Winter zu Frühling 2025

Auch hier wie schon beim Bericht „Schweden 2024“ gibt es nur eine Art „Update“, also was denn dieses Mal anders gelaufen ist als in den letzten drei Jahren. Vieles, vor allem bei der An- und Abreise (aber auch dazwischen) verläuft ja ähnlich oder sogar fast gleich. Allerdings versuchen wir in jedem Jahr, zumindest teilweise andere Routen zu wählen – es wäre ja ansonsten einfach zu langweilig. Außerdem darf man nicht vergessen, dass auch die nicht immer vermeidbaren Pannen für Abwechslung bei uns wie unseren Lesern sorgen. Also los!

Die Fahrt bis ans Mittelmeer verläuft wie immer – allerdings in diesem Jahr fast vollständig im Nebel oder zumindest Hochnebel. Erst bei Nîmes lockert die Bewölkung auf und die ersehnte Sonne zeigt sich endlich. Wir landen wieder in Le Barcarès und tanken zwei Tage Sonne und Vitamin D. Hier meldet sich allerdings nach neun Jahren einwandfreien Betriebs unsere Truma Heizung erstmalig: Sie will nach der Nachtabsenkung nicht mehr automatisch in den Tagbetrieb umschalten – das bedeutet, dass wir ab jetzt aufstehen müssen, um unsere Frühstückswohlfühltemperatur per Hand anzufragen. Da unsere Exe ja nicht zu weitläufig ist, können wir diesen Umstand noch geradeso akzeptieren!  Weiter geht es am Mittelmeer entlang mit Zwischenhalts in L’Hospitalet del Infante, im Ebro-Delta und in Peñiscola.

Inzwischen meldet sich die Truma allerdings jeden Morgen und zwar nur, wenn geheizt werden soll, beim Warmwasser verhält sie sich still und unauffällig. Einmal kurz kam die Alarmmeldung, die jeden Truma D6E Besitzer aufschrecken lässt – Fehlercode E 102 H! – dann ist sie auch schon wieder weg. Internet-Recherche und Berichte von Bekannten legen leider nahe, dass es sich wahrscheinlich um den Lüftermotor handelt. Nach einem Fehlbesuch beim „Truma-Service“ in Cambrils (wir führen nur ein paar Ersatzteile, reparieren können wir nicht!) nehme ich Kontakt mit Tambo Motorhomes in Benicarlo auf. Selbstverständlich können sie uns helfen, wir sollen vorbei kommen. Kurz vor der Siesta um 13 Uhr sind wir da. Der Fehler wird ausgelesen und wir haben recht, denn es ist der Lüftermotor. Der ist auf Lager, also wird nach der Siesta um 15 Uhr repariert. Das geschieht schnell, professionell und gründlich. Trotz Komplettausbau der Heizung sind wir nach 1 ½ Stunden bereits wieder unterwegs – diese Werkstatt kann man nur empfehlen!

Von nun an fahren wir eine neue Route. Kurz vor Castello wechseln wir auf die CV-10 bis Betxi. An der Abfahrt 7 entschwinden wir auf die CV-20 nach Onda. Den Stellplatz dieses Ortes lassen wir aus. Hier durften wir schon vor zwei Jahren entsetzt beobachten, dass die dauercampenden Überwinterer der Meinung sind, es sei bis zum Mittelmeer nicht zu weit, da könne man sich wagenburgenbauend gut niederlassen. Hinter der Stadt beginnt eine wunderschöne Bergstrecke, in Spanien bedeutet dies allerdings auch immer eine Menge Radsportler und Biker. Bei so wenig Verkehr wie hier ist das nicht wirklich ein Problem, die Atmosphäre kann man durchaus als tiefenentspannt bezeichnen.

Es geht kurvenreich durch Schluchten und an Berghängen entlang durch Orte wie Espadilla und Toga nach Cirat. Die bei Park-4-Night angegebenen Wegbeschreibungen zum dortigen Stellplatz erscheinen uns erst sinnvoll, nachdem wir alle anderen Zugänge abgefahren sind: Ja, wir haben nicht den ersten Zugang in den wirklich engen Ort genommen, sondern den zweiten. Hier versperrt eine Baustelle den Weg. Also rückwärts rund einen Kilometer zurück und doch den ersten Zugang wählen. Schon stehen wir an der anderen Seite der Baustelle und kommen wieder nicht weiter. Zum Glück ist Exe schlank und kurz genug und wir schaffen ein Wendemanöver mit tatkräftiger Unterstützung eines Baggerführers. Kathrin erfährt inzwischen noch von einem anderen Bauarbeiter, dass die richtige Zufahrt noch einmal mehr als 500 Meter weiter entlang der Straße zu finden ist. Die ist zwar ziemlich steil, aber so etwas ist für Exe ja nun gar kein Problem.

Der Stellplatz oben liegt am Schwimmbad und am Einstieg in einen idyllischen Wanderweg. Frischwasser, Abwasser, Schwarzwasser…alles da und kostenlos, was will man mehr? Die Nacht ist absolut lautlos, entsprechend erholt wachen wir am nächsten Morgen auf. Nach einem ausgiebigen Sonntagsfrühstück geht es wieder auf die Strecke, die heute noch einmal spektakulärer als gestern ist. Nach Aranuel und Montanejus führt die Straße an einem Stausee entlang nach Olba und weiter nach Venta del Aire. Von hier aus geht es auf die Autobahn, wir umfahren Teruel und nutzen die schöne N 330 um nach Torrebaja zu kommen. Von hier aus geht es auf der N 420 durch eindrucksvolle  Canons über Canete zu einem Freistehplatz am Rio Cabriel. Zuerst parken wir auf einem bei Park-4-Night aufgeführten Platz an der Straße. Ein paar hundert Meter davor gibt es allerdings eine restaurierte, alte Steinbrücke. Die sieht stabil aus, ist aber nur 2,10 m breit und führt über den Fluss. Danach geht es mit tiefen Furchen auf Grobschotter 50 Meter gut bergan und dann tut sich ein großer und ebener Platz auf. Wir sehen uns an – wir können den Spruch zwar nicht mehr hören, aber hier passt er tatsächlich wieder einmal: Für Exe ist das „artgerechte Haltung“ und ein paar Minuten später stehen wir allein oben am Waldrand. Wieder Idylle pur, wieder bereuen wir keine Minute, dass wir nicht am Mittelmeer stehen.  

Am nächsten Morgen gönnen wir uns und Exe eine Motorvorwärmung, denn hier in den Bergen herrscht morgens noch Frost, die Scheibe ist vereist. Auf dem Rückweg macht Kathrin noch Fotos von der Brückenpassage (sieht auf Fotos immer viel harmloser aus!), dann geht es auf der N 420 über Fuentes und südlich um Cuenca herum auf die A 40. Hinter Ontigola fahren wir ein kleines Stück „Bezahlautobahn“ und auf der N 400 erreichen wir schließlich Toledo. Die hiesigen Freistehmöglichkeiten gefallen uns nicht (der Messeparkplatz z.B. ist zwar riesig, wirkt aber weder einladend noch besonders sicher) und so besuchen wir den zwar nicht gerade günstigen (33 € pro Nacht), aber gut gelegenen, sauberen und ruhigen Campingplatz „El Greco“ auf. Wir nutzen Campingplatzaufenthalte immer auch für alle möglichen Services aus – das gilt für Exe genauso wie für uns! Am nächsten Tag machen wir die Fahrräder klar, radeln rund 2 km bis zur schönen Fußgängerbrücke über den  Tajo und bestaunen die Zip-Liner, die hier direkt neben der Brücke den Fluss überqueren.

Auf der anderen Seite geht es mit ordentlich E-Unterstützung gut bergan bis zum „El Greco“-Museum, wo wir gegenüber in einem kleinen Park die Räder anschließen und von hier aus zu Fuß die Stadt unsicher machen. Toledo gehört zu den meistbesuchten Städten Spaniens und das hauptsächlich aus zwei Gründen: Die wunderschöne Altstadt und die riesige Kathedrale mit Bildern von „El Greco“ (Sohn Toledos!), Goya, Tizian, van Dyck und anderen berühmten Malern. Wir bummeln durch die schönen Gassen, setzen uns für eine Viertelstunde auf die Plaza Zocodover und gucken Leute (immer sehr interessant!), umrunden den wehrhaften Alcazar und bewundern die traumhafte Aussicht vom dortigen Mirador.

Schließlich geht es nach einem dringend nötigen Bäckereibesuch mit den Rädern verkehrswidrig gegen die Einbahnstraßenregelung zurück. Wir sind tatsächlich fast die einzigen Radfahrer und wären sonst gezwungen gewesen, auf großen Umwegen bergauf und -ab einmal quer durch die komplette Altstadt zu fahren – an Radfahrer denkt hier niemand, da muss man dann eben an sich selbst denken! Dumm geguckt hat aber auch niemand – scheinbar laufen hier Radler unter dem Begriff „Fußgänger“!? Zum Campingplatz gehört auch ein Restaurant und zu unserer großen Freude (wir essen gerne früh!) hat dieses Etablissement von 11 Uhr an durchgehend bis 23 Uhr geöffnet. Leider kommt es, wie es in Spanien fast immer kommt: Als ich für 18 Uhr reservieren möchte, erklärt man mir, dass ab 18 Uhr die Einnahme von Drinks möglich sei, Essen wäre erst ab 19 Uhr möglich. Was nach unserer Erfahrung bedeutet, dass gegen 19.30 Uhr die Bestellung aufgenommen wird und das erste Essen irgendwann dann frühestens gegen 20.30 Uhr an den Tisch kommt. Spanier essen wirklich extrem spät, deshalb kommen wir so gut wie nie dazu, die durchaus gute Küche zu probieren – Restaurantbesuche gibt es darum für uns leider nur in den Ländern, die wir auf dem Hin- und Rückweg durchfahren.

Nach einem weiteren „Büro- und Hausarbeitstag“, u.a. mit Brotbacken und verschiedenen Mailkontakten in die Mongolei (da geht unsere nächste Tour hin – allerdings wie im südlichen Afrika wieder mit einem Mietcamper) geht es nur rund 30 Kilometer nach Westen zu den Barrancas de Burujón. Hier hat sich der gestaute Fluss in weiches Erosionsgestein gegraben und man kann das Ergebnis auf einem 5,5 km langen Rundwanderweg mit vielen Aussichtspunkten bestaunen: Durch Erosion ist hier der „Colorado Canyon von Toledo“ entstanden, wie er scherzhaft genannt wird – uns erinnert das mehr an die Erosionsgebilde des Brice Canyons, wenn denn schon unbedingt ein amerikanischer Vergleich ran muss. Wir finden das Ganze auch so eindrucksvoll – erst recht mit einem Pulk von über 100 Kranichen, die über dem See in der Thermik kreisen.

Weiter geht es nun nach Talavera de la Reina, der Fliesen- und Kachelhauptstadt Westspaniens. Nach einer größeren Shoppingtour fahren wir den offiziellen Stellplatz der Stadt an. Der Womoführer nennt den „uncharmant“, was wir als extrem diplomatisch empfinden: Am Straßenrand einer 4-spurigen Straße mit ordentlich Verkehr gelegen, neben einer Fabrikruine und gegenüber der Feuerwache – und dann auch noch schief! Egal, erstmal besuchen wir die im Reiseführer hoch gelobte Altstadt, zu der es von hier aus nur 2,5 km entfernt ist. Angeblich ist dort fast jedes Haus mit Quadratmeter großen Kachelbildwerken geschmückt und wir haben uns, wie empfohlen, durch die Altstadt treiben lassen.

Nun ja, irgendwie wurden wir wohl falsch getrieben, denn wir haben kaum Kacheln an irgendwelchen Häusern gefunden, dafür zu 70 bis 80 Prozent geschlossene und kaputte Geschäfte, graffitiverschmiert…wir wollen nach 7,5 km Besichtigung dieser „sympathischen Kleinstadt“ nur noch schnell weg und finden schließlich in annehmbarer Entfernung ein idyllisches Plätzchen in einem kleinen Bergdorf.

Nun geht es auf die A 5 bis zur Abfahrt 171 und von da auf der EX-118 an Hunderten von Störchen vorbei über Peraleda zum Parkplatz am Templo Los Mármoles Augustobriga (was für’n Name!) am Stausee von Valdecanas.

Die Aussicht ist toll, die Lage direkt neben der gutbefahrenen Straße ist es nicht und die Überreste des Tempels eher spärlich. So fahren wir gegen 14 Uhr weiter nach Castanar de Ibor und dort zum Infocenter an der Höhle. Die dortigen Stellplätze sind selbst uns zu schief, das Infocenter macht erst in zwei Stunden auf, also fahren wir weiter zur Ermita del Humillades, kurz vor dem Pilgerort Guadalupe gelegen. Die Ermita liegt auf einem Hügel über der Stadt mit einer fantastischen Aussicht. Eingerichtet wurde sie wohl für die Pilger, die hier noch einmal Rast machen konnten – ihr Pilgerziel direkt vor Augen. Nachteil des absoluten Traumplätzchens: Die Anfahrt ist nicht so einfach. Es geht in steilem Winkel von der Straße ab und knapp hundert Meter steil bergan. Bodenfreiheit und kurzer Hecküberhang sind wieder einmal gefragt – und erneut für uns eine leichte Übung! Die Belohnung ist ein einsamer, sehr leiser Stellplatz (nur Eulen und ein paar Katzen sind zu hören!) mit atemberaubender Aussicht!

Am nächsten Morgen macht Kathrin wieder ein paar Fotos von der „Abfahrt“, dann geht es die paar Kilometer bergab nach Guadalupe. Nach Empfehlung soll man über die Zufahrt „Guadalupe Sur“, also über den Süden in die Stadt, weil es sonst eng werden könnte. Irgendwie sind wir dieses Mal zu blöd. Wir lassen die erste Zufahrt aus und nehmen die zweite – mit dem Gedanken, das wird wohl der südliche Zugang sein, steht wohl nur nicht „Sur“ dran. Wir fahren immer den Busschildern hinterher und landen prompt am Nordeingang!? Also drehen wir um und folgen den Anweisungen von Google Maps. Nun – so hätten wir uns eigentlich den Stadtrundgang sparen können, mehr Innen- und Altstadt geht nicht, denn wir fahren direkt über die Plaza Major, am Brunnen und der eindrucksvollen Treppe der Wallfahrtskirche vorbei zum Pilgerparkplatz, der nicht nur ideal zum parken, sondern auch für eine Übernachtung gut ist. Okay, war mit Exe kein Problem – mit einer größeren „Weißware“ aber vielleicht schon. Natürlich erkunden wir trotzdem zu Fuß den Ort, der selbstverständlich „Tourismus pur“ ist und zu den schönsten Pueblos Spaniens gehört. Die Altstadt bietet ein komplett historisch erhaltenes Stadtbild.

Wieder zurück, planen wir die nächsten Tage und fahren schließlich über die CC-171 (die war eigentlich als südliche Zufahrt gemeint!) aus dem Ort hinaus und auf die EX-102. Es geht hinauf zum 800 m Pass. Hier legen wir einen kleinen Zwischenstopp ein und sehen uns die geologischen „Fallas“-Verschiebungen der Erdkruste an – sorry, die sind wirklich kaum zu erkennen! Hier biegen wir aber auf die EX-316 ab und fahren über Valdecaballeros hinunter zum Stausee. Hier finden wir unseren Stellplatz für die nächsten zwei Tage – idyllisch, ruhig und friedlich.

Nun geht es durch „Stauseenlandschaft“ über Pueblo de Alocer und über eine originelle Verkehrsführung – ja, wie beschreibt man das? Berginsel? Kreisverkehrinsel? Also ein kreisrunder Berg im Wasser, um den man eine ebenfalls kreisrunde Straße gebaut hat und das als Einbahnstraße, also rechts rum hin und links rum zurück! – nach Cabeza de Buey, Castuera und weiter nach Azuago, wo wir auf dem gewaltig großen, städtischen Stellplatz an der Stierkampfarena wieder einmal ganz alleine Station machen. Nach einer nicht zu aufregenden Besichtigung der andalusisch angehauchten Stadt lassen wir den Tag bei paniertem Seehecht und anschließenden Sendungen zur Wahl (30% CDU, 20% AfD…oh, oh, oh!?) ausklingen.

Außer einem orientalischen Hobbymusiker, der in der Nacht zwar leise, aber doch deutlich hörbar irgendwo auf dem Riesenplatz geübt hat, war es ausgesprochen ruhig hier und so geht es nun erholt weiter nach Llerena, der „Araberstadt“, also ein Ort mit deutlich maurischen Anklängen. Hier wird gerade für den Karneval geschmückt und das große Festzelt auf der Plaza vor der Kirche aufgebaut. Nach einem Abstecher zur römischen Ausgrabungsstätte „Teatro de Regina“ bei Casa de Reina wollen wir eigentlich auf den Stellplatz von Fuente del Arco, denn von hier aus gibt es einen schönen Wander- und Radweg, den wir vorhaben, morgen sportlich zu befahren.

Leider stehen wir vor einem verschlossenen, martialischen Eisentor. Einlass wird ganz modern nur über eine App gewährt. Also QR-Code scannen und schon wird uns ein Stellplatz angeboten – allerdings nur für das ganze Wochenende und heute ist gerade einmal Donnerstag! So lange wollen wir denn doch nicht bleiben! Weshalb man nicht für einen Tag buchen kann, bleibt uns leider verborgen, denn vom Tor aus kann man die Plätze nicht einmal sehen – vielleicht ist ja alles ausgebucht? So fahren wir zurück nach Llerena und dort auf den städtischen Stellplatz, der sogar kostenfrei Strom bereit hält, wer so etwas denn braucht.

Heute geht es nur 35 km weiter zur Schinkenstadt Monesterio und auch dort wieder auf den städtischen Stellplatz. Auch hier gibt es kostenlosen Strom und entsprechend gut gefüllt ist es hier – die Autobahnnähe sorgt dafür, dass der Platz abends schließlich statt der vier Plätze mit mehr als 30 Mobilen besetzt ist und die zum großen Teil mehrfach besetzten Steckdosen sorgen für Stimmung auf dem Gelände! Wir laufen einmal durch die Stadt zum Schinkenmuseum – 1,5 km bergauf, 1,5 km bergab – und dürfen am Eingang dann den gefürchteten Zettel lesen: „Bin gleich zurück!“. Zum Glück kommt tatsächlich bereits nach zehn Minuten ein Mitarbeiter und lässt uns ein – immerhin kostenfrei! Wir besuchen rund 30 Minuten inklusive Video das Museum, aber für Landmenschen wie uns bietet das hier nicht viel Neues – doch: Die Schnitttechnik, mit der man den edlen Serrano aufschneidet, war uns dann doch nicht bekannt! Durch die Altstadt und über die Plaza Major geht es zurück zum Stellplatz.

Nach zwei Wochen sollte heute eigentlich der Inhalt unseres Kompostklos erneuert werden, aber es ist wie verhext: In ganz Spanien stehen großzügig überall Müllcontainer mit Trennung, oft sogar mit Abfallbehältern für Organik, aber ausgerechnet hier sind alle Stationen per Schloss nur für Bewohner zugängig, also müssen wir das verschieben. Am nächsten Morgen sehe ich dann doch die etwas umständliche Mülllösung für die Stellplatznutzer: Über der Entsorgung ist ein kleiner Schlüsselkasten mit Zahlenschloss befestigt und darüber ein Infozettel: Man muss während der Öffnungszeiten von 16 – 18 Uhr (!) in der Verwaltung anrufen. Dort wird einem der Zahlencode mitgeteilt, dann kann man sich den Schlüssel nehmen und zum eingezäunten Müllplatz oben an der Straße gehen. Hinterher muss man versprechen, den Schlüssel auch wieder ins Kästchen zurückzulegen – umständlicher geht es nicht, außerdem stehen in allen Nachbarorten die Container für Alle zur Verfügung!? In der Extremadura sind ab heute Faschingsferien, also beeilen wir uns, um rechtzeitig auf dem nächsten Stellplatz anzukommen, denn wir wollen nach Minas de Riotinto und dort mit der Schmalspur-Museumseisenbahn fahren – das wollen sicher nicht wenige in den Ferien! Außerdem sind am Atlantik, wo wir gerne ein bis zwei Wochen pausieren wollen, für die nächsten zehn Tage Regen, Sturm und Unwetter vorhergesagt. Das geht dort schon den halben Winter so, also müssen wir uns nicht beeilen. Wir fahren bis Santa Olla auf der Autobahn und dann über Zufre nach Minas. Um 11 Uhr sind wir bereits auf dem offiziellen Stellplatz und haben tatsächlich noch einige Plätze zur Auswahl. Wir denken noch, wir hätten ganz besonderes Glück, denn am ersten Sonntag des Monats wird der Zug mit einer Dampflok bespannt – ansonsten „nur“ mit einer historischen Diesellok. Ich buche also wie empfohlen online und erschrecke, als ich das zugesendete Ticket kontrolliere, denn dort steht der Sonnabend drauf! Online melden kann man so etwas natürlich laut Homepage nicht, also ziehen wir den Museumsbesuch vor und spazieren hinauf auf den Berg, um das mit dem Ticket zu klären und uns über die Minenarbeit, die hier seit 5000 Jahren (!) stattfindet, zu informieren. Das mit dem Ticket klärt sich schnell: Der Sonntag mit der Dampflok ist natürlich schon ausgebucht und scheinbar hat uns das System automatisch auf den Sonnabend umgebucht – dann hätte uns das „System“ – oder ist das inzwischen eine „KI“? – aber auch darauf hinweisen können, dass die Fahrt an einem anderen Tag stattfindet!? Egal, wir haben ja Zeit! Das Museum ist schon sehr interessant – hier wurde sogar ein begehbarer Stollen aus der Römerzeit nachgebaut – und besonders ich als Modellbahner genieße die ausgestellten Loks und Waggons.

Als wir später wieder am Stellplatz ankommen, wundern wir uns für genau zwei Minuten, dass noch drei Stellplätze frei sind. Genau in dem Moment kommt eine spanische Großfamilie mit drei Mobilen und somit war’s das mit dem Platzangebot! Da heute der andalusische Nationalfeiertag ist, wird entsprechend abends und die Nacht hindurch auf dem Festplatz gefeiert. Anders als so oft in Deutschland geschieht das aber weder übertrieben laut, ohne Gegröle oder irgendwelchen Vandalismus.

Am nächsten Morgen fahren wir dann „anstrengende“ 4 km zum Bahnhof, also der „Estacion Ferrocaril Minero“. Die Übernachtung ist auf dem Besucherparkplatz leider verboten, allerdings gibt es rund hundert Meter davor einen großzügigen und überwiegend ebenen Platz, an dem das Freistehen toleriert wird.

Hier beziehen wir für zwei Tage Station, denn unsere Fahrt ist zwar heute, die Dampflokfahrt hingegen morgen und das Ereignis wollen wir dann gebührend filmen und fotografieren. Wir sind so früh dran, dass wir den Bahnhof und die Gleisanlagen (inklusive Drehscheibe!) bei schönstem Wetter für uns allein haben.

Nach einer ausgiebigen „Fotosession“ bleibt noch Zeit für einen gemütlichen Kaffee, dann füllt sich der Besucherparkplatz und auch wir begeben uns zum „Check-In“.

Als wir schon im Zug sitzen, treffen noch zwei weitere Busladungen ein. Alles Spanier übrigens, wir sind auf dem Zug die einzigen ausländischen Touristen! Unsere Fahrt heute mit der Diesellok bietet noch einen weiteren Vorteil: Während die Dampflokfahrt nur über 11 km verläuft, geht unsere Fahrt über die doppelte Distanz, also 22 km. Das liegt daran, dass das Gefälle bzw. auf dem Rückweg die Steigung des zweiten Streckenabschnitts für die kleine Dampflok  nicht zu schaffen ist. Die Fahrt lohnt sich wirklich. Die Strecke verläuft die ganze Zeit am Rio Tinto entlang. Auf halber Strecke liegt der Bahnhof von Zarandas.

Bis dahin führt die Bahnlinie durch altes Minenabbaugebiet. Auf den ehemaligen Rangiergleisen der Minengesellschaft befindet sich nun ein Lok- und Waggonfriedhof. Den End- und Wendepunkt bildet die „Estacion de Los Frailes“, wo die Passagiere für 30 Minuten eingeladen sind, tausende von Selfies an einem Picknickplatz des Rio Tinto zu schießen, der übrigens nicht die ganze Zeit knallrot ist, sondern auch gelb, braun oder ockerfarben. Das liegt zum Glück einmal nicht an bösartiger Umweltverschmutzung, sondern an den im Wasser gelösten Mineralien.

Auf Plakaten wird gebeten, auf dem Rückweg die Plätze zu tauschen, so dass alle Gäste in den Genuss der besten Aussicht kommen und – oh Wunder! – das klappt hier anders als Zuhause auch wunderbar und problemlos!

Nach knapp 2 ½ Stunden sind wir wieder zurück. Es folgen noch zwei weitere Fahrten, dann stehen wir wieder allein auf dem Platz. Gegen 21 Uhr kommt noch einmal die Polizei vorbei, ignoriert uns aber gründlich und kontrolliert dafür sehr ausführlich das Bahnhofsgelände. Einziger Nachteil, der aber zu verkraften ist: Auf dem gegenüberliegenden Berghang befindet sich eine Abraumhalde der modernen Minengesellschaft und dort wird gerade von den riesigen Kipplastern Schutt angeliefert – zum Glück in angemessener Entfernung und so klingt der Lärm mehr nach „Meeresrauschen“.

Am nächsten Tag beginnt auch hier das bereits seit langem angekündigte, schlechte Wetter. Es gelingt Kathrin allerdings noch bei der ersten Dampflokfahrt am Morgen, viele schöne Fotos und Filmsequenzen einzufangen – insofern hat sich wieder einmal der alte Spruch bewahrheitet: „Man weiß nie, wozu das vielleicht gut ist“.

Durch die Dieselfahrt haben wir mehr von der Strecke gesehen und die besten Aufnahmen einer Dampflok macht man von außen, nicht vom Inneren des Zuges aus! Nach einem letzten Zweistunden-Fahrturn kommen wir in Isla Cristina an, wo wir wie auch schon in den letzten Jahren knapp zwei Wochen „Ferien“ machen. Anders ist in diesem Jahr das Wetter: Es ist viel zu nass, zu kühl und zu windig!

Die Langzeitcamper berichten, dass es so schon den ganzen Winter über war. Schließlich haben auch wir vom ewigen „Aprilwetter“ die Nase voll (zwei kurze Strandspaziergänge in der ganzen Zeit entspricht nicht dem sonstigen Mittel und auch nicht unserem Geschmack!) und machen uns auf den Rückweg. Eine neue Station ist dabei Marchal in der Nähe von Guadix. Hier gibt es wie in der benachbarten Stadt Höhlenwohnungen zu sehen, allerdings auch die „Röhren“ der Badlands – in den USA heißen die Erosionsgebilde „Hoodies“ und sie entstehen an den Berghängen besagter Badlands, weil das Gestein sehr weich ist und es  damit zu verstärkten Auswaschungen kommt.

Von nun an geht es mit kurzen Zwischenaufenthalten auf gewohnter Strecke zurück nach Deutschland und somit nach Hause.