten und der Innenraum genügend großzügig gestaltet sein. So fiel die Wahl auf den größten Wagen, den die Firma CS aus Henstedt-Ulzburg nördlich Hamburg anbot, einen Rondo XL. Den importierten wir mit Hilfe der ausgezeichneten Unterstützung von CS in die USA und die weiter oben angesprochenen Probleme waren verschwunden: Die gleiche Steigung gelang nun mit lässig schnurrendem Motor bei Tempo 104 (es wäre auch schneller gegangen, aber das ist ja in den USA nur selten erlaubt!) und eingeschalteter Aircon. Sehr hochwertiger Möbelbau, eine gute Ausstattung, schickes Aussehen (oft gehörter Kommentar: She’s a beauty!“) und geräumige, bequeme Betten machten die Fahrten zu „Genussreisen“.

Wieder zurück in germanischen Gefilden begann der Blick in die Zukunft: Maximal vier Jahre bis zur persönlichen Reisefreiheit – der Ruhestand langsam zum Greifen nahe und noch so viele Reisepläne, die der Verwirklichung harren! Aber mit einem 7m-Kastenwagen, 4,33 m-Radstand und minimaler Bodenfreiheit? Nee, nee – da muss ein Neuer her und das rechtzeitig, damit auch getestet, verbessert und gebastelt werden kann!