Das Naadamfest ist vorbei, wir packen zusammen und starten langsam auf der Südroute die zweite Hälfte unserer Rundtour, die allerdings lange nicht so spektakulär ausfällt wie die nördliche Hälfte. Diese Strecke ist tatsächlich vollständig asphaltiert, wenn auch auf großen Abschnitten kurz vor dem Verfall.
Zuerst geht es noch einmal auf einen spektakulären Pass und auf 2660 m Höhe machen wir eine kurze Pause, bevor wir die Stadt Altai erreichen. Auch hier ist gerade Naadam, allerdings in einem Riesenstadion – wie gesagt: Ist uns zu groß, nix für uns! Wir kaufen ein, tanken, halten noch an einer Apotheke, um Verbandszeug zu besorgen und sind raus aus der Stadt. Es geht auf der A0303 an der Pferderennstrecke vorbei hinein in die Wüstensteppe. Wir suchen eigentlich bereits nach einem Platz für die Nacht, aber da der genaue Verlauf der Rennstrecke für uns nicht ersichtlich ist, trauen wir uns nicht, uns hier irgendwo niederzulassen. Gut 80 km später wird die Asphaltdecke immer schlechter, wir hatten auch schon kurze Pistenabschnitte. Kathrin hat bereits per Karte und Navi eine mögliche Übernachtungsmöglichkeit gefunden und so biegen wir links ab. Auf guter Piste geht es zwei Kilometer weit nach Delger bzw. kurz davor. Mit Blick auf einen kleinen See und vor allem weit genug weg von der A0303 finden wir einen schönen Stellplatz.

Heute ist der letzte Tag vor den offiziellen Nationalferien und der Verkehr auf der Gegenseite hat den ganzen Tag über zugenommen – man bedenke: Wir sind weit über 1000 km von UB entfernt. Das ist auch für uns von Bedeutung, denn die vielen Schlaglöcher kann man nur mit höherer Geschwindigkeit umfahren, wenn man die Gegenspur nutzen kann.
Die Nacht war ziemlich frisch – wir brauchten in den Schlafsäcken lange Unterhosen und Wollsocken. Mehr als 2000 m Höhe machen sich doch auch im Sommer noch bemerkbar! Meine große Schürfwunde macht auch ein wenig Ärger: Die Wunde ist stark mit der Kompresse verklebt, der Fuß ist leicht geschwollen. Das Internet gibt den sehr guten Tipp, den Verband mit Salzlösung durchzufeuchten, wenn nötig auch mehrfach. Das verkürzt den Verbandswechsel ungemein und von der Schmerzminderung wollen wir einmal gar nicht reden. Kathrin stellt auch zuhause für verschiedene Anwendungen öfter Salzlösungen her und kann den richtigen Salzgehalt schmecken – so ist das alles kein Problem! Sicherheitshalber nehme ich nun auch Antibiotika – unser Hausarzt stellt uns für große Touren immer sehr zuverlässig eine vollständige Reiseapotheke zusammen. Bis auf Operationen sind wir eigentlich für alles gerüstet!

Dann geht es wieder zurück zur A0303 und 30 km später meint unsere Landkarte, wir müssten uns zwischen zwei großen Fernstraßen entscheiden: Eine verläuft weiter nördlich, die andere dichter an der Gobi entlang. Ha, ha! Wir halten sogar kurz an, aber die südliche „Hauptstraße“ gibt es überhaupt nicht – an dem nicht vorhandenen „Abzweig“ findet sich lediglich eine ungenutzte Spur. Wir haben es ja schon beschrieben: Benutzte Strecken erkennt man an der „Harfe“, die aus mehreren Spuren besteht.

Der Verkehr auf der Gegenseite ist heute schon spektakulär – Auto an Auto rollt an uns vorbei gen Westen. Automatisch stellt sich uns die Frage, ob während der Feiertage überhaupt noch jemand in UB ist – später wird uns Itgel erzählen, dass dies die einzige staufreie Zeit in UB ist!

Nach 15 Uhr erreichen wir Bayankhongor. Hinter dem Ort erreicht man nach Querung einer großen Brücke den großen Stellplatz am Tuul Gol. Hier ist ordentlich Bade- und Campingstimmung. Wir finden ein Plätzchen direkt am Fluss mit Baumschatten.

Erst nach dem Essen und nach „Einnahme“ eines Einlaufbieres merken wir, dass wir direkt an einer scheinbar sehr beliebten Furt stehen. Mit Alkohol im Blut fassen wir keinen Zündschlüssel mehr an – nun, so müssen wir eben mit der Geräuschkulisse leben und die Einheimischen um uns herum kurven (es gibt mindestens drei weitere Furten nebenan, vielleicht sind wir auch wieder mit unserem Dachzelt zu interessant!?) lassen. Es sind ja sowieso Ferien und so feiern später links neben uns Einheimische bis 0:30 Uhr und rechts schnarcht ein Airzeltbesitzer hingebungsvoll bis in den frühen Morgen.
Im Verlauf des heutigen Tages wird die Straße immer bescheidener: Hinter Khainkhandulaan besteht der Asphalt fast nur noch aus Schlaglöchern, teilweise auf der gesamten Straßenbreite. Der Verkehr erlaubt inzwischen weder ein Überholen langsamerer Fahrzeuge noch ein Ausweichen auf die andere Straßenseite.

Hinter Arvankheer haben wir auf einmal für 30 km nagelneuen Asphalt unter den Rädern, bevor wir auf die A08 nach Khujirt abbiegen und uns noch einmal für 60 km echte mongolische „Erschließungsstraße“ antun – das ist immer die Bezeichnung, die unser Garmin solchen „Harfenstraßen“ gibt. Hier ist aber erstaunlicherweise jede Menge Verkehr. Da alle Autos auf so einer miserablen Strecke von Zeit zu Zeit eine Pause einlegen müssen, kennt man sich nach gewisser Zeit, grüßt sich oder winkt sich zumindest zu! Nach knapp zwei Stunden haben wir für die letzten 45 km nach Kharkorin zwar wieder Asphalt unter den Rädern, der aber nur auf den ersten fünf und den letzten elf Kilometern erträglich ist – dazwischen geht es nur mit maximal 50 km/h dahin. Schließlich landen wir um 17 Uhr wie versprochen wieder am Monkhsuuri-Guesthouse. Hier endet unsere Rundtour und es gibt wieder einmal Buuz zum Abendessen. Abends, vor dem Auto, bekommen wir noch Besuch. Zuerst schnacken wir mit dem Besitzerpaar eines Buchanka – er ist Fahrer, sie ist Guide. Später kommen ihre Kunden vorbei – sie ist Französin, er Laote, dazu vier Kinder, jetzt wohnhaft in Thailand, vorher in Marokko…bunt!
Da für heute Dauerregen angekündigt ist, beschließen wir, noch einen Tag zu bleiben. Beim Frühstück verkrümeln wir uns unter unser Mini-Vordach und hinter der Aufstiegsleiter zum Dachzelt, danach gibt es eine Leserunde im Fahrerhaus. Bei so einem Wetter (nun ja, es ist Regenzeit!) macht man am besten ein Mittagsstündchen im Bett – und schon beginnt das Chaos: Unser Zelt hat ein Skylight, also freien Blick zum Sternenhimmel und das ist normalerweise auch bei Regen möglich – hatten wir schon öfters probiert! Heute aber schüttet es aus Kübeln und da funktioniert die „Zweischichtentrennung“ nicht, also Folie auf der äußeren Haut und Moskitonetz auf der inneren. Der Regen sucht sich seinen Weg zwischen beiden Schichten und ein Moskitonetz ist nun einmal nicht wasserdicht! Kurz gesagt: Mein Schlafsack ist klitschnass (man kann ihn ausgießen!), dasselbe gilt für die Matratze….nix Mittagsruhe, Action ist angesagt! Im Dachzelt herrscht „Klein Italien“, mein Schlafsack wird per Föhn im Waschraum getrocknet.

Zum Glück wird das Wetter gegen Abend besser und wir schaffen es tatsächlich, alles so weit abzutrocknen, dass wir im Zelt schlafen können. Vorher kommt noch Suren zum Klönen, der Fahrer eines tollen Delicia-Allradbusses. Wir kennen die kleinen, extrem geländegängigen Busse schon aus Georgien und seiner ist ein besonders hübscher! Im Winter fährt er diese Riesen-Minen-LKW in der südlichen Gobi, den Job als Touristenfahrer macht er aber auch schon seit 20 Jahren!

Nach einem weiteren Ruhetag (mir geht es nicht so gut) machen wir uns wieder auf den Weg. Kharkorin brummt vor lauter Touristen – was für ein Unterschied zu unserem ersten Besuch vor vier Wochen! Die Regale im Supermarkt sind fast leer und um Wasser kaufen zu können, müssen wir zu einem anderen Markt fahren. Ein paar Ziele haben wir ja noch und dazu gehört die „Mini Gobi“. Wie der Name schon sagt, ein kleines Dünengebiet direkt an der Hauptstraße, leicht von UB zu erreichen. Also geht es zuerst auf die A0601 und später zweigt eine Asphaltstraße (!), die A0301, ab zu den Dünen.

Knapp zwei Stunden nach Abfahrt stehen wir komplett fassungslos auf dem Großparkplatz des Nationalparks Elsen Thasarkhai: Hier ist Jahrmarktstimmung angesagt! Nicht nur, dass wir zum ersten und einzigen Mal Parkplatzgebühren (2,25 €) zahlen müssen – es gibt Souvenirbuden zuhauf, Kamele, Pferde und sogar Esel stehen zu einem zweifelhaften Reitvergnügen bereit, mehrere traurige Adler sitzen auf ihren Stangen und warten auf fotografierwütige Touristen, Fressbuden überall… Wir schauen uns an, steigen nicht einmal aus und sind wieder weg, denn so etwas haben wir bisher in der gesamten Mongolei noch nicht erlebt! Es muss hier einmal anders gewesen sein, denn es gibt bei I-Overlander eine Reihe von Übernachtungsempfehlungen, nur kommt man da gar nicht mehr hin, weil alles eingezäunt ist bzw. dort inzwischen Ger-Camps errichtet wurden. Kathrin zeigt dann wieder ihr Gespür für Stellplätze und so stehen wir noch vor 16 Uhr auf einem schönen Stellplatz kurz vor Lun – wieder am Tuul Gol. Außer, dass der Zeltaufbau durch einen kurzen, aber heftigen Sandsturm um 20 Minuten verzögert wird, endet der Tag versöhnlich.

Obgleich die offiziellen Feiertage anlässlich des Naadam vorbei sind, kommt uns auch heute wieder eine endlose Schlange von Autos aus UB entgegen. Diejenigen, die wegen des Festes noch dort bleiben mussten, fahren nun scheinbar auch los. Wir haben heute ein „Nostalgieziel“: Wir wollen auf den romantischen Platz am Fluss (immer noch der Tuul!), an dem wir unsere erste Nacht im Champ verbracht haben. Waren wir vor mehr als vier Wochen nicht gerade die Einzigen am Fluss, so stehen wir jetzt fast allein hier – sind wohl wirklich alle im Urlaub! Der Straßenverkehr ist tatsächlich kaum vorhanden, „easy driving in UB“.

Wir wollen übers Wochenende (am Montagmorgen ist Rückgabe!) noch in den Osten von UB. Hier liegt mit dem Nationalpark um Terelj die „Sommerfrische“ der Stadt. Höher gelegen, damit kühler, außerdem mit Berglandschaft und Waldbereichen, etwas ganz Seltenes in der steppen- und wüstenreichen Mongolei! Leider bedeutet so etwas natürlich auch Tourismus pur, viele Hotels, Ger-Camps und hohe Preise. Trotzdem wollen wir das allein der Vollständigkeit halber sehen und dann liegt in der Nähe noch das Dschingis Khan Denkmal, das größte Reiterstandbild der Welt. Dorthin müssen wir entweder quer durch die Stadt, denn unser Stellplatz liegt im Westen oder aber immer zwischen „unserem“ Tuul und der südlichen Bergkette entlang durch die äußeren Stadtbezirke in den Osten fahren. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass wir noch am Daisan-Denkmal vorbei kommen, einem pompösen Bauwerk aus sowjetischen Zeiten mit Lenin-Büste und der Betonung der immerwährenden mongolisch-russischen Freundschaft. Ein Graffiti an der Seite zeigt, was die heutige Jugend darüber denkt: Du kannst die Vergangenheit nicht ändern, aber die Zukunft!

Dann geht es ab in die Berge – über Google Maps haben wir uns ein etwas abgelegenes Resort ausgesucht, bei dem sich leider erst bei Ankunft herausstellt, dass es geschlossen ist.

Ansonsten ist, da Wochenende, alles oder zumindest fast alles ausgebucht. Wir haben dann doch noch Glück, als wir nach einer Absage einfach weiter der miesen Piste folgen und auf ein nagelneues (!) Resort stoßen. Erst seit einem Monat geöffnet, kennen es scheinbar noch nicht so viele UB-ler. Der Preis ist allerdings auch nicht gerade ein Sonderangebot, dafür lassen wir uns noch einmal zwei Tage verwöhnen: Ein Ger mit Bad, Zentralheizung und Aircondition bewohnt man nicht alle Tage! Die Aussicht auf die umliegende Bergwelt von der eigenen, kleinen Terrasse ist der Hammer schlechthin – ein wenig Luxus haben wir uns am Ende dieser Reise redlich verdient!

Am nächsten Tag machen wir dann einen 40 km Ausflug zum Dschingis Khan Denkmal, das im Jahr 2007 errichtet wurde. Die erste Frage, die man sich stellt, ist, weshalb gerade hier, 50 km von UB entfernt mitten in der Landschaft? Die Antwort darauf ist typisch mongolisch: Die Legende besagt, Dschingis hätte hier eine goldene Gerte gefunden – deshalb! Keine Erklärung, was dieser Fund nun für eine Bedeutung für ihn oder die Mongolei hätte. Okay, künstlerisch ist das Riesenmonument auch nicht gerade zu preiswürdig, aber eindrucksvoll ist es schon.

Man kann mit einem Lift bis zwischen die Beine des Helden fahren (ich hoffe, das hat keine Bedeutung!?) und von dort aus auf einer Treppe die Mähne seines Pferdes erklimmen. Die Aussichtsplattform bildet dann eine Art Krone des Tieres.

Auf einer großen Tafel wird (immer noch!) angekündigt, dass um das Denkmal ein großer Park mit Hotels, Ger-Camps und Amusement-Park entstehen soll, davon ist allerdings auch nach fast 20 Jahren nichts, aber auch gar nichts zu sehen.
Am Sonntag geht es dann absolut staufrei zum Hotel „Edelweiss“ mitten im Stadtzentrum,

am Montag kommt Itgel vorbei und holt unseren Champ ab – Superservice! Letztes Highlight ist dann noch ein Besuch des IQ-Museums, hier hat ein „Puzzlemaker“ auf vier Etagen seine Intelligenzspiele ausgestellt – Labyrinthe, Holz- und Metallpuzzles und außerdem steht hier die größte Schachspielsammlung der Welt – eingetragen im Guinnessbuch der Rekorde!

Nach zwei Stadttagen holt uns dann Itgel am Mittwochmorgen um 6 Uhr am Hotel ab und nach einer Zwischenlandung um 12.15 Uhr in Frankfurt endet unser Abenteuer um 19 Uhr beim Griechen in unserer Heimatstadt – was für ein Abenteuer…Urlaub war das nicht, aber eine traumhafte Reise!!!