Von Windhoek zum Kap der Guten Hoffnung

In Windhoek stehen wir mitten in der Stadt – treffend heißt der Campingplatz denn auch „Urban Camp“. Da wir uns nicht nur die Stadt ansehen, sondern auch ein paar Dinge erledigen wollen, haben wir uns gedacht, dass sei eine gute Idee. Der erste Eindruck: Das ist aber eng hier! Waren bisher alle Campingplätze nach europäischen Maßstäben extrem großzügig, so muss hier doch des Öfteren rangiert werden und wenn jemand rücksichtslos ist (und das kommt hier vor!), dann muss der eine oder andere schon so lange warten, bis der Nachbar wieder aus der Stadt zurück ist, um auf seinen Platz zu gelangen. Nun gut, eben Stadt!

Das Essen im platzeigenen Restaurant ist wirklich gut (Wild in jeder Form – als Lasagne, als Steak, als Kebab, als Geschnetzeltes, dann heißt es „Kapana“) und so verkneifen wir uns das Kochen. In die Stadt könnte man laufen, aus Sicherheitsgründen wird das nicht empfohlen, außerdem ist die zwei Kilometer lange Strecke wirklich langweilig. Vom Platz aus gibt es einen ausgezeichneten und sehr günstigen Shuttle-Service, den auch wir gerne nutzen. Eigentlich haben wir einen ganzen Tag fürs Sightseeing geplant, stellen aber sehr schnell fest, dass wir nicht so lange brauchen: Es gibt nicht viele Sehenswürdigkeiten und die meisten davon sind geschlossen, so z.B. das Nationalmuseum und die Feste, weil man sich nach der Zwangsschließung durch Corona nicht einigen kann, wie die Geschichte Namibias denn nun in Zukunft dargestellt werden soll. Selbst das Eisenbahnmuseum ist dicht, also guckt man sich die Gebäude von außen an, macht noch eine Runde um Christuskirche (auch zu!), Parlament und Regierungsgebäude, sieht sich an und fragt „Wat nu?“

Also versuchen wir zu shoppen: Mein Rucksack wurde geklaut, da muss ein neuer her oder ich muss auf dem Rückflug meinen Laptop ständig in der Hand tragen. Die Actionkamera ist derart oft im Einsatz, dass wir noch zwei Speicherkarten brauchen könnten. Wenigstens ein neues Fernglas als Ersatz für die geklauten wäre auch schön, denn in Südafrika wartet hoffentlich noch „Whalewatching“ und „Pinguine gucken“  auf uns. Um es kurz zu machen: Nach fünfzehn Foto-, Computer- und Elektronikshops geben wir den Traum neuer Speicherkarten auf – Micro SD-Karten sind hier so gut wie noch gar nicht zu bekommen, von der nötigen Geschwindigkeitsklasse und Speichergröße ganz zu schweigen. Ferngläser gibt es, wenn überhaupt, nur als Billigware – aber einen Rucksack habe ich gefunden, durch Zufall in einem Elektronikgeschäft. Damit war dann das Thema „City“ abgehakt und alles weitere konnte auf dem Campingplatz erledigt werden, also Blogbeitrag veröffentlichen, Haare schneiden, Wäsche waschen…und am letzten Abend zu „Joe’s Beerhouse“ gehen. Das ist zwar ein Touristenhotspot, aber das Essen ist wirklich gut (nun wissen wir auch, wie lecker Springbock und Zebra schmecken!) und zu einem Hefeweizen vom Fass konnte ich auch nicht „nein“ sagen.

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Genug Stadt, wir fahren weiter! Heute ist Montag, vielleicht schläft Windhoek noch? Jedenfalls fahren wir innerhalb von 15 Minuten quer durch die City, ignorieren am Stadtausgang noch zwei Paviane, die scheinbar trampen wollen, und sind schon auf der schnurgeraden, stinklangweiligen B 1 unterwegs nach Süden.

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Das heutige Ziel ist der Nationalpark „Hardap Dam“, wie der Name schon sagt, an einem Staudamm gelegen und wohl mehr als Naherholungsgebiet gedacht, denn als Refugium für Wildtiere. Die gesamte Anlage mit einer Menge Ferienhäusern, einem Restaurant, einem großen Swimmingpool und einem Campingplatz ist komplett leer, als wir ankommen. Nur die Wäschehaufen vor einer Reihe von Chalets lässt vermuten, dass es hier am Wochenende wohl noch anders aussah. Der Campingplatz liegt allerdings schon seit längerer Zeit im Winterschlaf. Der Sand in den Abwaschbecken und der allgemeine Pflegezustand belegen das eindeutig. Immerhin sehen wir beim kleinen Rundgang am Restaurant noch zwei Pelikane.

Am nächsten Morgen geht es zurück zur B 1 und weiter nach Süden. Hinter Mariental, 170 km  vor Keetmanshoop, ist Schluss mit der Langeweile, denn hier beginnt eine 90 km lange Baustelle. Die B 1 wir hier gründlich saniert und verbreitert. Mindestens vier einspurige Abschnitte, jeder mit 10 Minuten Wartezeit sorgen für Abwechslung, es gibt aber auch schon viele fertige Abschnitte zur Erholung. Bei Keetmanshoop biegen wir auf die M 29 ab und erreichen nach 18 km guter (!) Piste das „Quiver Tree Forest Camp“. „Quiver Tree“ bedeutet „Köcherbaum“. Köcherbaum heißt er, weil die Buschmänner aus den Ästen ihre Köcher für die Pfeile herstellten. Unserer Meinung nach ist der Köcherbaum eng verwandt mit dem Drachenbaum, den man aus dem Mittelmeerraum kennt. Jedenfalls gibt es hier einen ganzen Wald dieser Bäume – ein fantastischer Anblick, staunen und fotografieren ist angesagt. Außerdem kümmern sich die Farmer schon seit langem um verwaiste Geparde und man darf bei der Fütterung dabei sein – fotografieren ist hier allerdings verboten, also gibt es davon im Blog nix zu sehen.

Als wir am nächsten Tag abfahren, sind wir, wie schon so oft, um 9.30 Uhr die Letzten auf dem Platz. Keine Ahnung, was die Leute so früh umtreibt, aber wahrscheinlich ist es im Dachzelt einfach zu kalt, um sich beim Sonnenaufgang nochmal umzudrehen? Es geht die 18 km Piste zurück, dann aber wechseln wir auf die B 4 und auf der geht es nun 325 km nach Westen.

Ziel ist das Meer, genauer gesagt die Stadt Lüderitz, laut Reiseführer die deutscheste Stadt Namibias, und die Geisterstadt Kolmanskop, die sich 10 km vor Lüderitz befindet. Hier halten wir zuerst, um herauszufinden, wann man die ehemalige Diamantenhauptstadt Afrikas besichtigen kann. Dann fahren wir weiter nach Lüderitz und dort zur Shark Island Campsite. Wir staunen nicht schlecht, denn der Platz ist geschlossen, die Schranke mit den aus Krimis so bekannten gelb-schwarzen Flatterbändern umwickelt und eine extrem unfreundliche Wärterin meint, wir kämen hier nur rein, wenn wir eine Buchung hätten, und die gäbe es nur über das Internet. Der Clou: Es gibt hier kein Internet! Außerdem wird der Platz, was wir übersehen hatten, vom NWR, also der Nationalparkverwaltung, gemanagt und damit habe ich ja bereits in Deutschland so meine Erfahrungen gemacht! Frustriert fahren wir wieder hinunter in den Ort, da entdeckt Kathrin plötzlich ein Büro des NWR neben der Straße. Auf einem Schild steht „Open“, also versuchen wir unser Glück – ist aber abgeschlossen. Ein weiteres Schild sagt, in diesem Fall solle man die nebenstehende Telefonnummer kontaktieren. Das tue ich und kann deutlich hören, wie es drinnen im Büro klingelt – was für eine Logik steckt denn da dahinter? Okay, was also nun tun? Der nächste Campingplatz ist über eine 22 km lange Piste, die sich nicht in bestem Zustand befindet, zu erreichen. Wir wollen uns aber hier und in der nächsten Umgebung umsehen! Also zuckeln wir durchs Städtchen und schauen uns nach Schildern von Gasthäusern um – vielleicht steht ja auf irgendeinem der durchaus zahlreichen Schilder etwas von Camping? Kathrin sieht plötzlich ein Werbeschild über einem Laden. Dort gibt es Bootszubehör, Outdoorsachen und dann steht da eben auch Camping. Also rein in den Laden und fragen. Der Ladeninhaber klärt mich schnell auf, dass hier Campingzubehör gemeint ist, aber ein einheimischer Kunde fragt nach unseren Problemen. Er lächelt kurz, nimmt sein Handy und meint nur, er würde mal schnell „Marie“ anrufen. Die führt ein Backpackerhotel (luderitzbackpackers@hotmail.com) und hat im Hinterhof Platz für Camper. Unser rettender Engel kommt dann auch gleich mit raus zum Auto und beschreibt uns den Weg dorthin. Keine fünf Minuten später stehen wir vor dem Haus und Hannes, der Mann von Marie, empfängt uns so herzlich, als würden wir uns schon ewig kennen. Wir bekommen einen absolut ebenen, gepflasterten Stellplatz, dazu Strom und Schlüssel für die Gate und die Hintertür zum Hotel. Wir können bleiben, solange wir wollen und so beschließen wir auch gleich, zwei Tage bzw. Nächte bei diesen superfreundlichen Menschen zu buchen.

Nachdem wir uns eingerichtet haben, gehen wir auf Stadterkundung. An der „Waterfront“ finden wir gleich ein ansprechendes Restaurant mit dem schönen Namen „Essenzeit“ und reservieren für abends – die nette und fröhliche Bedienung empfiehlt uns Tisch 3, direkt an der Glastür zur Veranda mit frischer Luft und einem tollen Ausblick auf Meer und Hafen. Auch das eine echte Empfehlung, denn der Seehecht, gebacken in Gin-Wodka-Teig ist einsame Spitze!

Am nächsten Morgen fahren wir wieder die 10 km raus nach Kolmanskop und genießen dort eine einstündige, echt temperamentvolle deutsche Führung durch eine Lüderitzerin in sechster Generation, an deren Deutsch man schön sehen kann, wie sich eine Sprache nach so langer Zeit verändert. Auch wenn die Geschichte der Diamantenstadt mit gerade mal 130 Jahren ziemlich kurz ist – interessant ist es allemal und hinterher hat man bis 13 Uhr Zeit, sich alles weiter in Ruhe anzusehen. Die Storys in den Reiseführern, man würde schwer bewacht werden und schon Misstrauen erwecken, wenn man den Boden absucht, sind völliger Blödsinn, denn selbst im angrenzenden Sperrgebiet, wo mit schweren Maschinen gearbeitet wird, sind maximal noch Industriediamanten zu finden. Schließlich hat es seinen Grund, dass Kolmanskop heute eine Geisterstadt ist!

Am nächsten Tag geht es auf gleicher Strecke bis 30 km vor Keetmanshoop zurück. Wie auch in vielen anderen Gegenden der Welt sind auch hier vor langer Zeit Pferde ausgebüxt oder von ihren Besitzern im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt worden, denn diese Tiere sind nun inzwischen verwildert und haben es irgendwie geschafft, in der rauen Namib zu überleben. Nun stehen sie als „Wild Horses of the Namib“ unter Naturschutz und können auf einer parallel zur B 4 verlaufenden Piste an einem Wasserloch (so man Glück hat) beobachtet werden. Wir lassen das aus, denn solche Pferdenarren sind wir nun auch nicht, allerdings halten sich Tiere auch nicht unbedingt an Naturparkgrenzen und -regeln. Da es ja vor ein paar Wochen hier gut geregnet hat und es in der Wüste grünt und blüht, können wir unsere Naturbeobachtungen ganz bequem direkt an einem Rastplatz machen – Fotos eingeschlossen. Außerdem sehen wir noch eine Gruppe Strauße und eine Elandantilope. Inzwischen sind wir so „abgeklärt“, dass wir dafür nicht einmal mehr extra anhalten!

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Nach einem „Pinkel- und Luftdruckabsenkstopp“ geht es nun auf der ausgezeichneten (!) Piste C 12 fünfzig Kilometer nach Süden, am Nautidamm mit seinen großzügigen Wein- und Obstplantagen vorbei zu unserem heutigen Ziel, dem mitten in der Wüste gelegenen „Canyon Farm Yard“ (rozellebaard@gmail.com), der bereits bei Google Maps und I-Overlander für seinen fantastischen Apfelstrudel gelobt wird. Außerdem gibt es hier Campsites mit atemberaubendem Ausblick auf Wüste und die angrenzenden Berge. Das gesamte Gelände wie auch die Sanitäranlagen (jeder Stellplatz hat eine Dusche, deren warmes Wasser mit einem selbst konstruierten Holzofen erzeugt wird, und ein Klo in alten, umfunktionierten Wellblechfässern) sind absolut liebevoll und kreativ gestaltet. Man findet eine Menge schrottreifer Oldtimer und landwirtschaftlicher Geräte, alles zusammengetragen von zwei sehr, sehr netten Menschen, die sich hier ein eigenes, kleines Reich geschaffen haben.

Zuerst probieren wir also den viel gelobten warmen Apfelstrudel, der in Wirklichkeit Apfelstreuselkuchen ist. Das weiß die gute Bäckerin, es ist ihr aber total egal. Recht hat sie, denn der Kuchen ist superlecker, da ist der Name doch völlig schnuppe. Der Ehemann führt uns anschließend stolz durch das Gelände und fährt dann mit uns raus (das Gelände ist wirklich groß!) zu unserem Stellplatz. Der Ofen für die warme Dusche bollert, wir sind erst die zweiten Gäste dieser weit draußen liegenden „Nr. 1“, gerade erst fertig geworden.

Kleine Anekdote vom Chef: In der Nacht, nachdem die ersten Gäste den Stellplatz bezogen hatten, wacht er auf und ihm fällt ein, dass das Klo noch keine Verriegelung hat und sich ohne immer die Tür öffnet. Am nächsten Morgen entschuldigt er sich umgehend und besonders der weibliche Teil des Gästepaares erklärt, das wäre toll gewesen – auf dem Klo zu sitzen und die wahnsinnige Aussicht zu genießen! Bei einem nachmittäglichen, kleinen Rundgang fallen uns ziemlich große Tatzenabdrücke auf, zwischen ihnen eine feine Schleifspur. Gibt es hier etwa Großkatzen und deuten die Schleifspuren vielleicht darauf hin, dass Beute gemacht wurde?

Als wir nachfragen, kommt die Erklärung: Ameisenbären, und zwar jede Menge! Man wäre froh, sie loszuwerden, denn „Anteaters“, so der englische Name, buddeln logischerweise überall nach Ameisen und legen so auch u.a. Leitungen frei und untergraben Zäune. Wir geben uns viel Mühe, aber leider sehen wir weder abends noch nachts irgendetwas – die Spuren zeugen wohl davon, dass hier bereits alles sondiert wurde. Wir werfen abends den Braai an und genießen dieses traumhafte Plätzchen in vollen Zügen.

Morgens fahren wir mit dem Wagen zum Bezahlen nach vorn, kaufen sehr leckeren Biltong (Trockenfleisch, das erst nach dem Kauf geschreddert wird) vom selbst erlegten Kudu und werden, wieder sehr liebevoll, vom Chef verabschiedet, indem er Kathrin noch eine Bougainvilleablüte schenkt und uns Beide an sich drückt. Er war es auch, der uns den folgenden Streckenabschnitt empfiehlt, da landschaftlich sehr viel eindrucksvoller und gut befahrbar. Zuerst geht es auf der C 12 weiter nach Süden, dann biegen wir auf die ebenfalls gute Piste C 37 ab. Nach einem Tankstopp am „Canyon Road House“ (hier sind tatsächlich einmal wieder Tankstellen knapp!) erreichen wir schließlich in Hobas die Parkgate. Nach weiteren 10 km nun nur noch mäßig guter Piste erreichen wir die Aussichtsplattform am Fish River Canyon, dem zweitgrößten Canyon der Welt. Uns „Zeitamerikanern“ fällt einerseits natürlich die Ähnlichkeit zum Grand Canyon schnell auf, andererseits – die Farben, die Weite, der im Vergleich kaum vorhandene Massentourismus, denn außer der Plattform mit ein paar Picknickbänken und wenigen Infotafeln gibt es hier nichts, nicht einmal Toiletten, wie mich die Rangerin beim Bezahlen informierte. Schon „wow“, sehr, sehr beeindruckend! Wir laufen bis zum südlichsten Aussichtspunkt und Kathrin fotografiert und filmt sich die Finger wund.

Nach 1 ½ Stunden geht es zurück zur C 37 und an Ais Ais (einem Thermalbad) vorbei  nach Süden zur D 207. Da die gerade frisch geglättet wurde, gibt es auch hier nichts zu meckern und so sind wir schnell in Aussenkehr und damit am Oranje, dem zweitgrößten Fluss des Südlichen Afrika, der hier auch die Grenze zu Südafrika bildet. Nun geht es auf der C 13 auch wieder auf Asphalt weiter durch riesige Wein- und Obstplantagen und nach 250 km Wüstenpiste tränen uns fast die Augen bei dem knalligen Grün, das uns nun umgibt. Was war das heute für eine Fahrt – vom Weiß der Wüste über beige-gelb-braun-schwarze Gesteine der Berge bis nun zur knalligen Flora am Oranje! Landschaft pur und nachdem wir den Canyon verlassen hatten, kaum noch eine Seele außer uns, grandios!

Nun geht es noch einmal 45 km weiter bis kurz vor Nordoever zum „Felix Unite Provenance Camp“, wo wir kurz vor 15 Uhr vor dem verschlossenen Gate stehen. Eindrucksvoll, sieht sehr luxuriös aus – ist aber eben auch die letzte Möglichkeit einer Übernachtung vor dem Grenzübertritt nach Südafrika. Kein Wachposten wie sonst, nur die Bitte, den Meldeknopf zu drücken. Das tue ich denn auch ausführlich ohne Erfolg. Als ich die kaum lesbare Telefonnummer anrufe, hebt zwar niemand ab, aber plötzlich öffnet sich das Gate und wir können passieren. An der Rezeption muss ich noch einmal zehn Minuten warten, dann wird der Grund der Verzögerung sichtbar: Sichtlich müde und genervt erscheint die Rezeptionistin, die ich wohl aus der Siesta gerissen habe, und „brummelt“ mich durch die Anmeldeprozedur. Das mit dem Eindruck von Luxus relativiert sich schnell. Zwar ist der Stellplatz mit knapp 40 € der bisher teuerste der ganzen Tour, dafür aber auch mit der unfreundlichsten Rezeption und den ungepflegtesten Waschräumen. Dafür ist die Aussicht auf den Oranje vom mit gepflegtem Rasen umgebenem Stellplatz umwerfend. Noch besser ist sie mit einem Windhoekbier in der Hand von den Liegen am Swimmingpool aus und nach der preiswerten und guten Pizza im Platzrestaurant sind wir wieder mit der Welt versöhnt – außer einer Anglergesellschaft sind wir übrigens wieder fast allein im Resort.

Nun geht es ein letztes Mal auf dieser Tour über die Grenze und hinein nach Südafrika. Knapp 30 Minuten dauert das dieses Mal und danach fahren wir durch bis Springbok. Rund 10 km hinter dem Ort biegen wir ab zur Goegap Nature Reserve, wieder einem traumhaften Fleckchen Landschaft! Nachdem wir insgesamt 93 Rand, also rund 4,50 € (!) für den Eintritt und die Übernachtung gezahlt haben (allerdings inklusive 40 % Seniorenrabatt), suchen wir uns, da wir die Ersten sind, ein windgeschütztes Plätzchen und staunen wieder einmal: Auf einem 3 km Spaziergang bewundern wir das Blüten- und Blumenmeer mitten in der Wüste, ein betäubender Duft liegt in der Luft.

Nur drei Wochen im Jahr dauert dieses kleine Wunder und wir sind zufällig genau jetzt dabei und dürfen es genießen – und das auch noch ausgerechnet an Kathrins Geburtstag, deshalb gibt es auch nach der Rückkehr einen leckeren „Kuchen im Becher“. Abends stoßen wir noch mit einem leckeren Pinotage an und nachts hören wir wie schon so oft auf dieser Tour „komische Laute“ irgendwelcher Tierchen, wahrscheinlich Zikaden – die aber einen Sound drauf haben, als wären sie digitalisiert.

Morgens fahren wir dann noch die vom Parkranger dringend empfohlene „Touristic Route“, eine 13 km lange einspurige Sandpiste, die noch einmal durch die unterschiedlichen Landschaftsformen des Parks führt. Dann geht es auf der ziemlich eintönigen N 7 immer gen Süden. In Höhe von Bitterfonatain fängt Kathrins Handy an „dauerzubrummen“: Wir haben Internetempfang, und das mitten auf der Straße und in 4 G!! Das hatten wir, seitdem wir unterwegs sind, noch nicht. Nun kommen alle Geburtstagswünsche etc. auf einmal. Was gab es sonst noch? Fünf Strauße und ein Waran, der in höllischem Tempo vor uns über die Straße wetzt, das war’s aber auch schon. Wir machen auf dem ziemlich abgewrackten Community-Campingplatz am Stausee in Clanwilliam Station. Die Aussicht auf den See ist allerdings fantastisch, und obwohl sie nicht so aussehen, haben die Waschräume Heißwasser.

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Da wir wieder einmal die einzigen Gäste sind, haben wir einen Schlüssel dafür bekommen – wie sich am nächsten Morgen herausstellt, scheinbar den einzigen, denn wir werden von einem Mann aus dem Bett getrieben, der eine Säge in der Hand hält und nach dem Schlüssel verlangt. Da kennt der Gute aber meine Frau nicht: Ihm wird aufgeschlossen, aber den Schlüssel behält sie, denn uns wurde ja gesagt, wir sollten den Schlüssel bei Abfahrt im Büro abgeben. Erst als der Securitymann persönlich auftaucht und erklärt, alles hätte seine Richtigkeit, wird ausgehändigt. Das Frühstück wird vom Geräusch des Graders begleitet, der nun nach dem Winter genau heute beginnt, die Wege einzuebnen. Die weitere Streckenplanung wird durch nicht vorhandenen Strom und somit nicht vorhandenem Internet behindert, denn wir sind wieder in Südafrika, es gibt regelmäßige Brownouts, hier „load shedding“ genannt – der Versuch, die ungenügende Stromproduktion mit dem vorhandenen Strombedarf in Einklang zu bringen.

Nach einem ausführlichen Einkauf geht es auf der R 364 über Graafwater nach Lamberts Bay und weiter über die R 365 und R 366 nach Elandsbay und hier zum Elandsbay Hotel, das auch noch fünf Campsites anbietet. Der vorgelagerte Campingplatz ist nämlich nur über „EFT“, ein inländisches, elektronisches Bezahlsystem zu buchen, das uns Touristen nicht zur Verfügung steht. Da heute mein Geburtstag ist, gibt es – ihr werdet es kaum glauben! – echte Rumkugeln (Rhum Balls) und da wir an Kathrins Geburtstag ja nicht essen waren, holen wir das heute im Hotel mit Seehecht und Kebab nach.

Das Klima ist jetzt hier an der Atlantikküste eher nordisch frisch, so zwischen 15° und 17°, mal Seenebel, mal Sonne, außerdem frischer Wind und ab und zu ein Schauer. Die Brandung ist jedenfalls überall sehr eindrucksvoll, auch an unserem letzten Übernachtungsort vor Kapstadt, in einem Resort bei Ganzekraal.

Hier habe dann ich eine „tierische Begegnung“: Als ich morgens ins dortige, direkt am Strand liegende Waschhaus will, wundere ich mich über den „kleinen Sack“, der dort im Windfang vor der Tür liegt. Als ich schon fast an der Tür bin, schreckt „der Sack“ hoch, quäckt mich laut an und läuft an mir vorbei an den Strand – ich habe einen kleinen Seebären geweckt! Der ist wohl nun noch ziemlich verpennt, jedenfalls kuschelt er sich an eine Mülltonne und guckt missmutig in die Gegend.

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Als wir später einen Mitarbeiter darauf aufmerksam machen, schließlich wissen wir nicht, ob der kleine Kerl schon ohne Mama klar kommt, lacht der und meint, sie kämen sogar sehr gut klar und wenn man sie nicht immer wieder vergrämen würde, dann wäre eine schnelle Platzübernahme die Folge und Seebären sind nun mal keine Kuscheltiere.

Der Übernachtungsort für die nächsten drei Tage liegt in Simons Town südlich von Kapstadt. Wir kommen ohne Stau um „die schönste Stadt Afrikas“, für uns „Großstadtmoloch“, herum und kämpfen uns die letzten 40 km an der Küste entlang mit maximal 30 km/h von Badeort zu Badeort. Vom Froggy Pond Resort

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sind es lediglich ein paar Minuten zu Fuß zum berühmten Boulders Beach und den dort lebenden Pinguinen. Doch zuerst fahren wir am nächsten Morgen bei schönstem Wetter in den Table Mountain Nationalpark und dort natürlich zuerst zum Kap der Guten Hoffnung. Auf dem Parkplatz stehen „nur“ drei Reisebusse, vier oder fünf Minibusse, aber so gut wie keine Individualtouristenfahrzeuge. Mit viel Geduld schaffen wir es zum Schluss doch noch, das berühmte Schild ohne „Ich-war-hier-Touristen“ zu fotografieren.

Danach fahren wir noch ein paar Aussichtspunkte an, sind aber nach gut zwei Stunden wieder in Simons Town. Also auf zu den Pinguinen. Nach Zahlung von recht deftigen 350 Rand geht es über Holzstege an den Strand, wo man, durch Geländer getrennt, die sonnenbadenden Tierchen beobachten kann.

Es sind übrigens nicht sehr viele und wir schnappen nebenbei von einem erzählenden Ranger auf, dass es hier wohl ohne Fütterung gar keine Pinguine mehr geben würde. Nahrungsmangel, Klimawandel, zunehmende Besiedlung (der Strand liegt mitten im Wohngebiet!), das alles sei nicht gerade günstig für den Bestand. Ein weiterer Weg, fast touristenfrei, führt durch den dahinter liegenden Wald. Dort kann man die weiteren Bemühungen der Nationalparkverwaltung sehen: Hier muss sich kein Pinguin seine Bruthöhle selbst bauen, hier werden Fertigbauten bereitgestellt!

Auf dem Rückweg schauen wir kurz wegen akutem Restaurantmangel beim Clubhaus des hiesigen Golfclubs vorbei, denn dort steht „Visitors Welcome“ und wir können tatsächlich abends im Restaurant reservieren. Das wird dann nicht nur das günstigste (wir zahlen inklusive Trinkgeld gerade einmal 14 €!), sondern auch das bisher originellste Dinner der Tour, denn heute ist Freitag, alle sind in Wochenend- und Feierlaune und hier ist auch nichts edel – die Schnaps- und Bierrunden erfolgen im „Minutentakt“, ständig werden neu Ankommende lautstark begrüßt, die Stühle reichen nicht…gut, dass wir reserviert haben! Jedenfalls bekommen wir so einen kleinen Einblick in den Alltag südafrikanischer Golfer.