Sizilien Teil 2

Die Nacht war klar bei einem atemberaubenden Sternenhimmel und richtig kalt – wir haben Eis auf der Windschutzscheibe und das Thermometer zeigt  -1°C! Kathrin wurde bereits etwas früher von den Straßenbauarbeiten geweckt – klar, heute ist Montag! Vor der Abfahrt gönnen wir Exe eine Motorvorwärmung und uns ein warmes Fahrerhaus, dann geht es wieder zurück nach Cassaro, vorbei an blühenden Mimosen und Mandelbäumen, dann weiter über Palazzola und hinunter nach Cassibile. Auf der SS 115 fahren wir bis Avola und weiter bis kurz vor Noto. Hier biegen wir auf die SP 19 ab und 9 km weiter geht es auf nicht gerade gepflegter Piste ab ins Naturreservat „Oasis of Vendicari“. Nach drei Kilometern welliger und schlaglochreicher Piste, auf der sich zwar Exe, aber sicher nicht jedes andere Reisemobil wohl gefühlt hat, sind wir auf dem privaten Stellplatz „Calamoche“. Extrem einfache Ausstattung, aber eine naturnahe Spitzenlage. Freie Stellmöglichkeiten gibt es hier im Park nicht, da sind die Aussagen deutlich, also was soll’s. Zu sehen ist niemand, wir stehen mutterseelenallein, das zugehörige Restaurant ist natürlich noch bis März geschlossen. Niemand ist zu sehen. Wir ziehen die Treckingschuhe an (Kathrin sogar zum ersten Mal in diesem Jahr ihre kurze Hose!) und sind dann mal in der Natur: Hinter dem Parkeingang mit unbesetzter Wächterhütte führt der Weg zuerst in einem Bogen zum Strand, dann weiter an der Küste entlang durch Teppiche voller wilder, blühender Krokusse auf und neben dem Weg. Schließlich trifft man auf den ersten kleinen See, eine ehemalige Saline, mit Beobachtungsstand. Hier sehen wir Flamingos (teilweise bei der Balz, ein herrlich alberner Anblick!) und einen Fischadler auf Futtersuche. Weiter geht es an einer alten Thunfischfabrik vorbei zum großen See mit weiteren Beobachtungsstationen. Auch hier kann man Flamingos sehen, außerdem noch Brandgänse und jede Menge Kormorane. Auf dem Rückweg begegnen wir noch den ersten singenden Feldlerchen des Jahres – keine Frage, es wird Frühling! Nach über drei Stunden wieder zurück, sitzen wir draußen in der Sonne  und genießen ein wohlverdientes, kaltes Bier. Als es dunkel wird, bemerke ich im Restaurantgebäude Licht und versuche mein Glück bezüglich einer Kontaktaufnahme. Im Restaurant sitzt ein Caretaker-Pärchen und ich frage nach dem Übernachtungspreis, denn draußen an der Einfahrt gibt es ein Schild, auf dem steht, dass das Parken für Pkw 3 € und für Motorräder 2 € kostet, bei „Camper“ hingegen steht nichts. Er lächelt mich an und meint ungerührt: 12 €! Ich mache ihn darauf aufmerksam, dass wir hier ebenfalls nur parken, denn es gibt nur offene Strandduschen, keine Ver- oder Entsorgung, das Restaurant ist geschlossen, das eine offene Klo hat kein Licht und Strom gibt es auch nicht. Da lächelt er wieder und meint, er könne uns ein Kabel zum Auto legen, das wäre kein Problem. Darauf verzichte ich gern und mache ihm klar, dass ich für diesen Betrag gerne eine Quittung hätte. Scheinbar versteht er mich nicht, denn er meint, es wäre in Ordnung, wenn ich morgen früh zahlen würde!?

 

Am nächsten Morgen finde ich nur den weiblichen Teil des Caretakerpärchens, er ist entschwunden. Ich bestehe weiterhin auf meiner Quittung und bekomme als Antwort, man hätte nur Belege für Pkw und Motorräder, es gäbe keine für Mobile. Ich schalte auf „Dritte-Welt-Modus“, was bedeutet, dass ich lächle und einfach stehen bleibe. Das macht nach einer gewissen Zeit alle Leute nervös, so auch sie. Sie beginnt, nach einem Verantwortlichen zu telefonieren und im dritten Anlauf hat sie scheinbar den Besitzer am Apparat. Der kann nur wenig Englisch, ich meine aber zu verstehen, dass das Parken umsonst sei. Fragend gebe ich das Telefon der Caretakerin zurück. Die lauscht einen Moment und meint dann nur schnippisch und schulterzuckend, wir könnten fahren. Scheinbar handelt es sich hier um irgendetwas Illegales und man möchte nichts über Quittungen nachweisen müssen. Tja, wenn man zu gierig ist! Hätten die Beiden 6 oder 7 € verlangt, dann wären wir sicher ohne Zögern bereit gewesen, auch ohne Quittung zu zahlen, aber so?

 

So ziehen wir also kostenlos von dannen, eine halbe Stunde später sind wir bereits am Fotohalt des Capo Passero in Portopalo, dem südlichsten Punkt Siziliens. Weiter geht es an der Küste entlang über Pazzalo und Marina di Ragusa bis 15 km hinter Scoglitti, wo wir wieder auf die SS 115 fahren. Der erste Abschnitt und auch die Orte selbst haben schöne Strandabschnitte, jedoch ohne Parkmöglichkeiten, und an anderen Teilen kommt man gar nicht an den Strand, da alles privat ist. Schließlich besteht die Landschaft zunehmend aus „Plastikplanengewächshäusern“, wie man sie aus Südandalusien kennt. Gut, dass wir das mal gesehen haben und…Haken dran! Die Barockstädte Modica, Ragusa und Comiso lassen wir absichtlich aus, genau wie die zum Teil durch Industrie geschädigten Städte Gela und Licata. Rund 16 km hinter Licata treten wir auf die Bremse und biegen ab zum Meer nach Marina di Palma. Hier stehen wir wieder einmal neben dem Hafen am Strand im Müll. Das Internet hatte uns zwar schon gewarnt, aber man gewöhnt sich scheinbar an alles, denn sooo schlimm finden wir es gar nicht. Abends machen wir drei Beobachtungen: 1. Hier fährt die Polizei ernsthaft Streife 2. Irgendwo ist hier selbst am Dienstag und außerhalb der Saison Disco (ist aber schon vor Mitternacht zu Ende!) 3. Es halten öfter Pkw, Leute steigen mit Taschenlampen aus und laufen zu einer bestimmten Stelle am Strand. Hier wird irgendwas von einem zum anderen „transportiert“ – Dope? Ansonsten verbringen wir eine extrem ruhige und leise Nacht.

 

Heute geht es nach Agrigento und Station machen wir am Camping „Valle de Templi“. Auch von diesem Platz aus sind die antiken Stätten leicht per Bus zu erreichen, außerdem ist der Platz sehr gepflegt, duschen macht Spaß und über den Preis kann man auch nicht meckern. Nachdem ich ein wenig mürrisch geguckt habe, weil wir 22 € zahlen sollten, fällt der netten Dame an der Rezeption doch schnell noch etwas ein und nun stehen wir für 18 € – geht doch! Wir können hier auch gleich die Bustickets erstehen und sind bereits um 13 Uhr am „Tal der Tempel“ – eigentlich ziemlich irreführend, denn die eindrucksvollen Tempel liegen alle auf einer Anhöhe und nicht in einem Tal. Kathrin versucht mir zwar klarzumachen, dass der Name trotzdem berechtigt ist, aber das habe ich bis jetzt noch nicht verstanden: Hügel ist Hügel und Tal ist Tal! Jedenfalls ist alles sehr sehenswert und somit das Beste, was wir in Bezug auf Antike bis jetzt zu sehen bekommen haben – und das ist inzwischen ja schon eine ganze Menge! Anschließend laufen wir noch zum ebenfalls sehr lohnenden Museum mit sehr vielen Ausstellungsstücken, vor allem Gefäßen und Grabbeigaben. Nach knapp vier Stunden sind wir mit leicht runden Füßen wieder zurück.

 

Für heute haben wir uns vorgenommen, San Leone zu erobern. Das ist der „Lido“ von Agrigento und hier liegt auch unser Campingplatz. Nach haushälterischen Arbeiten wie Betten beziehen bummeln wir an den Hafen und an den Strand. Die sehr euphorische Info der Rezeptionistin, hier wäre nun wirklich „alles offen“, ist zwar leicht übertrieben, aber es herrscht doch Leben in diesem Ort und wir sind recht optimistisch, hier heute Abend etwas adäquates für unsere Mägen zu finden. Bis dahin sonnen wir ausgiebig, allerdings werden meine zwischengeschalteten „Bürozeiten“ langsam, aber sicher, mehr und mehr heimatlich: Zahnarzttermin, Werkstatttermin wegen Windschutzscheibentausch, erste Reisetreffen…. Meiner Kathrin gefällt das gar nicht! Gegen 18 Uhr machen wir uns auf den Weg an den Strand, das Restaurant „Mirasole“ soll es sein, die Küche öffnet um 18 Uhr – äh, sollte sie, ist aber natürlich nicht so! Die Bedienung meint, schließlich sei ja keine Saison und das wisse doch jeder, dass man das nicht so ernst nehmen darf, was auf dem Schild steht. Man bietet uns aber sofort einen Platz an und was sollen wir sonst auch machen – die anderen Restaurants öffnen schließlich auch nicht früher! Aber man gibt sich Mühe, uns die Wartezeit zu versüßen: Der bestellte Wein kommt sofort, gleichzeitig kommen Chips und Erdnüsse auf den Tisch. Letztendlich wird sogar der Koch herbeitelefoniert (er ist bereits um 18.40 Uhr da!) und der Chef kommt an den Tisch und begrüßt uns per Handschlag! Schließlich vergeht die Zeit tatsächlich ziemlich flott und wir essen wirklich wieder gut: Antipasti Rustica, gegrillter Schwertfisch, Filetspitzen mit Parmesan und Creme Balsamico auf Rucola, dazu die besten selbstgeschnitzten Pommes seit Monaten und gegrillte Auberginen- und Zucchinischeiben. Zum Abschluss wird die Rechnung noch einmal um 2,50 € gekürzt und die Espressi gehen auf Kosten des Haues – das ist Service!

 

Der Besuch der Altstadt ist angesagt. Wir fahren mit dem Bus für 1,20 €, er hält an einer großen Piazza an und fast alle Mitfahrer verlassen den Bus. Wir steigen ebenfalls aus, suchen die Haltestelle für die Rückfahrt, finden aber nichts. Hmm, wo sollen wir uns denn nachher hinstellen, wenn wir wieder nach Hause wollen? Wir stehen allerdings im Moment extrem gut und zentral: Hier beginnt die Via Athena, die Hauptstraße und Flaniermeile der Altstadt und gleich neben uns ist die Tourist Information, die erste, die sogar offen ist. Hier erhalten wir einen Stadtplan und die Info, dass die Busfahrer die Leute immer hier aussteigen lassen, denn hierhin wollen sowieso alle und sonst müssten die ja bis zum wenige hundert Meter weiter gelegenen Busbahnhof mitfahren und von dort wieder zurück, das wäre doch blödsinnig! Stimmt! Finden wir auch! Wir erlaufen uns die Altstadt, indem wir der Via Athena bis zu deren Ende am Theater folgen. Von dort aus wird es anstrengend, denn nun heißt es Treppen steigen und das gut und reichlich, bis man schließlich dankbar oben an der Kathedrale ankommt. Von hier aus geht es dann erkundungstechnisch durch kleine Gassen und über kleine Treppen langsam wieder runter, bis man irgendwann wieder an der Via Athena ankommt. Kurz gesagt: Alles nett, aber nicht wirklich aufregend!

 

Nach einer richtig stürmischen Nacht – schon komisch: Ohne Regen, ohne Gewitter und, da in der Stadt, auch noch ohne Meeresrauschen, das hatten wir bisher eher selten! – geht es weiter über Sciacca nach Selinunte bzw. Marinella zum Agritouristico Athena. An der Restaurantfront hat sich ein Hobbykünstler ausgetobt und versucht, die Vorderseite des Heratempels nachzubauen, was ihm jedoch augenscheinlich nur bedingt geglückt ist. Das dort servierte Essen (Pizza aus dem Holzofen – leider wieder erst nach 19 Uhr) ist dann allerdings bei weitem besser, das gilt auch für den Hauswein und erst recht für das dort hergestellte Olivenöl, von dem wir „gezwungenermaßen“ drei Liter mitnehmen, denn die Ein- und Zweiliterkanister sind ausverkauft und der Patron macht uns „ein Angebot, dem wir nicht widerstehen können“, nämlich drei Liter zum Preis von zwei!

 

Nach einem Wäschetag geht es schließlich mit dem Fahrrad wieder in die Antike: Hier sind die Tempel witzigerweise nach dem Alphabet benannt: Tempel E ist der sehr gut erhaltene Hera-Tempel, Tempel F (Apollo) und G (Zeus) sind eigentlich nur Trümmerhaufen, vom Apollo-Tempel stehen noch ein paar Säulen, der Zeustempel ist trotz Trümmerlandschaft eindrucksvoll: Die teilweise über 2,50 m durchmessenden Säulenreste weisen „dezent“ darauf hin, dass hier einmal einer der größten griechischen Tempel überhaupt stand. Im Museum sehen wir uns neben den Ausstellungsstücken eine recht anspruchsvolle Multimedia-Show unter Einbeziehung der dort stehenden Säulenfragmente an, es geht um das Thema Zeus als Stier und Europa (aktuell: Brexit!), bevor wir die rund einen Kilometer entfernte Akropolis besichtigen, die auf der Steilküste über dem Meer thront. Der dortige Tempel B, der Stadttempel des Apoll, ist teilweise wieder aufgebaut worden, große Teile der Stadt und weitere Tempel warten entweder noch darauf, ausgebuddelt zu werden oder sind nicht mehr in allerbestem Zustand, aber die Ausmaße sind imposant – hier hat man ordentlich was abzulaufen! Nach weit über drei Stunden sind wir schließlich durch und begeben uns wieder zu unserem mobilen Zuhause. Auch hier gibt es übrigens wieder ein paar Überwinterer und der eine von ihnen hat mich bereits gestern als geduldigen Zuhörer entdeckt. Na ja, wenn man hier seit sieben Jahren jedes Mal für sechs Monate sein Dasein fristet, dann braucht man Opfer für ein wenig Abwechslung! Nachdem er mir am ersten Tag seine vollständige „Überwinterungs-Entwicklungsgeschichte“ vom MAN-Concorde Fahrer mit Pkw im Schlepptau zum Dauercaravaner dargelegt hat, sind am zweiten Tag Bilder seiner an Krebs verstorbenen Freunde dran – wohlgemerkt: Keine Kumpelbilder vergangener Tage, sondern die Bilder der Krebsgeschwüre im Endstadium, das muss man mögen!!

 

Bei der Weiterfahrt machen wir noch einen Zwischenhalt an dem sehr interessanten „Cave di Cusa“, dem Steinbruch für das gesamte Tempelensemble. Die Tickets von gestern gelten auch hier und so laufen wir durch das wirklich hochinteressante Gelände. Unglaublich, was die Erbauer vor mehr als 2000 Jahren geleistet haben – das wird einem erst richtig klar, wenn man sieht, wie die mehr als 2,50 m durchmessenden Säulen aus dem Vollen herausgemeißelt wurden! Kathrin hat viel zu fotografieren. Dann ist für heute Schluss mit „Steine gucken“ und es geht weiter am Wasser entlang nach Mazara und von dort auf der SS 115 über die Likörweinstadt Marsala nach San Leonardo zu dem dortigen Salinengebiet. Hier ist touristisch mehr los als erwartet, denn laut Reiseführer sollte eigentlich alles geschlossen sein – ist es aber nicht und so besuchen wir die Salinen einschließlich einer der dort immer noch in Betrieb befindlichen Windmühlen. Auf die Besichtigung der in Privatbesitz befindlichen und mit antiken Sehenswürdigkeiten gespickten Insel Mozia verzichten wir zwangsläufig, denn die letzte Fähre soll bereits um 15 Uhr von dort zurückkehren, jetzt ist es schon 14 Uhr – was soll’s, wir hatten schließlich schon jede Menge alter Steine!

 

Wegen der touristischen Aktivitäten kommt eine Übernachtung auf dem Parkplatz des Fähranlegers leider nicht in Betracht, knapp drei Kilometer weiter jedoch finden wir in Birgi Vecchi einen schönen Parkplatz neben der Salinen-Lagune. Daneben steht eine Hütte mit dem berühmten „I“ für Tourist-Information. Ich sehe einen älteren Mann dort hineingehen. Höflich wie ich bin, klopfe ich dort an, um zu fragen, ob man auf dem Parkplatz übernachten kann und pralle überrascht zurück: Der Raum ist komplett verräuchert, drinnen gibt es zwei Tische mit jeweils fünf oder sechs Stühlen drumrum und drauf sitzt die gesamte (?) Rentnercrew des Dorfes und zockt Karten, was das Zeug hält. Ich öffne nochmal vorsichtig die Tür, deute auf das Auto, mache das internationale Zeichen für „Schlafen“ (Kopf schief legen, Hand an die Wange und Augen schließen) und warte auf Antwort. Großes Gelächter, dann erbarmt sich einer der Männer und kommt mit mir nach draußen. Er fragt, ob wir einen Platz zum Schlafen benötigen und zeigt auf eine Pension ein paar Häuser weiter. Als ich nochmal auf das Auto zeige, kriegt er sich fast nicht mehr ein, winkt ab und wünscht mir eine gute Nacht!? Und nun? Ist wohl alles in Ordnung und das ist es denn auch – gegen 18 Uhr beginnt die große Heimfahrt, der Parkplatz leert sich und der Letzte macht das Licht aus und schließt die Tür ab. Ruhe!

 

Am nächsten Tag geht es wieder zurück zur SS 115, dann biegen wir aber schnell nach Osten ab und es geht quer hinüber zur SS113, auf der wir dann an Calatafini vorbei nach Segesta fahren, dem letzten absoluten „Muss“ der antiken Stätten Siziliens. Wir machen es uns auf dem neu angelegten Besucherparkplatz bequem (also Platz suchen und Steine unterlegen, da schräg), bezahlen inklusive Shuttlebus 7 € (unglaublich: Auf einem FAQ-Schild neben der Bushaltestelle wird explizit darauf hingewiesen, dass man auf dem Parkplatz übernachten darf!) und sind eine Viertelstunde später am für uns letzten Tempel der Insel, der, fast vollständig erhalten, den Archäologen immer noch Rätsel aufgibt, da er zum einen nie fertiggestellt wurde (hatte nie ein Dach!), zum anderen Gottheiten gewidmet war, die von den Bewohnern der Stadt gar nicht verehrt wurden. Anschließend geht es eine halbe Stunde stramm bergauf (den Shuttlebus lehnen wir sportlich ab) zum sehr gut erhaltenen Theater und den weniger gut erhaltenen Resten der Stadt inklusive kaum noch erkennbarer Akropolis. Im Theater können wir uns gründlich vom Aufstieg erholen, denn bevor wir hier etwas fotografieren können, müssen wir auf den Abzug einer italienischen Oberstufenklasse (oder ist es ein Kunstkurs?) warten, die diesen Ort für ihre ausführliche Picknickpause auserkoren haben – natürlich inklusive fast exzessiver Selfie-Serienfotos. Da kann man als alter Mensch noch lernen, wie richtig gepost wird!

 

Die letzte Nacht verbringen wir auf einem Campingplatz (Degli Ulivi)  in Sferacavallo nahe Palermo. Hier kaufen wir nochmal groß ein, tanken, ver- und entsorgen – machen uns sozusagen fit für Sardinien, das wir an einem Sonntagmorgen erreichen werden und wo, laut Reiseführer, kaum etwas geöffnet ist. Den letzten Vormittag nutzen wir für Wartungsarbeiten und Schreibkram. Gegen 15.30 Uhr fahren wir ab und wurschteln uns durch den Samstag-Nachmittag-Feierabend-Verkehr zum Hafen. Das Einchecken dort ist unkompliziert, da ich eine ausgedruckte (!) Buchungsbestätigung mit Barcode dabei habe (wieder einmal sind wir dankbar für unseren kleinen Akku-Reisedrucker!) und um 17.45 Uhr boarden wir. Im Gegensatz zur Patras-Bari-Fähre sind kaum Lkw dabei, ein paar Pkw, einige Reisemobile und ein paar Fußgänger, mehr nicht. Wenn der Kahn halb voll ist, dann ist es viel. Wir begeben uns zur Rezeption, bekommen einen Schlüssel (einen echten Schlüssel!) und bringen unsere Sachen in die Kabine. Schön groß, denn wir haben eine Vierer-Kajüte für uns, allerdings ist der Wartungszustand nicht so optimal: Meine Bettleuchte müssen wir erstmal reparieren, indem wir aus dem einen oberen Stockbett eine funktionierende Leuchtstoffröhre entnehmen und gegen die kaputte austauschen. Die Duscharmatur repariert Kathrin, nachdem ihr die Mischbatterie quasi in die Hände fällt und den Schlüssel brauchen wir, da der Kartenschlitz an der Tür nicht funktioniert. Na ja, das Schiff ist ja auch mehr als 20 Jahre alt. Leider ist der Service auch nicht auf dem neuesten Stand: Die Durchsagen erfolgen nur auf Italienisch, die Crew kann auch nichts anderes. Dass es kein Bier vom Fass gibt, kann man tolerieren, dass es aber in einem Weinland nur Plastikbecher für den Wein gibt, der auch noch ziemlich teuer ist, schon weniger. Das Essen im Selbstbedienungsrestaurant ist schließlich der Höhepunkt des Tirrenia-Service Desasters: Kathrin hat ein wirklich kleines Eckchen Lasagne ohne Mozarellaschicht oben drauf, damit es schön  trocken ist, dafür ist es aber wenigstens kalt. Ich habe die mieseste Frikadelle, die mir bisher untergekommen ist, auch fast kalt, aber mit der edlen Bezeichnung „Black Angus Gourmet Beefburger“ (dafür musste das arme Tier dran glauben, traurig!!). Dazu eine Portion lauwarme Pommes und ein kleiner Salat aus drei unreifen Tomaten, ein paar Salatblättern und einem Tütendressing für 8,40 €. Halt: Das ist der Preis nur für den Salat, ein kleines Brötchen kostet 1,20 € und für das ganze Gourmet-Menü musstenwir beide insgesamt mehr als 48 € hinblättern. Wir mögen gar nicht daran denken, was uns ein Essen im Restaurant gekostet hätte! Ach ja: Mit Kreditkarte bezahlen ging auch nicht – nach drei gescheiterten Versuchen habe ich schließlich bar bezahlt, damit die Schlange nicht einmal ums Schiff geht und hoffe nun, dass wir dieses Fest der Sinne nicht zweimal bezahlt haben. Kathrin hat zum krönenden Abschluss dann noch eine eher unruhige Nacht auf einer durchgelegenen alten Federkernmatratze (wahrscheinlich noch Originalausstattung!), aber etwas muss man der Reederei lassen: Pünktlich ist das Schiff, denn um 8.30 Uhr sollen wir in Cagliari ankommen und um 8.40 Uhr sind wir bereits aus dem Hafen raus und auf dem Weg zum Frühstück an den Strand. Wir sind auf Sardinien, aber davon demnächst mehr.