Das Abenteuer beginnt nun wirklich! Nachdem wir morgens um 3.30 Uhr aufgestanden, nach Hamburg gefahren, unseren Wagen beim Valet-Parking abgegeben und bei Condor eingecheckt (!) sind, geht es zügig nach Frankfurt. Hier wird es für uns etwas unbequem, denn unser Gepäck wird nicht durchgecheckt! Also ab zum Gepäckband – außer uns warten hier noch zwei weitere Gestalten: Eine Frau möchte eine Freundin in Rüdesheim besuchen und ein Mann mit unbekanntem Ziel. Da merkt man schon, dass Condor ein Pauschalflieger ist, denn voll war der Flieger schon. Wir wuchten unser doch umfangreicheres „Stückgut“ auf einen Gepäckwagen und versuchen nun damit Terminal 2, Halle H, zu erreichen. Das ist, gelinde gesagt, sehr suboptimal gelöst, denn es geht da rauf und da wieder runter. Auf die Rolltreppen kommt man natürlich nicht und die Lifte sind klein und nur mickrig ausgeschildert. Des Öfteren treffen wir andere verzweifelte Gepäckwagenfahrer und da immer nur ein Wagen in den Lift passt, gibt es lange Wartezeiten. An der Bahnstation ist dann sowieso Schluss, von nun an wird geschleppt.
Das Boarding dauert etwas länger, denn der Flieger ist gut gefüllt, aber 40 Minuten nach Abflugzeit sind wir in der Luft. Um 5 Uhr erreichen wir Ulaanbaatar (in der Mongolei sagt man nur „UB“) und überraschenderweise holt uns Itgel, unser Ansprechpartner bei Avis, persönlich ab – zur Erklärung: Wir haben den Flughafentransfer bei Avis gebucht! Google Maps Offline Karten, Telefon E-Sim Karten und Garmin funktionieren sofort und problemlos, also sind wir mutig, schließlich haben wir mit Itgel kompetente mongolische Hilfe. Wir stürzen uns auf eine ATM, um auch gleich Bargeld in der Hand zu halten. Kurzes Resultat der Aktion: 500.000 Tögrög (ungefähr 125 €) eingeben, man hört die Scheine rattern, die Kreditkarte kommt raus, aber das Geld bleibt drin. Ein Blick auf unsere S-ID-Check App (die wir zum Glück haben!) zeigt, dass das Geld bereits abgebucht ist. Itgel wird nervös, schließlich möchte er zufriedene Kunden. Also ruft er die Hotline an und die antwortet kühl, die Rückbuchung müssten wir schon über unsere Bank in Deutschland machen. Also rufen wir dort an (in D ist es gerade 5 Minuten vor Mitternacht!) und erwischen einen gut gelaunten Mitarbeiter, der eben genau um Mitternacht Feierabend hat. Humorvoll und witzig erledigt er in 2 Minuten (keine Überstunden bitte!) die Stornierung. Nun sind wir vorsichtig, denn da stehen noch zwei weitere Maschinen. Sollen wir es wagen? Itgel meint, so etwas wie eben sei noch nie passiert, also ran an Maschine 2. Die mag uns nicht und will nichts mit uns zu tun haben, aber Maschine 3 ist dann so nett und spuckt wenigstens 400.000 Tögrög aus. Itgel spendiert auf den Schreck jedem eine Flasche Wasser und schließlich fahren wir los. Eine Stunde später verabschiedet sich Itgel, nachdem er uns an unserem „UB Guesthouse and Tours“ abgesetzt hat.

Zwei wichtige Tipps hat er gleich noch für uns: Maps.me für die Offline-Navigation und Unitel für die E-Simkarte!

Unser Zimmer wird erst um 10 Uhr frei, also schauen wir bei Google Maps nach einer Bäckerei und finden die nur ein paar Schritte entfernt. Es gibt süße Teilchen und extrem heißen Americano, dabei versuche ich, die bereits in Deutschland heruntergeladene App (was bin ich doch für ein Fuchs!) UBCab zu aktivieren. Damit kann man ähnlich wie Uber Taxis zu sich ordern und mit vorher geladenem Geld bezahlen – und genau das ist das Problem: Die App akzeptiert unsere Kreditkarte nicht und behauptet immer wieder, es würde ein Fehler bei der Eingabe vorliegen. Also ändern wir bereits wenige Stunden nach Ankunft unseren Plan, mit dem Taxi zur Einwanderungsbehörde (Immigration) zu fahren, um so schnell wie möglich unsere Aufenthaltsverlängerung zu beantragen. Die 30 visafreien Tage reichen uns nicht für dieses Riesenland, wir wollen noch 14 Tage länger bleiben. Da die Immigration auf der anderen Seite der Stadt im Westen liegt, werden wir das später mit eigenem Auto erledigen.
Endlich ist es 10 Uhr und wir können nach fast 24 Stunden ins Bett. Kurz vorm Wegdämmern richte ich auf Kathrins Handy noch schnell maps.me ein, dann fallen wir Beide bis 16 Uhr ins Koma. Wieder wach, fällt uns dann beim Suchen nach Restaurants in der Nähe schon auf, dass sich Airolo, der Betreiber unserer E-Simkarten, wohl für die Mongolei den falschen Telekommunikationspartner gewählt hat, denn Skytel ist selbst hier in UB sehr schwach vertreten, also werden wir morgen wie von Itgel empfohlen zu Unitel wechseln. Heute geht es erst einmal zum Restaurant „Veranda“, 15 Minuten zu Fuß entfernt und direkt neben dem Tschoidschin-Lama-Tempel-Museum, dem wir morgen einen Besuch abstatten wollen. Überhaupt liegt, sofern man eine Übernachtungsgelegenheit im Zentrum gefunden hat, alles Wichtige in fußläufiger Entfernung. Heute gibt es jedenfalls Lammspieße und Steak, dazu (wie könnte es anders sein!) Chinggis-Khan-Bier!
Heute werden wir aktiv: Zuerst geht es zu Unitel und eine halbe Stunde später haben wir jeder 21 Gbyte auf dem Handy und Internet mit 5G anstelle H+ und das alles für insgesamt 15 €. Weiter geht es zum Bayangol Hotel – ihr erinnert euch? Das Hotel, für das ich online 100 € angezahlt, aber trotzdem keine Reservierung erhalten habe. Managerin und Accountant sind willig, man findet tatsächlich unsere Anzahlung, entschuldigt sich und veranlasst die Rückbuchung – geht doch! Inzwischen ist es bereits 11 Uhr und wir haben Frühstückshunger. Das aber gestaltet sich schwierig, denn eine Frühstückskultur, wie wir sie kennen, gibt es hier nicht. Die meisten Restaurants und Garküchen sind noch geschlossen, also suchen wir einen Foodcourt in einer Mall. Den finden wir nach einigen Fehlversuchen im Shangrila, wo sich auch die Übergabestation von Avis befindet. Zuerst zischen wir vier Flaschen Wasser weg (es ist heiß und trocken!), dann gibt es gebratene Nudeln mit Hähnchen für Kathrin, spicy mit Rind und Paprika für mich. Dann wollen wir die Übergabe-Station von Avis finden und das erinnert an Geo-Caching: Google Maps zeigt den genauen Ort, aber egal, auf welcher Etage wir suchen, da ist nichts! Letztendlich finden wir in der Tiefgarage (Ebene B1) zwei Parkbuchten neben einem unterirdischen Supermarkt, die mit Avis markiert sind und das ist es denn auch.
Damit geben wir uns zufrieden und besuchen anschließend den Tempel.

Mit Religion konnten wir ja noch nie viel anfangen, künstlerisch wird schon viel geboten, aber die Bilder und Zeichnungen sind extrem grausam und sollten die Menschen wohl damals ordentlich einschüchtern: Abgerissene Arme und Beine, Blut überall…Kathrin bringt es auf den Punkt: So etwas konnten die Menschen schon immer gut darstellen! Wir sind schon wieder erschöpft – UB liegt auf 1400 m Höhe, das merkt man als älterer Mensch doch auch schon. Auf dem Rückweg kaufen wir noch genug zu trinken und im Guesthouse gibt es noch den von nun an täglichen Magnesium-Mineralien-Drink, den wir uns wegen des hiesigen Klimas täglich gönnen.
Heute ist Sightseeing angesagt. Wir entdecken ein paar Meter neben unserer Unterkunft eine Sauerteig-Bäckerei und lassen es uns beim Frühstück draußen gut gehen: Kathrin genießt einen Sandwichtoast mit Chili con Carne und ich gönne mir ein Englisches Frühstück. Ordentlich gestärkt geht es zuerst zum zentralen Sukhbaatar-Platz. Vor dem Parlament thront Chinggis Khan, der den Riesenplatz überwacht. In der Mitte steht ein Reiterdenkmal von Sukhbaatar und im hinteren Teil sind eine Menge Zelte, Gers (Jurten) und eine gewaltige Bühne aufgebaut, denn hier ist gerade Biennale.


Uns zieht es weiter zum auf der anderen Seite des Platzes gelegenen Nationalmuseum. Nach zwei Stunden Geschichte sind wir wieder einmal platt. Auf dem Nachhauseweg versuchen wir, weitere Törög einzusammeln. Achtung, Tipp: Alle Geldautomaten, deren Bildschirmschrift aussieht wie bei Windows 95, akzeptieren keine ausländischen Kreditkarten. Sucht einen, der schon Fingerprintkennung hat – der ist modern genug, dort gibt’s Kohle. Für diese Erkenntnis haben wir einiges an Zeit und Lauferei investiert, profitiert bitte davon. Abends essen wir in einer reinen Wohngegend hinter dem Guesthouse sehr lecker im Mongolian Grill. Laut aller Infos in Deutschland gibt es in der ganzen Mongolei kein Mongolian BBQ – diese Info ist falsch! Ihr wisst nicht, was das ist? Man stellt sich an einem Buffet seine Bowl nach eigenem Gusto zusammen. Das wird dann vom Personal auf den heißen Grill geworfen, gewürzt und serviert. Wir essen reichlich und lecker, dazu wählen wir uns noch Huschuur (leckere Teigfladen) und zwei große Biere vom Fass. Das kostet dann 13 €!
Heute gibt es „Sightseeing weiter weg“ aber zuerst frühstücken wir wieder in der Sauerteig-Bäckerei. Dann muss der Eisenbahn-Freak natürlich zum Eisenbahnmuseum. Das ist zwar seit Corona geschlossen, aber draußen steht eine schöne Auswahl alter Dampf- und Diesellokomotiven und die muss ich sehen.

Weiter geht es über die Peace Bridge

zu einem besonderen Denkmal – einer großen Skulptur zu Ehren der alten Kamel-Karawanen wurde hier ein Reiter samt Hütehund und zehn Kamelen mitten auf eine große Kreuzung gestellt.

Ein paar hundert Meter dahinter befindet sich der Winterpalast des letzten Khans, den müssen wir uns natürlich auch ansehen.




Als platzsparendes Souvenir kaufen wir dort im Kunst-Laden noch ein kleines Gemälde in DIN-A4 Größe, dann geht es zurück zum Guesthouse, denn die Chefin hatte uns versprochen, uns mit weiteren Reisetipps zu versorgen, was sie dann auch ausführlich tut. Dann zahlen wir für die vier Tage gerade einmal 120 $. Morgen sollen wir recht früh unseren Toyota Hilux Champ übernehmen, da ist die Chefin vielleicht noch nicht da. Den Tag beschließen wir im „MB Beer plus“, einer Micro-Brewery mit großen Kupferkesseln und garantierter deutscher Beteiligung, denn es wird auf deutsch mit dem „Reinheitsgebot“ geworben. Im Biergarten trinken wir sehr gutes Weizenbier und essen zwei gewaltige Portionen Khuushuur (frittierte und mit Fleisch gefüllte, große Teigtaschen).