Schubladen statt Apothekerauszug


Unser EX 366 hat serienmäßig einen Apothekerauszug. Der hat die ersten zwei Jahre auch zur vollen Zufriedenheit seinen Dienst getan. Dann kamen die ersten richtigen Fernreisen und langsam merkten wir, dass ein Apothekerauszug zwar sehr komfortabel und übersichtlich, aber auch empfindlich ist. Wir belasten das Teil auf einer halbjährigen Tour allein gewichtsmäßig doch schon übermäßig und die Körbe sind, das liegt nun einmal in der Natur eines Apothekerauszugs, nur einseitig eingehängt. Das ergibt auf unebenen Pisten ein enormes Schwingungspotential und wir bemerkten, dass sich die geschweißten Befestigungshaken, an denen die drei Körbe hängen, doch langsam aber sicher zu biegen begannen. Was tun? Kathrin kam auf die überzeugende Idee, auf der Schrankgegenseite Schienen zu montieren, auf denen die Körbe aufliegen. Das brachte schon einmal ordentlich etwas, auch wenn der Auszug nun nicht mehr so leichtgängig war wie zuvor. Wieder hatten wir für einige Touren Ruhe, bis wir bemerkten, dass sich die Haken weiter bogen, also immer noch zumindest zeitweise überlastet waren. Die nächste Aktion bestand darin, den Auszug auszubauen und die Anzahl der Haken zu erhöhen – also ordentlich bohren und neue Haken mit Edelstahlschrauben installieren. Erneut waren wir zufrieden, doch vor einem halben Jahr stellte sich heraus, dass nun langsam die Gesamtkonstruktion nicht mehr „rund lief“. Die Bedienung wurde immer schwieriger – mal war es kaum möglich, die Körbe heraus- oder einzuschieben, dann bekam man die Tür nicht mehr zu oder nach ein oder zwei „Hopsern“ im Gelände hakte ein Korb einfach aus. Exe war zwar nun auch 8 ½ Jahre alt, aber wir wollen sie doch noch laaaange Zeit weiter fahren! Was nun?


Die Verkaufsanzeige eines anderen EX 366 mit vielen Fotos zeigte uns die Lösung: Dort waren anstelle der Körbe Schubladen eingebaut, die Originaltür vor dem früheren Apothekerauszug diente weiterhin der Verriegelung und als Sichtschutz. So etwas wollten wir auch! Pfusch wollten wir aber nicht, also fragte ich bei Bimobil an, ob man dort passende Schubladen inklusive der nötigen Auszüge anfertigen und zusenden könnte. Nach ein paar Tagen erhielt ich die Auskunft, dass so ein Umbau „wahrscheinlich“ funktionieren würde, bei der Zusendung war man sich aber nicht sicher. Sie bräuchten für die Prüfung die genauen Maße der geplanten Schubladen und natürlich wäre es ihnen am liebsten, den Umbau im Werk vorzunehmen. Die Anfertigung allein würde wahrscheinlich wegen der Werkstattauslastung Monate dauern, einen Termin für eine eventuelle Montage konnte man noch gar nicht nennen. Aus Berichten anderer Bimobiler wissen wir, dass man, wenn es einen Termin für kleinere Arbeiten gibt, zusätzlich eventuell noch Übernachtungen einplanen muss…. Ganz schön kompliziert und langwierig (über Geld haben wir noch gar nicht gesprochen!) für ein paar Schubladen!

Das ist das Ziel der Arbeit!


Also doch lieber „Pfusch“ – ich meine „Selbermachen“? Kriegt man das vielleicht auch so hin, dass es einigermaßen gut aussieht? Wie so oft schaut man dann doch am besten ins Internet und sucht z.B. nach Schubladentutorials. Da findet man so einiges, allerdings schwindet auch leicht der Mut, wenn es denn ordentlich sein soll, ganz zu schweigen von zusätzlichem Werkzeug, das eventuell noch zuzukaufen wäre. Es geht aber auch anders: Als plötzlich bei der ganzen Recherche die Adresse einer Firma auftaucht, bei der man Schubladen nach Maß bestellen kann und der Witz ist: Die abgebildeten Schubladen sehen exakt so aus wie unsere Besteckschublade, die sich genau über unserem Apothekerauszug befindet, auch die Mechanik ist dieselbe. Uns kommt so ein leiser Verdacht: Sollte Bimobil vielleicht auch dort oder einer ähnlich arbeitenden Firma ihre Schubladen ordern? Wir sind jedenfalls überrascht, als wir nach der Konfiguration den Preis sehen: 35 Euro pro Lade, hinzu kommt natürlich noch die Mechanik, aber das alles sieht doch recht günstig aus und auch die Montage scheint nicht zu schwierig zu sein. Etwas Zeit braucht man allerdings auch hier für die Lieferung, doch stellt sich heraus, dass die angegebenen sechs Wochen dann doch locker um zwei Wochen unterschritten werden, so dass wir von unserer Spätsommertour noch gar nicht wieder zurück sind, als die Schubladen plötzlich im Carport stehen – zum Glück gibt es Freunde, die das Paket in Sicherheit bringen.
Wieder zurück brauchen wir dann noch ein wenig Bedenkzeit, bis wir uns an die Montage trauen.

Zuerst ist es noch ganz einfach: Raus mit dem Apothekerauszug, stapeln der Drahtkörbe im Auto, damit zwischendurch immer wieder nachgemessen werden kann, ob in den neuen Schubladen auch noch alles Platz hat. Wie schon erwähnt werden die neuen Schubladen genau unter der Besteckschublade montiert und somit können wir „abgucken“. Auf der linken Seite unterfüttern wir die Schubladenschienen exakt so wie von Bimobil ausgeführt, die Abstände zwischen den Schubladen übernehmen wir von den Drahtkörben des Apothekerauszugs. Damit das Ganze auch pisten- und geländetauglich wird, verwenden wir pro Auszugseite 15 Schrauben (in Worten „fünfzehn“!), also insgesamt 90 Schrauben für die drei Schubladen! Schwierig bei der Montage ist lediglich der relativ geringe Platz für Akkubohrer und die schraubende Person, also mich. Es gibt viel zu ächzen und stöhnen bei den Verrenkungen, die so von mir erwartet werden. Schließlich sind alle Schubladen wirklich extrem stabil eingebaut – es wackelt und „klötert“ nix – perfekt! Nun nur noch die Tür schließen und….geht nicht! Wie es der Teufel so will: Das Innenteil des Pushlocks befindet sich exakt in Höhe der mittleren Schublade! Das kommt davon, wenn man beim gesamten Prozedere einfach die Tür offen lässt. Jetzt alles wieder ausbauen und entsprechend versetzen? Dann passen aber auch die Sachen nicht mehr so in die Schubladen wie vorher. Also wird nun doch ein wenig gepfuscht, indem wir einfach ein Stück aus der mittleren Schublade aussägen, so dass nichts mehr im Weg ist – schließlich verdeckt die Tür ja gnädig das Missgeschick!

Nicht schön, aber passt!

Was noch? Da die Seitenwände der Laden etwas niedriger sind, montiert Kathrin noch höhere Plexiglasblenden an der Rückseite, damit nichts hinten rausfällt. Ansonsten passt tatsächlich alles so, wie wir es uns gewünscht haben. Die Schubladen laufen leichtgängig und natürlich auch mit Softclose-Funktion – ja, ja, ein wenig Luxus muss sein, ist ja schließlich ein Bimobil!