Es ist wie in jedem Jahr: Bis zum Januar können wir dem norddeutschen Winter noch etwas abgewinnen, dann aber beginnt er, uns gehörig auf den Geist zu gehen. Dabei war es dieses Mal noch gar nicht so schlimm und es gab Phasen mit richtigem Schnee und Frost – ab und zu sogar mit etwas Sonne. Da auch unser Freund Axel aus diesem und anderen verständlichen Gründen keine Lust hat, in diesem Jahr seinen Geburtstag zu feiern, kommen wir etwas früher als sonst los. Unsere Sorgen bezüglich der Bauernproteste und der damit verbundenen Verkehrsbehinderungen sind zum Glück (vorerst!) unbegründet. Wir sind irgendwo in Höhe Hamburg, als wir uns fragen, was denn in diesem Jahr so anders ist als in den beiden zuvor und als bei mir der Wunsch nach einer Sonnenbrille aufkommt, wird es klar: Wir haben knallblauen Himmel! Was wir da noch nicht wussten – zwei Wochen später scheint die Sonne immer noch und wir hatten bis Zaragoza nicht einen einzigen Tropfen des himmlischen Nasses! Aber der Reihe nach:
Gegen 13.30 Uhr laufen wir am ersten Stellplatz in Havixbeck ein. Der ist kostenfrei und liegt in einem ruhigen Wohngebiet. Man merkt die Nähe zum fahrradfreundlichen Münster, denn es gibt gute Radwege und darauf auch jede Menge Verkehr. Nach einer Erkundung der kleinen und nicht zu aufregenden Innerörtlichkeiten und einem guten abendlichen Essen beim Griechen sind wir am nächsten Morgen unserer Motorvorwärmung sehr dankbar, denn die Frontscheibe ist dick vereist. Nun wird es ein wenig kompliziert. Da wir wie in jedem Jahr über Luxemburg (günstig tanken, Kaffee und Bier bunkern) fahren wollen, nehmen wir die A 43 und stellen schnell fest, dass die ab Recklinghausen komplett gesperrt ist. Bei Sprockhövel erreichen wir die A 1 und wie seit Jahren ist die bei Leverkusen immer noch (öffnet aber bald einseitig) voll gesperrt und es staut sich auch am Sonntag auf der A 3. Wir umgehen Köln über die A 4, die A 555 und die A 553 und erreichen die A 1 wieder bei Weilerswist. Der folgen wir nun bis zum Ende in Blankenheim. Über die B 421 geht es nun bis zur Wiederauffahrt 118 auf die A 1. An der Abfahrt 121 geht es wieder runter auf die B 421 und ein wenig später erreichen wir unser zweites und letztes Ziel in Deutschland: Zell an der Mosel. Der Stellplatz direkt an der Mosel ist komplett frei – wir stehen wieder einmal alleine. Die Sonne ermöglicht es uns, beim Spaziergang entlang der Mosel tatsächlich eine ganze Weile in der Sonne zu sitzen – wohlgemerkt – wir haben den 28. Januar! Keine Lust zu kochen, also gibt es abends Pizza beim Italiener gegenüber an der Fußgängerbrücke.
Nach dem Besuch der örtlichen Entsorgung und dem Flaschenrückgabeautomaten beim hiesigen Einkaufszentrum sind wir bereit, Deutschland zu verlassen und tun dies auch über Trier nach Luxemburg. Dort geht es an der Mosel entlang zu „unserer“ Tankstelle nach Schengen, wo wir für verhältnismäßig günstige 1,52 €/l volltanken. Weiter geht es über Metz – hier weichen wir dem nächsten Stau aus, der Grund wird uns am nächsten Tag klar! – und Nancy nach Toul. Hier verlassen wir die Autobahn und fahren auf der Landstraße über Colombey-Les-Belles (Einkauf französischer Spezereien!) nach Goncourt, wo wir wie in jedem Jahr die dörfliche Atmosphäre, eine Platte mit lokalem Käse, Wurst und Schinken sowie ein gutes Glas Merlot genießen und dem Gluckern des nebenan meandernden Flüsschens lauschen.
Am nächsten Tag geht es in Montigny auf die Autobahn und an der ersten Raststätte halten wir zum Entsorgen. Als Kathrin die Strecke weiter planen will, traut sie ihren Augen nicht – alles rot und viele, viele Einbahnstraßenschilder bei Google, also gesperrt! Das Internet verrät es uns: Wir sind vom Regen in die Traufe geraten, denn nun streiken und demonstrieren hier die Bauern und das tun sie um einiges brutaler als in Deutschland! Nicht auf die Autobahn mit dem Trecker? Gilt nicht für Bauern! Wir sammeln Daten: Chalon bis Macon ist dicht, ab Villefranche wieder dicht und ab Vienne bis hinter Nîmes (also die gesamte Route du Soleil!) komplett gesperrt, das ist nicht nett! Bis Lyon kommen wir auf einer Parallelautobahn, auch Vienne erreichen wir dank der Navigationskünste Kathrins noch ziemlich staufrei, dann aber geht es auf der westlichen Rhoneseite (die andere Seite ist zu) von Stau zu Stau durch jede kleine Ortschaft – die Straßen und die Kreisverkehre, von denen es ja in Frankreich jede Menge gibt, sind für diesen Andrang und den Schwerlastverkehr einfach nicht ausgelegt. Irgendwann, nach stundenlangem Fahren mit einem Schnitt von 25 km/h haben wir die Nase voll und stauen uns ein letztes Mal durch Tournon zum dortigen, unattraktiven Stellplatz – ist uns alles egal, wir haben keinen Bock mehr! Erstaunlich finden wir allerdings, wie relativ tiefenentspannt das die Franzosen nehmen – da ist schon ein Mentalitätsunterschied zu spüren! Wir stehen hier jedenfalls wieder alleine und wundern uns, dass am nächsten Morgen tatsächlich ein Gemeindearbeiter auftaucht, um die 7-Euro-Stellplatzgebühr zu kassieren.
Nun geht es immer weiter auf der D 86 nach Süden (die Bauern sind stur hier!) und der erste Halt an einem Supermarkt zeigt auch bereits die Auswirkungen: Viele komplett leere Regale, da die Lieferungen nicht ankommen!

Kathrin überbietet sich selbst und lotst uns wieder einmal auf kleinen und kleinsten Sträßchen immer westlich des ganzen Stauirrsinns durch Dörfchen, aber auch durch sehr schöne Landschaft, die wir sonst sicher nicht mitbekommen hätten, hinunter zur A 9 und der ersten, freien Auffahrt hinter Nîmes. Kurz darauf erreichen wir den schönen Stellplatz am Yachthafen von Le Barcarès. Hier erholen wir uns nun für fünf Tage bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen bis 23° C – was kann es uns doch nur schlecht gehen!

Gut erholt geht es nun über die Grenze und da alle bisherigen Aussagen eindeutig sind und vor der überfüllten Küste (mehr noch als im letzten Jahr!) immer wieder ausdauernd gewarnt wird, planen wir eine neue Route durchs Hinterland. Kurz hinter Girona verlassen wir die Autobahn, tanken noch einmal richtig günstig für 1,37 €/l voll und fahren auf der C 25 durch viele Tunnel hinein in die Bergwelt. Es geht nach Lleida. Hier treffen wir auf die A 2 und prompt schlägt das Wetter um: Nebel zieht auf und die Temperaturen sinken radikal von 21° auf 5°! Schließlich verlassen wir die Autobahn und fahren durch ein großes Obstanbaugebiet entlang des Rio Segre nach Aitona. Hier verbringen wir die Nacht am zwar nicht schönen, aber praktischen Stellplatz am Markt.
Am nächsten Morgen fahren wir zu Lidl nach Fraga. Als wir unseren Einkauf verstauen, macht uns ein ausdauerndes Hupkonzert stutzig und oh, nein: Jetzt fangen auch die spanischen Bauern an! Vor dem Parkplatz tuckern sie die Hauptstraße entlang.

Zuerst haben wir noch Glück, denn der Ausgang vom Parkplatz geht nach hinten auf eine Nebenstraße und auf der können wir einen Teil der Demo umfahren. Dann aber, nach dem Ortsausgang, erwischt es uns auf der N 11 doch noch – zum Glück aber wieder nur relativ kurz, denn in einem zweispurigen Kreisverkehr lässt uns ein netter Trucker vor und über die anschließende, parallel verlaufende Servicestraße „preschen“ wir an allen Traktoren souverän vorbei. Auf der weiteren Strecke überfliegt uns ein großer Pulk von mindestens 100 Störchen – unter Störchen scheint sich die Meinung breit zu machen, dass der Winter in Mitteleuropa bald vorbei sei!? Kurz darauf erreichen wir Saragossa und den dortigen Stellplatz, im Uni-Viertel gelegen, gut gefüllt und relativ zentral gelegen (3 km bis zum Zentrum). Wie wir schon im letzten Jahr positiv vermelden konnten, so gibt es auch in dieser Stadt sehr gut ausgebaute Fahrradstraßen. Also machen wir die Räder klar, kurven aber trotzdem etwas hilflos durch die Gegend, bis wir in der Altstadt sind, denn auch hier legen die Treckerdemos den Verkehr lahm und die Polizei sperrt sehr verantwortungsvoll auch die Fahrradstraßen!

Wir parken die Räder an der „Plaza de Nuestra Señora del Pilar“,

dem zweitgrößten Platz Europas nach dem Roten Platz in Moskau und erobern die kompakte Innenstadt zu Fuß.
Am nächsten Tag geht es wieder in die Stadt, dieses Mal aber zum Palacio de la Aljaferia, einem großen maurisch-christlichen Palast, den wir uns sehr ausführlich ansehen – es lohnt sich! Dank Seniorenrabatt zahlen wir nur 1 statt 5 € Eintritt – hier In Spanien lohnt sich das Seniorendasein diesbezüglich wirklich! Die Preisnachlässe bei Tickets sind doch deutlich.
Nun fahren wir weiter nach Alcañiz und stellen uns für die Stadtbesichtigung auf den recht zentral gelegenen Stellplatz. Wieder einmal geht es steil bergan in die kleine und kompakte Altstadt. Was es hier zu sehen gibt? In der Tourist-Info, die im alten, kombinierten Markt- und Verwaltungsgebäude untergebracht ist, geht eine Wendeltreppe in einen Eiskeller, der auch zum Teil die Plaza untertunnelt. Hier wurde früher Schnee gestampft, bis er zu Eisblöcken wurde und entweder für den darüber liegenden Markt zur Kühlung verwendet oder an die Bevölkerung verkauft. Der Eisvorrat hielt sich jedenfalls den ganzen Sommer über. Zusätzlich sind im darüber liegenden Gebäude zumindest jetzt im Moment die „Gigantes“ ausgestellt. Das sind überlebensgroße Figuren, die während des Karnevalszuges durch die Stadt getragen werden.
Weiter geht es danach in die Berge und über den 1250 m hohen Pass Torre Miso nach Morella. Nach ein wenig Sucherei wegen einer etwas merkwürdigen Zufahrt stehen wir auf dem etwas außerhalb der Stadt gelegenen Stellplatz mit einer Superaussicht. Dann geht es zu Fuß wieder einmal gut bergan 1,5 km zum kolossalen Stadttor. Von hier ausspazieren wir durch die schöne Altstadt (eine der schönsten Pueblos Spaniens!) und kaufen dabei ländliche Spezialitäten wie Orangen- und Limonenhonig sowie Trüffelkäse und Trüffelwurst, denn Morella ist einer der Hauptorte des Schwarzen Trüffels!
Nachts regnet es tatsächlich einmal ausgiebiger und am nächsten Morgen geht es über den zweiten Pass auf 1100 m Höhe durch dichten Nebel in Richtung Küste. Innerhalb kurzer Zeit klettert das Thermometer wieder ordentlich nach oben und als wir unseren alten Stellplatz in Peñiscola erreichen, zeigt das Thermometer schon wieder 16° an. Hier machen wir nun über das Wochenende Station, besuchen endlich (irgendwas kam bisher immer dazwischen!) das Castillo und die Altstadt (weshalb müssen Kastelle und schöne Altstädte immer auf irgendeinem Berg liegen? Das ist nix für norddeutsche Flachländer!!) und lassen es uns gut gehen – Spaziergänge und kleine Radtouren am Strand sind auch etwas Schönes!
Heute probieren wir mal etwas Neues – im Reiseführer haben wir von einem Stellplatz an einer schön gelegenen Bodega gelesen. Die Weine aus der Region um Castellon sind durchaus erwähnenswert, weshalb also nicht einmal eine Weinverkostung dort, wo man sonst nicht immer hinfahren würde? Also starten wir nach einem Lebensmitteleinkauf über die N 340A in Richtung Castellon, in Torre Blanca geht es auf der CV 13 bis Cabanes und von dort auf der CV 159 bis kurz vor Les Useres zur Bodega Vincente Flors, wo wir pünktlich um 12.20 Uhr ankommen, denn um 14 Uhr beginnt wie überall in Spanien die Siesta. Niemand da, also anrufen. Kurze Zeit später ist Vincente, der Chef, der leider nur Spanisch spricht, zur Stelle. Seine Önologin Alma, mit der wir uns auf Englisch hätten verständigen können, ist leider verhindert, aber dank Google Übersetzer gelingt nicht nur die kleine Kellerführung (hier wird überwiegend in gebrauchten, französischen Barrique-Fässern ausgebaut!), sondern auch die anschließende Weinprobe ohne größere Probleme.
Die fünf extrem unterschiedlichen Weine, die wir probieren, werden nur in kleinen Stückzahlen und in alter Tradition hergestellt. Einer davon reift sogar noch samt Schalen in großen Tonkrügen heran – eben so , wie man es vor 100 Jahren in der Gegend noch gemacht hat. Hier findet ein Brückenschlag zum ältesten Weinbaugebiet der Welt (in Georgien) statt, denn der doch sehr spezielle Geschmack erinnert stark an die dortigen Weine, die eben auch mit den Schalen in großen, im Boden eingelassenen Tonkrügen heranreifen. Ein Wort zum Google-Übersetzer: Funktioniert gut, aber nach 1 ½ Stunden sind doch rund 4 GB weg, die App kostet ordentlich Online-Speicher! Wir kaufen natürlich auch ein paar Weinchen, verabschieden uns und brauchen nun selbst ein wenig Siesta, denn Vincente hat die Probiergläser ordentlich gefüllt. Ein Spaziergang durch die Weinfelder und eine absolut stille Nacht runden den Besuch ab.
Jetzt geht es auf kleinen Straßen durch die Berge über Costur, La Foia und L’Alcora zum fast leeren und somit ziemlich trostlosen Stausee von Sitjar. Den umrunden wir und erreichen über Ribesales unser eigentlich für heute angedachtes Ziel, den Stellplatz von Onda. Es ist 12 Uhr und er ist voll – damit haben wir nicht gerechnet! Obwohl es hier keinen Strom gibt, ist der Platz komplett von Langzeiturlaubern besetzt – inklusive nicht erlaubtem Campingverhalten. Nach kurzer Ratlosigkeit beschließen wir, zuerst einmal die Stadt „zu erobern“ und anschließend weiterzufahren. Es geht wieder durch die Altstadt hinauf zum „Castell der 300 Türme“. In der Tourist Info erklärt uns die Mitarbeiterin, es wären selbst in der besten Zeit nur 60 bis 70 Türme gewesen, aber eben schon ziemlich viele und das wollten die damaligen Herrscher zum Ausdruck bringen – Übertreibungen zu Werbezwecken gab es also damals auch schon!
Außer der wirklich schönen Aussicht gibt es nicht allzu viel zu sehen und so sind wir nach 1 ½ Stunden schon wieder zurück bei Exe. Die nächste Stellplatzalternative liegt sieben Kilometer entfernt im Städtchen Sueras. Eine knappe halbe Stunde später besetzen wir den vorletzten der sechs Plätze – hier gibt es sogar Strom umsonst! Beim Spaziergang durch das kleine Städtchen wundern wir uns über die vielen schweren Eisentore an allen möglichen Stellen der kleinen Gassen, außerdem haben viele Häuser hochklappbare Stahlplatten vor den Eingangstüren. Wir brauchen ein paar Minuten, bis wir verstehen: Hier werden wie beim großen Beispiel Pamplona Stiere durch die Stadt getrieben – und das scheinbar nicht nur einmal im Jahr!

Das nächste Ziel ist La Vall d’Uxio mit seiner Grotte, die mit Booten befahren werden kann. Es handelt sich um den zweitlängsten unterirdisch zu befahrenden Fluss Europas, Tickets für die Fahrt kann man online buchen. Das ist auch besser, denn im Winter gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Touren – gegen 14 Uhr ist bereits Schluss. Als wir an dem riesengroßen Parkplatz ankommen, müssen wir kurz hysterisch auflachen: Es gibt hier acht für Mobile markierte Stellflächen plus kostenfreier Ver- und Entsorgung. Bei der Anfahrt schaut man von oben auf den Parkplatz und denkt, man ist auf einer Mobilmesse! Es stehen über 30 Mobile hier – vielleicht ein Fehler des Managements, denn es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Mobile auch außerhalb der markierten Plätze toleriert werden – und der Stellplatz liegt in Autobahnnähe! Wir stellen uns auf eine angrenzende Kiesfläche, die ebenfalls freigegeben ist, und haben somit unsere Ruhe. Die Bootstour ist empfehlenswert, wenn auch nicht zu aufregend. Regelrecht niedlich ist die Vier-Minuten-Licht- und Soundshow am Ende der Tour – besonders, wenn man wie wir noch die Show in der großen Höhle von Gibraltar im Gedächtnis hat. Leider darf man nicht fotografieren.

Die Nacht ist erstaunlich leise und so machen wir uns gut erholt auf den Weg. Wir umgehen Valencia auf der gut gefüllten und hektischen Autobahn und sind froh, als wir über Chiva auf der A 3 in die Berge entschwinden können. Auf der N-III geht es heute zum praktischen Stellplatz am Stadion von Requena. Außer einem unterirdischen Weinkeller mit vielen Tonamphoren gibt es in der Stadt nicht viel zu sehen und so verzichten wir heute einmal auf eine Besichtigung und haben „Freizeit“!! Weiter geht es am nächsten Tag nach einer 15-Minuten-Verzögerung wegen einer erneuten Bauerndemo über Casas-Ibanez nach Alcala de l’Jucar. Der Ort liegt spektakulär in einem engen Cañon – mit einem eindrucksvollen Castell darüber.
Es geht auf der einen Seite in vielen Serpentinen hinunter, auf der anderen genauso wieder rauf. Auf die Weiterfahrt im Cañon verzichten wir vernünftigerweise: Das Sträßchen ist am Eingang mit Warnschildern gespickt, der Beton ordentlich löcherig – man muss nicht alles fahren, nur weil man es kann! Wir überlassen die Straßenreste gern den Anliegern, die da ja nicht zum Vergnügen lang müssen! Am frühen Nachmittag erreichen wir den wirklich sensationell gelegenen und großzügigen Stellplatz von Chinchilla de Monte-Aragon. Es ist heute mit 10° ziemlich kühl, außerdem liegt der Stellplatz auf 860 m Höhe, der Wind ist extrem frisch und Stadt wie Castell liegen noch einmal ein gutes Stück weiter oben, aber meine Kathrin kennt keine Gnade und scheucht uns bis ganz nach oben zum „sturmumtosten“ Castell, bei dem man hier wirklich einmal von einer Burg sprechen kann – inklusive Zugbrücke. Natürlich ist geschlossen, aber gut, dass wir mal da waren! Zur Belohnung bekomme ich heute dafür eine Mittagsruhe und kann mich wieder gut aufwärmen! Das Städtchen ist übrigens sehr nett und auch der Stellplatz ist vorbildlich gepflegt, sehr empfehlenswert!
Nun geht es weiter an Albacete vorbei über einen 1100 m Pass immer nach Südwesten. Schon nach rund 80 km erreichen wir den ersten, nach Beschreibung interessanten Stellplatz am alten Bahnhof einer nie in Betrieb gegangenen Eisenbahnlinie, die inzwischen zur Via Verde, einem bekannten Fahrradwanderweg umfunktioniert wurde. Hier picknicken Spanier, kein Womo zu sehen, irgendwie fühlen wir uns nicht willkommen und fahren 40 km weiter nach Bienservida und…Treffer! Nicht nur, dass am Ortseingang dieses Kleinods eine extrem günstige Tankstelle auf uns wartet….nein, hier gibt es auch noch einen neuen und großartigen Stellplatz am Schwimmbad oberhalb des Ortes und jetzt kommt es: Mit Wasser- und Stromanschluss auf jeder der sehr großzügigen Stellflächen! Hier bleiben wir noch einen Tag, denn auch das Wetter ist fantastisch! Abends ist unten im Ort auch noch Karneval, aber wir Banausen genießen die Ruhe und Abgeschiedenheit hier oben.
Durch zwei Nationalparks und den Pass „Puerto el Bellotar“ geht es nun über Siles zur A 32 und weiter nach Ubeda. Der zu 100 % (!) sichere Stellplatz, weil er direkt neben der Guardia Civil liegt, soll angeblich immer überlaufen sein, weil er nur 10 Plätze bietet. Da haben wir scheinbar Glück, denn wir bekommen sogar einen schönen Randplatz mit Blick ins Grüne. Kathrin macht ein wenig Kleinwäsche, die im Fahrerhaus für „Kleinitalien“ sorgt und wir begeben uns während der Trockenphase auf einen ausführlichen Stadtrundgang.
Ist auf alle Fälle sehenswert und als wir nach 6 km zurückkommen, ist auch noch die Wäsche trocken. Abends füllt sich der Stellplatz tatsächlich, aber durch die „Überlaufflächen“ muss niemand wieder weg. Wer am Montag ankommt: Bitte nicht erschrecken, denn dann übt von 20.30 Uhr bis 22 Uhr der ortsansässige Fanfarenzug – voller Leidenschaft und Enthusiasmus, aber nicht immer wirklich talentiert. Ein Kommentar bei Park-4-Night trifft es sehr gut: Sie haben noch einen weiten Weg vor sich!
Weiter geht es nach Cordoba, das wir zuletzt 1978 besucht haben – ist also schon eine ganze Weile her! Der Campingplatz, den wir damals aufgesucht haben, ist seit Corona dauerhaft geschlossen, der stadtnahe Stellplatz ist nicht nur ziemlich teuer, laut und eng, sondern gehört auch wegen der dort herrschenden Regeln zur Rubrik „Abzocke“! Wir wählen daher den ruhigen, freundlichen Stellplatz sechs Kilometer westlich der Altstadt in El Higuerón, von wo aus wir schnell und unkompliziert mit dem Fahrrad Cordoba erkunden – mit Bus oder Bahn wäre es genauso möglich gewesen, aber man soll sich ja auch ein wenig bewegen.
Außerdem liegt die Ausgrabung der Kalifenstadt „Madinat Al-Zahra“ nur knapp 2 km entfernt, das sollte man sich auch nicht entgehen lassen.
Die Mezquita-Kathedrale ist jedenfalls noch genauso beeindruckend wie bei unserem ersten Besuch vor 46 Jahren und die Visite zu dieser Jahreszeit ist sehr empfehlenswert, denn es gibt zwar Touristen, aber nicht in den Massen wie in der Hauptsaison.
Nach zwei Tagen brechen wir die Zelte ab und fahren in einem Rutsch nach Isla Cristina. Hier wollen wir uns eine Woche oder länger am Strand erholen und einfach Urlaub machen. Nach vier Wochen Kultur ist der Speicher wieder einmal voll und muss resettet werden.
Das dauert genau 11 Tage – inklusive schöner Strandspaziergänge, Faulenzertage und ausführlichen Sonnenbädern zur weiteren Auffrischung unseres Vitamin D – Haushaltes.
Aber auch Wäsche waschen muss sein und dabei kommt es zu einer ziemlich unangenehmen tierischen Begegnung: Am Rande unseres Stellplatzes steht eine kleine Kiefer und die wird hier gerne von den Raupen des Kiefern-Prozessionsspinners zur Reifung in großen Gemeinschaftsspinnnetzen genutzt und die können, ähnlich wie unser heimischer Eichen-Prozessionsspinner, durch ihre feinen Haare heftige allergische Reaktionen auslösen. Hauptsächlich ist das für Hunde gefährlich, da sie beim Schnuppern die Haare einatmen und daran eventuell sogar sterben können, kann aber auch der Mensch bei Hautkontakt ordentlich leiden. Am Ende ihres Reifungsprozesses klettern die Raupen am Stamm herab und suchen im Gänsemarsch (daher der Name „Prozessionsspinner“) ein Fleckchen Erde, wo sie sich dann unterirdisch in harmlose Nachtfalter verwandeln. An diesem Kiefernstamm befestigen wir ziemlich naiv unsere Wäscheleine, ihn dabei auch „liebevoll“ umarmend, da der Stamm schon etwas umfänglicher ist. Kurz gesagt: Körper, Leine und wahrscheinlich auch die frisch aufgehängte Wäsche hat Kontakt – zwar nicht viel, aber doch flächig. Die ersten, nach einiger Zeit auftretenden Pustel werden noch als Mückenstiche abgetan und behandelt, aber als die Pustel auch unter der Kleidung auftreten, wird uns klar: Da haben wir wohl einen Fehler gemacht! Nun ist es zu spät, also Warnung an Alle: Hat es euch erwischt, dann dauert die Juckerei gut zwei Wochen (!!) und helfen tut eigentlich nur Kortison-Salbe, den „bite away“ gegen Mückenstiche haben wir zur zeitweiligen Juckreizreduktion, also lediglich zur Symptombekämpfung genutzt.

Nach einem ausführlichen Einkauf in Cartaya geht es auf gleicher Strecke zurück nach Sevilla und an der „berüchtigten“ Abfahrt und Kreuzung 17 (da die südliche Umgehung um Sevilla mit dringend notwendiger Brücke über den Guadalquivir immer noch nicht gebaut ist, muss man an dieser Engstelle immer wieder durch!) geht es auf der AP 4 ab nach Süden bis kurz vor Jerez, dann weiter über Lebrija nach Sanlucar de Barrameda. Die Stadt liegt am Guadalquivir und genau gegenüber dem Donana-Nationalpark. Da es vom Park aus keine Möglichkeit gibt, über den Fluss zu kommen (man muss tatsächlich ganz bis Sevilla fahren!), waren wir bisher noch nie hier. Das ändert sich nun. Die Stadt ist berühmt für ihren besonderen Sherry, den Manzamilla, der sein besonderes Aroma durch die Reifung in der salzigen Luft erhalten soll. Mag sein – wir erkunden den unaufgeregten, netten Ort wieder hinauf bis zu seinem Castell (!) und da wie immer zu unseren Aktivitätszeiten ganz Spanien Siesta hält, müssen wir zwangsweise auf die Verkostung eines Manzamillas verzichten.
Heute geht es nur ein paar Kilometer weiter nach Süden – der neue, offizielle Stellplatz an der Marina von Chipiona ist unser Ziel. Einchecken per Kennzeichen-Kamera, alles auf neuestem Stand. Ähh, fast alles, denn den Zahlungsbeleg mit Zahlencode für Wasser und Strandzugang gibt es nur per Email – aber: Das Touchfeld zur Eingabe enthält keine Taste für das Minuszeichen und das ist in allen unseren Adressen dabei. Zum Glück brauchen wir heute weder Wasser noch wollen wir an den Strand – kann man aber trotzdem, ist nur weiter. Dann geht es wieder auf Stadt- und Strandbesichtigung. Hier gibt es die, wahrscheinlich noch aus der Römerzeit stammenden „Los Coralles“, durch kleine Steinwälle eingedämmte Wasserbecken, die bei Flut überspült werden, bei Niedrigwasser aber verhindern, dass die darin schwimmenden Fische wieder rauskommen. Pro Becken gibt es einen Verantwortlichen, der dafür sorgt, dass der Fang allen Bürgern zugute kommt.
Dort, also am Strand, kommen wir gleich wieder an einem Negativbeispiel vorbei: Die Einfahrt zum Strandparklatz ist durch Balken höhenbegrenzt, die Ausfahrt (markiert per Einbahnstraßenschild!) nicht. Also fährt die „sparsame“ Wohnmobilcommunity u.a. auch mit ihren Großmobilen wie einem umgebauten Büchereibus, Concorde, Morelo oder sogar einem 10 m – KAT Allrad-LKW mit Tandemachse einfach durch die Ausfahrt auf den Platz und macht es sich langfristig gemütlich – ein Freakpärchen sogar in einer Ecke mit Wagenburg aus Womo plus Wohnwagen. Ganz ehrlich – wären wir Einheimische, wir hätten die Nase wirklich gründlich voll und genau das wird, nein muss hier irgendwann passieren, das kann nicht mehr lange gut gehen: Der neue, offizielle Platz ist fast leer, nur weil er Geld kostet? Und hier steht der Überwinterer mit seinem a…teuren Mobil verbotenerweise, um ein paar Euro zu sparen – ein Morelo kostet mindestens eine ¼ Million und wie viel Diesel nimmt so ein Riesen-KAT? 30 Liter? 40 Liter?
Am nächsten Tag verlassen wir das nette Städtchen nach einer sehr sicheren Nacht, denn liest man die Stellplatzrezensionen, dann fühlen sich Mobilsten sicher, wenn es hell ist und auf diesem Platz ist es aber so etwas von hell! Wir fahren über Sanlucar zurück nach Jerez und dann auf der A 381 nach Algeciras. Hier wechseln wir auf die A 7 und auf der geht es immer weiter an der Küste entlang zum Stellplatz in Cancelada. Von hier aus fahren wir mit den Rädern auf der schönen Strandpromenade elf Kilometer nach Estepona, nach dem Motto: Haben wir mit Grausen immer ausgelassen, aber muss man ja auch einmal gesehen haben. Fazit: Insbesondere diese Gegend ist besser als ihr Ruf, denn es gibt keine Hochhausbebauung, man hat hier gelernt und die intensive Bebauung rechtzeitig gestoppt. Die Architekten haben sich Mühe gegeben, es gibt viel Grün und überall ist Platz für Fahrräder. Gut, Estepona ist nicht so unser Fall, aber selbst dort gibt es eine sehenswerte Altstadt, wenn sie auch sehr klein ist.
Da für das Wochenende eine eindrückliche Wetterwarnung besteht (bis zu 50 l/m² Regen in 24 h und Sturm bis 70 km/h), suchen wir einen „sicheren Hafen“ und finden den in La Herradura. Hier waren wir bereits im letzten Jahr, die Stellplatzbetreiber des kleinen Platzes sind sehr nett und so rufen wir durch und melden uns an – das ist hier dringend nötig! Es kommt dann auch, wie vom Wetterdienst angekündigt und wir freuen uns über unseren sturmgesicherten Stellplatz, bevor es dann zum Cabo de Gata weiter geht.
Dorthin gelangen wir über die A 7 und die Abfahrt 769. Über den Ort Cabo de Gata geht es dann an Salinen (mit Flamingos!) vorbei und über eine kurze, einspurige Bergpassage zum Endpunkt am Kap, dem Aussichtsparkplatz am Leuchtturm. Hier gibt es viel zu fotografieren – natürlich sind wir nicht allein, auf dem gesamten Weg stehen jede Menge Wohnmobile.
Anschließend geht es auf gleichem Weg zurück zur Autobahn und weiter nach Norden zum Stellplatz in Carboneras.
Am nächsten Tag geht es bei traumhaftem Wetter auf der ebensolchen Küstenstraße entlang weiter. Zum Glück nur auf der Gegenspur kommen uns hunderte von Radfahrern einer geführten Tour entgegen. Durch das gepflegte Mojacar geht es bis Garrucha, dann sagen wir fürs Erste dem Wasser „Tschüss“ und begeben uns auf die E 15, umgehen Murcia und machen für eine Zwischenübernachtung Halt in Yecla. Hier werden wir abends tatsächlich noch einmal musiktechnisch betreut: Die hiesige Blaskapelle probt – zwar sogar noch länger als in Ubeda, dafür nicht ganz so falsch, aber genauso leidenschaftlich!
Nach einem weiteren Halt in Peniscola mit einem ausführlichen Spaziergang bei weiterhin traumhaftem Wetter

übernachten wir ein letztes Mal in Spanien im kleinen Ort Cabanes bei Figueres. Hier gibt es wieder einmal einen Eintrag für unsere Pannenstatistik: Uns fällt auf, dass der Reifen hinten rechts unnatürlich platt aussieht und die Überprüfung ergibt dann auch 2 statt 4,5 bar Reifendruck! Also Druckluftschlauch raus, Kompressor an und erst einmal wieder aufpumpen. Genau beim Erreichen der vorgeschriebenen 4,5 bar gibt es vorn unter der Motorhaube, also dort, wo bei uns der Kompressor eingebaut ist, einen lauten Knall. Ergebnis: Der Schlauch ist geplatzt, das hatten wir auch noch nicht! Ist aber Nebensache, denn als wir uns zum Reifen hinab beugen, ist ein deutliches Zischen zu vernehmen. So wird das also nix, das Ding muss runter! Ab in die Blaumänner, schon wecken wir das Interesse einiger wohnmobiler Nachbarn und innerhalb kurzer Zeit hat sich eine erkleckliche Zahl um uns herum versammelt, diskutiert über die unterschiedlichsten Themen und wir bieten dabei das visuelle Rahmenprogramm – selbstverständlich wird auch ordentlich fotografiert! Wir freuen uns währenddessen über unsere „Freundlichen“, die zum Glück nie vergessen, Radmuttern zu kontrollieren, mit dem richtigen Drehmoment anzuziehen, die Reserveradhalterung gangbar zu halten und auch das Reserverad unter korrektem Druck zu halten! Das müssen wir zum Glück nicht selbst machen – das ist kundenfreundlicher Service! So sind wir, sehr zum Leidwesen der Nachbarn, relativ schnell mit dem Rahmenprogramm durch und wieder „zügig“ beim wohlverdienten Bier. Am nächsten Morgen fahren wir zu Euromaster in Figueres, werden sofort (!) in die Werkstatt gelenkt und erleben (neben dem vorzüglichen Kundendienst!) eine große Überraschung, denn der Reifen ist kerngesund, aber, unter Wasser gesetzt, blubbert es deutlich aus einer Nahtstelle in der Felge zwischen Felgenhorn und Radmutterlöchern!!?? Weder der Mitarbeiter noch wir haben so etwas bisher erlebt. Wir haben keine Lust, weiter zu forschen. Lösung: Schlauch einziehen, damit wir für den Rest der Tour noch ein funktionierendes Reserverad haben, 21 € (!) zahlen und nach 45 Minuten sind wir wieder unterwegs. Traumpreis und Traumzeit, oder?
Nach einem letzten „Dreitageurlaubsstopp“ im sonnigen Stes. Maries de la Mer in der Camargue
geht es dann über die Stellplätze von La Roche-de-Glun (da steht neben uns ein Cocart-Freak und montiert bzw. pflegt auf dem Stellplatz seinen Rennwagen),
von Fleurie (hier kaufen wir einige Kisten des leckeren Beaujolais)

und Goncourt an die Mosel zu unseren Freunden im Weingut Oster in Bremm. Hier erleben wir, nein – eigentlich vor allem ich! – ein letztes Abenteuer, denn wir machen einen Ausflug zu einer der größten Hängebrücken Deutschlands, der Geierlay-Brücke in Mörsdorf: 360 m lang und 100 m hoch! Der fleißige Leser unseres Blogs weiß bereits, wieso das besonders für mich ein Abenteuer ist, denn ich habe Höhenangst! Aber ich bewältige tapfer Hin- wie Rückweg, die Beine zittern nur wenig und die Übelkeit hält sich in Grenzen. Es scheint zu stimmen, dass Höhenangst beherrschbar ist, wenn man nur oft genug den inneren Schweinehund überwindet!
Nach einem sehr leckeren, handgemachten Burger im neu eröffneten „Ankes Weinbistro“ in Bremm fahren wir dann von hier aus nur noch „langweilig“ wieder nach Hause.