Korsika

Um 12 Uhr kommen wir in Bonifacio an – hallo Korsika! Der erste Eindruck ist schon einmal gewaltig: Die Fähre zieht an einer mächtigen Felsenküste entlang und erst, als man sich zu wundern beginnt, weshalb der Kapitän das Schiff in Richtung Felsen lenkt, öffnet sich eine Passage, fast fjordartig, und wir fahren in den Naturhafen von Bonifacio – großes Theater!! Hier ist es eng – die Straße entlang des Ufers ist einspurig befahrbar und so von Restaurants, Cafés und deren Terrassen umbaut, dass man die Durchfahrt mit einem 2,90 m hohen Reisemobil getrost vergessen kann. Die Umgehungsstraße ist dann schon ein kleiner Hinweis auf die Geografie Korsikas: Es geht steil und in Kurven hoch auf die Steilküste, an der Altstadt innerhalb der Zitadelle vorbei und auf der anderen Seite gleich wieder runter in die Neustadt. Hier wollen wir auch hin, nämlich zum Reifendienst. Natürlich ist gerade Mittagspause – wir sollen um 14 Uhr wieder kommen, parken können wir dort auch nicht (zu eng), also rollen wir auf den „P2“ von sechs Plätzen. Die im Moment abgebauten Schrankenanlagen und Womo-Verbotsschilder erzählen von chaotischen Zuständen während der Hauptreisezeit. Jetzt ist zum Glück wie immer und überall nix los und wir machen uns auf den Weg und erkunden die Stadt. Zuerst geht es am Wasser entlang, dann wieder einmal schnaufend bergauf zur Zitadelle und in die eigentlich schöne Altstadt, die im Moment aber leider eine einzige Großbaustelle ist – man bereitet sich auf die Saison vor! Dann geht es wieder zur Reifenwerkstatt. Dort stellt man fest, dass der Nagel eher eine Art Krampe ist und so gleich zwei Löcher nebeneinander in unseren Offroadreifen gestanzt hat. Nebenbei erfahren wir dann auch, dass man hier nicht vulkanisieren, sondern nur „meshen“ kann (also mit einer Art Ahle und einem Gummiwulst das Loch verschließen) und das geht bei zwei Löchern nicht – das wissen wir übrigens auch, denn ein solches Reparaturset haben wir selbst an Bord. Also müssen wir nach Porto Vecchio, ungefähr 30 Kilometer entfernt an der Ostküste gelegen und genau nicht in unserer Richtung gelegen (wir wollen die Westküste rauf!), aber: hilft ja nichts! Der Reifen wird nochmal wieder auf 5 bar aufgepumpt, Geld wollen die netten Jungs nicht von uns und ab geht es nach Porto Vecchio. Wir müssen noch ein paar Kilometer nördlich von Porto Vecchio in den Ortsteil Trinité zu „Point S“. Großer Laden, auch hier sehr freundliche Leute, man schiebt uns dazwischen und eine ¾ Stunde später sind wir wieder auf dem Weg. Wir fahren über die D 589 zur N 196 zurück und 16 km weiter nach Norden zum Parkplatz am „Rocher du Lion“. Der Parkplatz ist nicht gerade der Hit – direkt an der Straße gelegener Touristenplatz für Fotos vom Rocher du Lion – einem Felsen, der aussieht wie ein liegender Löwe mit einer „Krone“ auf dem Kopf, die in Wirklichkeit die Ruine eines Genueser-Turms ist. Aber so hat der Platz auch etwas Positives: Die Aussicht auf den Löwen haben wir gratis!

 

Der Berufsverkehr und die ersten Fototouristen sorgen dafür, dass wir nicht zu lange schlafen. Bis kurz vor Sartène fahren wir auf der N 196, dann biegen wir auf die D 48 ab, um nach weiteren 7,5 km auf der D 48a zu den „Megalithes de Cauria“ zu fahren. Hier und an unserem folgenden Ziel stehen die für uns einzigen Kulturdenkmäler der Insel – 5500 Jahre alte Menhire und Gräber der Megalithkultur (auf Kirchen und so was stehen wir ja nicht besonders). Die zweite Menhirenfundstelle erreicht man ebenfalls über die D 48, jedoch einige Kilometer weiter in Richtung Tizzano und im Moment über eine Allradpiste, besser befahrbar mit zusätzlicher Getriebeuntersetzung – die Piste wird hoffentlich noch bis zur Touristensaison „bearbeitet“?! Auch noch erwähnenswert: Es gibt hier keine Wendemöglichkeit für größere Fahrzeuge. Dank Allrad wühlen wir uns einfach eine ins Gelände – für unser bestimmt nicht riesiges 6,20 m Mobil geht das gerade noch! Anschließend suchen wir in Tizzano vergeblich nach einem Stellplatz und erleben Korsika zum ersten Mal so, wie danach noch oft: Verbotsschilder, Querbalken vor den Parkplätzen – eben reisemobilfeindlich. Wir haben ja Verständnis, wenn das im Sommer wegen der Invasion von Mobilen nötig sein sollte, aber nun ist Winter oder früher Frühling und alle, aber auch alle Campingplätze sind im Moment noch zu (die ersten öffnen am 1. April!). Da helfen auch keine guten Kommentare von Einheimischen, man würde darauf im Moment nicht achten. Für uns gilt: Da steht ein gültiges und eindeutiges Verbotsschild und wir wollen nicht zufällig die Dummen sein, wenn der örtliche Polizist gerade heute schlechte Laune oder generell etwas gegen Reisemobile hat und mal eben 400 € Bußgeld „verdienen“ will. Also fahren wir zurück zur Hauptstraße und über Sartène und auf neuer Umgehungsstraße um Propriano herum zur D 157, der wir nun konstant (später als D 155) an der Küste bergauf und bergab schlängelnd folgen. Nach einem Fehlschlag (der angegebene Stellplatz ist zwar freigegeben, dient aber den Motocrossern als Basis) landen wir schließlich auf dem außerhalb der Saison (Oktober bis Mitte Juni) freigegebenen Strandparkplatz von Portiglolo und der passt! Der passt sogar so gut, dass wir gleich noch einen Tag länger bleiben.

 

In Porticcio halten wir bei Carrefour zum ersten größeren Einkauf inklusive zweier leckerer Schoko-Éclaires für die Mittagspause. Um Ajaccio, die Inselhauptstadt, herum erleben wir seit Monaten wieder einmal, was ein Stau ist, und dann geht es auf der bedeutend ruhigeren D 81 mehr oder weniger an der Küste entlang über Cargèse zum Plage de Chiuni. Hier gibt es hinter dem im Moment zum Glück geschlossenen Club Méditerrané einen großen Strandparkplatz, auf dem neben uns noch zwei Pkw stehen und sonst nix. Stühle raus und ab an den Strand! Nach drei Wochen benötigen wir dringend zwecks Wäsche machen wieder einmal einen Campingplatz. Laut Führer öffnen die ersten Plätze zwar erst am 1. April, aber das ist ein Montag, und es wäre doch Blödsinn, wenn diese Plätze dann nicht schon zum Wochenende aufmachen würden? Also rufe ich beim Camping „La Pinède“ in Calvi an und dort bestätigt man mir: Morgen, also Freitag, wird eröffnet“!

 

Die Nacht war schon fast unheimlich leise – nicht einmal Tiergeräusche haben wir wahrnehmen können. Es geht zurück auf die D 81 und über Piana hinein in die wunderschöne Felslandschaft der Calanche. Die teils einspurige Straße führt hier mit einer Reihe von Ausweich- und Parkbuchten eng an der Steilküste entlang durch eine bizarre Felslandschaft mit vielen Formationen, die die eigene Fantasie anregen – Hundekopf, Schloss, Bischofsmütze, Herz der Liebenden….. wirklich eindrucksvoll! Hinter Porto wird die Straße nochmal an zwei bis drei Stellen richtig eng, ansonsten geht es jedoch relaxt kurvend durch schöne Landschaft in Richtung Calvi. Rund 20 Kilometer vor Calvi wird es für ein paar Momente etwas wunderlich: Links und rechts stehen farbige, aufgespannte Netze und trennen den Seitenstreifen von der Fahrbahn, dazu jede Menge Hinweis- und Verbotsschilder. Dann schnallen wir es (wer lesen kann, ist im Vorteil!): Am Sonntag wird die Rallye „Tour de Corse“ hier entlang geführt und Endpunkt der Rallye ist Calvi! Okay, dann wird`s wohl etwas bunter in den nächsten Tagen. Wir fahren durch Calvi und knapp zwei Kilometer südlich des Ortskerns liegt der ausgewählte (einzig offene!) Campingplatz. Wir werden mit ordentlich „hallo“ begrüßt, denn wir sind die ersten Gäste der Saison (leider gibt’s dafür keinen Champagner!) und können uns kaum für einen Stellplatz entscheiden – ja, ja, wer die Wahl hat…

 

Am nächsten Tag ist u.a. Wäsche angesagt und da bemerkt man dann schnell die Nachteile, wenn man zu den ersten Gästen gehört (obwohl inzwischen ein paar Hüttenbewohner und zwei Womos dazu gekommen sind): Die Maschinen stehen noch nicht unter Strom, sie sind noch nicht gespült – also befindet sich noch das Restwasser vom letzten Jahr darin, das Internet funktioniert noch lückenhaft, die Fahrwege werden noch frisch „befüllt“ und die „Gartenarbeit“ ist auch noch nicht beendet. Egal, dafür liegt der Platz günstig – man ist schnell am Strand und auch in der Stadt. Wir feiern unsere Ankunft mit Merguez vom Grill in frischem Baguette mit ordentlich scharfem Dijon Senf – die südfranzösische Variante eines Hotdog: Edler und leckerer!

 

Umstellung auf Sommerzeit – das nervt! Entsprechend später sitzen wir beim Frühstück. Aber das Wetter ist super, also lümmeln wir ein wenig in der Sonne und hören dem entfernten Sound der Rallyeteilnehmer zu. Da um 15 Uhr große Preisverleihung in der Stadt sein soll, begeben wir uns rechtzeitig in die Stadt und in den Trubel. Während wir den letzten Teil der Strecke an der Straße entlang gehen, kommen uns ständig Fahrzeuge entgegen – alle älter (z.B. eine Menge alte R5 und Porsche 911) – sollten wir etwas falsch verstanden haben und das hier ist eine Oldtimer-Rallye? Dann fallen uns die Startnummern auf: Die sind alle im 200-er Bereich, also handelt es sich scheinbar um die „Amateure“ (man könnte auch sagen, die echten Rallyefreaks!), während die Profis sich schon in der Sonne aalen – und so ist es denn auch ungefähr, allerdings liegen die Piloten und deren „Cos“ nicht in der Sonne, sondern erledigen Papierkram, geben Autogramme oder Interviews. Wir stromern durch die Menschenmengen – ist doch auch mal wieder schön, wenn Trubel ist! Nach der Siegerehrung – nur echt mit Sektdusche! – erklimmen wir zum x-ten Mal eine Zitadelle, bis vor kurzem (und vielleicht immer noch ein wenig?) auch Heim der Fremdenlegionäre, genießen die tolle Aussicht, die sich von hier aus auf Calvi, die Marina, das Rallyegelände und die Umgebung bietet. Bevor wir uns auf den Rückweg machen, gibt es im Hafen eine Pizza Corse mit „Lonzo“, das ist geräuchertes und luftgetrocknetes Schweinefilet mit ganz besonderem Aroma. Wieder auf dem Campingplatz, erscheinen neue Gäste zum Klönen: Ein „Exildeutscher“, der seit langem in der Nähe von Bagniol nahe unserer geliebten Camargue lebt und zwei um einiges jüngere Kastenwagenfahrer, die bereits zum 10. Mal auf Korsika sind – vielleicht, weil ihnen nichts Besseres einfällt!? Egal, als es draußen zu kühl wird, probieren wir den von uns eingekauften korsischen Wein – hmm: Vielleicht haben wir mit unserer Wahl extremes Pech gehabt, aber unser sardischer Cannonau ist uns tausendmal lieber!

 

Nach einem echten (!) Ruhetag mit anschließendem, leichtem Sonnenbrand geht es auf der N 197 nach L’Ile-Rousse. Es soll in die Berge gehen. Irgendwie gelangen wir aber nicht auf die von uns präferierte Route, sondern auf die kleine „weiße“ D 63 und gelangen so schneller als gedacht über Belgodère in dieselben. Auf der D 71 schlängeln wir uns über Costa weiter nach oben zur N 2197, der wir über die ersten Pässe in 1000 m Höhe und Palasca zur N 197 folgen. Diese gut und großzügig ausgebaute Straße bringt uns nach Ponte-Lecchia. Hier geht es weiter auf der kleinen D 71 durch eindrucksvolle Bergwelt mit einer Menge freilaufender Kühe und zum ersten Mal auch mit den berühmten korsischen und halbwilden Schweinen. Uns fallen die vielen Milane auf, die nach Beute ausschauend über der Straße schweben und um die Botanik nicht zu vernachlässigen: Es blühen eine Unmenge von Christrosen, die wir aus Deutschland nur von Ziergärten her kennen. Um Tarrano herum ist die D 71 plötzlich gesperrt, zwei kleine Pappschilder erklären die Umleitung auf der kleinen, alten D 17. Dank Exes doch eher „zierlichen“ Abmessungen und unserem Navi gelingt die Umfahrung dann auch recht problemfrei – mit einem „Siebenmeterintegriertenschiff“ sieht so etwas sicher anders aus – vor allem an einigen Abbruchkanten, an denen die kleine Straße einfach beschlossen hat, sich teilweise eine Stufe tiefer niederzulassen! Weiter geht es über Ortale und Ste-Christine hinunter zur N 198 und ans Meer. Schnell geht es schnurgeradeaus und gut ausgebaut nach Süden bis Aléria. Hier biegen wir im rechten Winkel auf die N 200 und ans Meer ab, fragen kurz (um eventuellen Ärger zu vermeiden!) am dortigen Campingplatz nach, ob er bereits geöffnet ist, erheischen ein bedauerndes „non“ und stehen gleich darauf „wie immer“ direkt am Meer und am Strand.

 

Am nächsten Tag geht es nach Aléria zurück und von dort direkt auf großer Straße weiter in die Berge nach Corte. Die knapp 50 km lange Fahrt wird nur durch einen Fotostopp an einer 350 Jahre alten Genueserbrücke unterbrochen und so stehen wir bereits eine gute Stunde später auf dem Bauerncamping „U Sognu“ am Ortsrand von Corte, lediglich 10 Gehminuten vom Zentrum entfernt. Ein herrlich altmodischer Platz, wie früher die Camping Municipals auf dem Land, alles einfach und fast schon „historisch“ (einschließlich der guten, alten „Hockklos“), aber sehr sauber, gut gepflegt und mit heißer Dusche, die unter enormem Wasserdruck steht! Wir erkunden die Altstadt, die angeblich sehenswerte Zitadelle (schon wieder!), die ebenfalls wie die in Calvi der Fremdenlegion als Unterkunft diente, ist aber „aus Sicherheitsgründen“ ebenso wie das Museum heute geschlossen. So fehlen uns dieses Mal die letzten „Höhenmeter“. Wir kundschaften ein Restaurant mit heimischer Küche aus und kehren um 19 Uhr ein zweites Mal in die Stadt zurück, um im „U San Teofalu“ sehr lecker zu essen: Wildschweinpastete, korsische Wurst- und Schinkenplatte, Wildschweingulasch, korsische Käseauswahl mit Feigenkonfitüre, Kastanienkuchen, dazu Hauswein und danach Café – noch Fragen? Ach ja, zu Hause brauchen wir doch dringend einen Calvados als Absacker!

 

Nun geht es auf der N 193 nach Norden. In Ponte-Lecchia machen wir noch einen Fotostopp – die dortige Genueserbrücke hatten wir bereits auf dem Hinweg gesehen. Weiter geht es auf der N 197 in Richtung L’Ile–Rousse und kurz vor der Küste biegen wir ab auf die kleinere, kurvige D 81 nach St-Florent. Nun wird es ordentlich nass. Wir fahren auf der D 81/D 80 im strömenden Regen an der Westküste des Cap Corse entlang. Schöne Straße, tolle Steilküste, aber so im Regen? Also beschließen wir, nördlich von Nonza den einzigen offiziellen Stellplatz anzulaufen. Am frühen Nachmittag stehen wir am kommunalen Stellplatz von Marina d’Albo und sind „begeistert“: Trotz aller Beschreibungen und Kommentare ist der Stellplatz nicht ganzjährig zugänglich, sondern mit einer Kette abgesperrt. Lediglich die Ver- und Entsorgung ist zugänglich – das Wasser ist aber auch hier abgestellt. Alle weiteren Parkplätze sind wieder einmal entweder durch Balken oder eindeutige Verbotsschilder gesperrt. Korsika, wir lieben dich! Notgedrungen (es schüttet wie aus Eimern, weder offene Camping- noch Stellplätze sind irgendwo in Sicht) quetschen wir uns in die abgesperrte Einfahrt – im Laufe des Nachmittags kommen noch zwei weitere, ebenso „begeisterte“ Wohnmobile vorbei, müssen aber wegen Platzmangel weiterfahren. Als Tröster macht Kathrin einen ihrer berühmten Nudelaufläufe – bei dem Regen und den Temperaturen (um 10°C) genau das Richtige!

 

Nach einer windigen Nacht (zum Glück standen wir in unserer Einfahrt gut geschützt!) fahren wir bei nun wieder strahlend blauem Himmel weiter auf der D 80 gen Norden. Das Sträßchen ist auf dieser Seite der Halbinsel ziemlich eng und führt manchmal abenteuerlich, aber sehr beeindruckend an der Steilküste entlang – und das auch noch bei tollster und klarster Sicht! In Botticella biegen wir zu einer ungefähr 20 Kilometer langen Rundtour auf fast durchgängig einspuriger Straße ab. Auf der D 153 geht es hinunter zum Kap (dem nördlichsten Punkt Korsikas) über Tollare. Unten erwartet einen tatsächlich ein Stellplatz ohne Komfort und eine tolle Sicht auf die vorgelagerte Ile de Giraglia, die in ihrer Form je nach Geschmack entweder einem Krokodil oder „Pluto“ ähnelt. Hinauf geht es auf der D 253 über Barcaggio – kurz vor deren Ende „treffen“ wir noch fast ein paar Rebhühner, die panikartig vor Exe herum rennen. Kaum kommen wir an die Ostküste, ändert sich das Bild total: Keine aufsehenerregenden Felswände mehr, dafür Tourismus, Marinas, breite Straßen, viel mehr Verkehr. Rund 10 Kilometer vor Bastia wird es richtig voll, öffentliche, unverbaute Strandzugänge gibt es schon länger nicht mehr, Parkplätze (ich spreche hier nicht von Stellplätzen!) für Reisemobile erst recht nicht. Die Leute fahren rücksichtsloser, die Autos werden größer und teurer – Städter eben! Wir müssen leider mitten durch und kommen auch so schon einmal direkt am Fährhafen vorbei, es geht immer am Wasser entlang. Hinter Bastia biegen wir schließlich auf die D 107 ab und sind kurz darauf am Camping „San Damian“ zwischen Etang und Meer, dem einzigen geöffneten Platz um diese Jahreszeit hier in der Gegend. Groß, gepflegte Anlagen, deutsch sprechende Rezeptionistin, spezialisiert auch auf ankommende wie abreisende Kunden der Fähren – z. B. öffnet der Platz morgens genau um 6.30 Uhr (na ja, „mittelmeergenau“!) und damit exakt zu der Zeit, die man benötigt, um rechtzeitig im Fährhafen zu sein. Wir suchen uns wieder einen Platz direkt am Strand und sitzen kurze Zeit später Sonne tankend vor dem Auto.

 

Nach einem Ruhetag mit kleiner, aber langweiliger Radtour entlang des Etangs, dafür aber der Entdeckung eines ausgezeichneten „Traiteurs“, der unser Abendessen (Kaninchen in Rottiseursenfsauce, Edelfrikadellen mit Ricotta-Petersilien- Ravioli, Migliacciu (ein Gebäck aus Hartweizengries und Riccota), Flan, Käsekuchen) für heute sichert, geht es heute früh um 5.30 Uhr aus den Federn. Zusammen mit einem weiteren Wohnmobil fahren wir zum Fährhafen und um 7.50 Uhr, also sogar 10 Minuten vor der eigentlichen Abfahrtszeit, legen wir ab und sagen Korsika „Tschüss“ – ob „Auf Wiedersehen“? Wir glauben eher nicht! Zu deutlich waren die Hinweise darauf, dass Reisemobile hier nicht gern gesehen sind. Die Verbote selbst in der absoluten „Nichtsaison“ sprechen für sich. Zum Glück mussten wir die Erfahrungen anderer Mobilkollegen in Bezug auf Aggressivität nicht teilen – wir wurden nicht mit Steinen beworfen (was Leuten durchaus nicht nur im Sommer, sondern auch Ende Oktober bereits passiert ist!), nicht beschimpft und auch nicht von der Polizei vertrieben. Im Vergleich zu Sardinien ist Korsika jedoch eine kleine und dicht besiedelte Insel. Es gibt kaum echte Einsamkeit – in jeder schönen Ecke gibt es entweder Hotels oder besser noch ausgedehnte Ferienanlagen. Reisemobilinfrastruktur ist quasi nicht vorhanden – ok, da ist Sardinien auch nicht viel besser. Uns jedenfalls hat Sardinien um einiges besser gefallen – mehr Platz, mehr Natur, mehr Kultur…. Aber das ist sicher Ansichtssache – wir haben einige Leute getroffen, die es genau anders herum sehen. Macht euch selbst ein Bild!

 

Überpünktlich wenige Minuten vor 13 Uhr öffnet die Fähre die Luken in Nizza und um 13.04 Uhr sind wir bereits als viertes Auto vom Hafengelände runter und auf dem Weg durch die Stadt zur Autobahn – der ersten seit Monaten!

 

In eigener Sache: Hier endet der Blog zu unserer ersten Langzeittour. Von nun an halten wir uns noch zum „Urlaub machen“ (ha, ha – nach der „schweren und anstrengenden Zeit“ muss man sich ja mal erholen dürfen!) für rund zwei Wochen in unserem geliebten Südfrankreich, vor allem in der Camargue, auf, bevor wir endgültig Ende April nach Hause kommen werden. Hier in der Provence halten wir uns „klassisch“ seit mehr als 30 Jahren (wenn möglich) in der Osterzeit auf, um den Frühling zu begrüßen – und hier wollen wir die Tour aus- und nachklingen lassen. Zusammen mit den Flamingos, mit einem Glas Pastis in der Hand vor Exe die südliche Sonne genießend oder in Arles im Straßencafé sitzend um das Straßenleben an uns vorbeiziehen zu lassen. Dafür braucht man keinen Blog – das kann jeder ganz einfach selbst genießen, selbst für ein paar Tage ist das lohnend!!

 

Wir verabschieden uns also vorerst (für ein Fazit der acht Monate brauchen wir noch Abstand) von allen treuen Lesern und Besuchern unseres Blogs. Es sind in den 8 ½ Monaten und den etwas über 20000 Kilometern viel mehr Leser geworden als zu Anfang, aber so ist das eben: Wenn man reist, trifft man viele nette Menschen. Wir danken für euer Interesse und wünschen euch allen wie immer:

 

EINE HANDBREIT LUFT UNTER DEM DIFFERENZIAL!!!

 

 

Kathrin und Ekki Klahre