Der letzte Tag am Kap verläuft, wie man es hier erwarten sollte: Stürmisch! Die Nachbarn haben bereits gegen Abend ihre Zelte abgebaut, für morgen ist noch mehr Sturm und vor allem ordentlich Regen angekündigt. Also klappen wir unser Dach herunter und verbringen so noch eine erstaunlich ruhige Nacht. Bevor wir morgens Simons Town verlassen, machen wir noch einen gründlichen Einkaufsstopp, denn inzwischen werden die Wetterwarnungen deutlicher: Wind mit 110 km/h und geschätzte 24 Stunden Dauerregen – da hat man doch besser ein wenig Vorrat „im Haus“. Wir wollen heute zwar nicht weit, aber es geht immer an der Küste, manchmal auch Steilküste entlang und da weht es doch ganz ordentlich. Vor allem an den Strandabschnitten wird der Sand richtig dick auf die Straße geweht. Es ist viel Verkehr und alles, was nicht 4X4 hat, bekommt nun Schwierigkeiten.

Teilweise steht der Verkehr und als selbst Navi anfängt zu schwimmen, schalten wir sicherheitshalber den Allradantrieb ein. An einigen Stellen nutzt uns das allerdings nicht viel, denn wenn schon einige PKW quer stehen und die Straße versperren, kann man nur warten. Insgesamt kommen wir noch ganz gut durch, aber wenn man bedenkt, dass das gerade einmal der Anfang des Schlechtwettergebietes ist? Auf der N 2, die ein wenig weiter von der Küste weg verläuft, ist alles entspannt. Bei Strand biegen wir auf die R 44 ab und fahren auf einer fantastischen Küstenstraße (Whale Watching Route) immer zwischen und entlang an Bergen und Wasser. Es gibt viele Aussichtspunkte – leider können wir das bei dem momentanen Wetter nicht so richtig genießen. Schwere Sturmböen und immer wieder Sturzregen machen das Fahren anstrengend und Fotostopps mit Aussteigen erst recht, wenn man denn überhaupt etwas sieht!

Bei schönem Wetter muss das hier einmalig sein. Viel Gegenverkehr (Rückreiseverkehr vom Wochenende) macht es nicht einfacher und so sind wir froh, als wir Navi gegen Mittag kurz hinter Bettys Bay auf den Disakloof Camping lenken können. Es schüttet wie aus Eimern, aber zum Glück stehen wir hier fast komplett vom Wind geschützt in einer kuscheligen Ecke, und das wieder einmal allein. Der Betreiber hat uns noch weiter in eine Ecke gelotst, damit auch bloß nichts passiert. Nach dem wir uns endgültig „installiert“ haben, sind wir zwar ein wenig „durchgefeuchtet“, aber wir haben Internet und Strom, können uns also beschäftigen – Kathrin mit dem Herunterladen der letzten Offroadkarten, ich mit Emails und Blog. Den Unwetterabend verbringen wir mit unserem eigenen Fernsehprogramm: Fotos und Filmchen von der Actioncam.
Die Nacht war erstaunlich ruhig – Dauerregen zwar, aber nur ein paar „Windwackler“. Der Chef hatte Recht: Total windgeschützt, dieses Fleckchen! Allerdings ist der Strom weg – und kommt auch nicht wieder. Wenig später treffe ich den Chef, der gerade von einem Erkundungstrip zurück kommt und mitteilt, dass wir leider eingeschlossen sind. An der tollen Küstenstraße, auf der wir gestern gekommen sind, hat es mindestens drei Erdrutsche gegeben und wenigstens einer davon hat Teile der Straße mitgenommen. Auf der anderen Seite, kurz vor dem Ort Kleinmond, hat es eine Brücke erwischt. Wie lange es dauert, bis wir hier wieder weg können, kann keiner sagen. Da es insgesamt drei Dörfer mit vielen Ferienhäusern und -wohnungen betrifft, nehmen wir einmal an, dass sich die entsprechenden Stellen Mühe geben und sich beeilen werden. Kurz darauf ist auch das Internet weg und da sich das Wetter nur langsam beruhigt, sind wir zum Nichtstun gezwungen, wir Armen! Irgendwann hat Kathrin „einen wunden Hintern“ und beschließt, einen kleinen Spaziergang zu machen. Als sie vorher nochmal aufs Klo geht, steht sie plötzlich in einigen Metern Entfernung einem nicht gerade kleinen Pavianmännchen gegenüber. Da den Affen durch einen schlimmen Waldbrand im Jahr 2019 ein Großteil ihres Lebensraumes genommen wurde, sind sie hier im Küstenstreifen inzwischen zu einer Plage geworden und, da an Menschen gewohnt, auch nicht gerade ungefährlich. Am nächsten Tag sehen wir die Folgen übrigens auch am Einkaufszentrum von Pringels Bay: Hier hat man zum Schutz vor den Pavianen vor die Eingänge noch Gittertüren montiert. Da die Tiere nicht dumm sind, hat man spezielle Schlösser verwendet, die auch den einen oder anderen Kunden geistig herausfordern. Bei uns sind zwar kurz darauf zwei Männer dabei, das Tier zu verscheuchen, aber der jetzt gleichzeitig wieder einsetzende Regen veranlasst meine Frau endgültig, auf den geplanten Spaziergang lieber zu verzichten.
Am nächsten Tag sind wir zwar immer noch eingesperrt, aber der Himmel ist wieder blau, also beginnt „das große Trocknen“. Alle Luken auf, Wäsche in die Sonne und auch wir genießen unseren Kaffee wieder draußen.

Danach machen wir Navi startklar und machen das, weshalb wir überhaupt hierher gefahren sind: Wir besuchen die hiesigen Pinguine, die hier viel touristenfreier leben dürfen als auf der anderen Seite der Bay. Allerdings ist hier alles geschlossen, erst nach einigem Herumgekurve zeigt uns ein Einheimischer, dass es neben dem großen Tor zum Besucherzentrum noch eine Fußgängertür gibt, die offen ist. Also parken wir am Straßenrand und besuchen die Pinguine zu Fuß. Das ist ein wenig mühsamer als in Boulders, denn hier wurden die Holzstege bereits beim letzten Sturm davor schon komplett weggespült und zerstört.
Der nette Einheimische zeigt uns einige Videos, auf denen zu sehen ist, wie komplette Autos von Wanderparkplätzen entlang der Küste weggespült wurden. Sein Kommentar, dem man nichts hinzufügen kann: „The weather changes!“, also: „Das Wetter ändert sich!“ Es gibt zwar weniger Pinguine als im Touristenzentrum Boulders, dafür dürfen sie hier viel ungestörter leben. Anschließend geht es noch nach Pringle Bay, denn hier gibt es im Village-Center einen Minimarkt mit Bottleshop und wer hätte es gedacht: Hier tobt das Leben! Wir „Eingesperrte“ wollen vorsorgen – wer weiß, wie lange das noch dauert. Also kaufen auch wir auf Vorrat ein (Frischfleisch, Würstchen und Aufschnitt sind schon fast weg – klar, wir sind im „Carnivorenland Südafrika!), die Vorratslage im Bottleshop ist hingegen außerordentlich beruhigend – das reicht noch für eine ganze Weile, trotzdem kaufen wir Wein und Bier in etwas größeren Gebinden, wer weiß, wie lange… Später, die Sonne scheint, macht Kathrin noch ein letztes Mal Wäsche, wer weiß, wie lange…
Da auch die Internet-Recherche nichts Neues ergibt, gehen wir davon aus, dass wir noch mindestens einen weiteren Tag hier bleiben werden und geben uns zuerst einer ausgiebigen Körperpflege hin, gefolgt von einem ebensolchen Frühstück und Sonnenbad. Dann schreibe ich das nächste Blogkapitel zu Ende. Kathrin sitzt derweil draußen und liest, als es plötzlich wieder Affenalarm gibt, weil sich derselbe (?) Pavian gerade an unserem Mülleimer zu schaffen macht. Sekundenschnell ist das halbe Camp mit Stöcken dabei und jagt „die Affen durch den Wald“. Gerade in dem Moment, als ich den Blogbeitrag beende, klopft es an der Tür und die Betreiberin verkündet die frohe Botschaft, dass die Brücke wieder für PKW freigegeben wurde – „one by one“. Also packen wir ein und als ich bezahlen will, werde ich vehement abgewiesen – wir hätten schon genug leiden müssen, da kann es unmöglich sein, dass wir dafür auch noch zahlen. Immerhin haben wir hier dreieinhalb sehr schöne Tage bei unglaublich gastfreundlichen Menschen verbracht – von „Leid“ kann man da wirklich nicht sprechen! Als ich versuche, dem Betreiber einfach das Geld in die Hand zu drücken, schaut er mich empört an und meint: „Don’t take away my blessings!“ Er drückt mich nochmal ordentlich, wünscht uns alles Gute und macht sich mit seinem Stock wieder auf zur Pavianvertreibung. Um 13 Uhr verlassen wir das Camp, anschließend stehen wir noch exakt 30 Minuten im Stau vor der Brücke, dann sind wir wieder „in der Freiheit“.
Wir fahren nicht weit – schließlich haben wir ja gar nicht damit gerechnet, überhaupt fahren zu können! In Vermont, einem Vorort von Hermanus, machen wir Halt auf einem der ersten, richtigen Campingplätze – also groß, mit vielen Dauercampern, hier nennt man so etwas „Industrial Campground“.
Am nächsten Morgen lernen wir einen weiteren Schaden, den das Unwetter verursacht hat, kennen – es gibt kein Wasser! Der Regen hat die Hauptwasserleitung zwischen dem Wasserspeicher, einem Staudamm in den Bergen, und der Stadt Hermanus unterspült und zerstört – nun hat die ganze Stadt kein Wasser und genau an diesem Wochenende findet hier das große, jährliche Walfestival statt! Heute jedoch ist Donnerstag, also fahren wir an die „Waterfront“, spazieren auf der wirklich attraktiven Uferpromenade und halten nach Walen Ausschau. Fünfzig Wale sollen sich im Moment hier in der Bucht aufhalten, immerhin drei sehen wir – allerdings in großer Entfernung, viel zu weit weg, um gute Fotos zu schießen.
Danach geht es auf der R 43 weiter nach Osten, gut zwanzig Kilometer durch eine Großbaustelle. Als wir auf die R 317 abbiegen, ändert sich die Landschaft total: Die ersten Zweidrittel sind stark landwirtschaftlich, vor allem durch Rinderzucht, geprägt. Danach folgen ausgeprägte Feucht- und Moorgebiete. Wir sehen Kraniche und Antilopen, die friedlich zusammen mit Schafen grasen. Schließlich biegen wir nach Süden auf die R 319 ab, der einzigen Zufahrt nach Agulhas und zum dortigen Kap, dem wirklich südlichsten Punkt Afrikas – und die ist gesperrt!!! Wieder eine Folge des Unwetters – die Straße ist überflutet! Nun stehen wir hier vor dem „Road closed“ Schild und sind verunsichert, denn uns kommen jede Menge Autos entgegen, darunter auch PKW wie VW Golf, Opel Corsa…also nix besonderes. Deshalb beschließen wir, einfach weiterzufahren und selbst nachzusehen. Das Ergebnis: Knapp ein Kilometer hinter dem Schild ist die Straße tatsächlich überflutet, allerdings nicht tief und nur über ein paar hundert Meter. Also langsam weiter, die Gegenseite versteht ihr Handwerk, also langsam fahren, keine Bugwelle produzieren, die entgegenkommende Fahrzeuge in Schwierigkeiten bringen könnte, und schon sind wir durch.

Außer einer suizidgefährdeten Schildkröte, die unbedingt zwischen uns und einem entgegenkommenden, schweren LKW die Straße überqueren will, passiert auf den weiteren 30 Kilometern nichts mehr und so erreichen wir am Nachmittag den dortigen Caravan Park. Das Einchecken gestaltet sich etwas schwierig. Wir finden es toll, Menschen mit Handicap nicht dadurch zu diskriminieren, indem man ihnen minderwertige Jobs gibt, aber ausgerechnet einen schwer sprachbehinderten Menschen, der zusätzlich Stotterer ist, hinter eine mit dickem Glas bewehrte Rezeption zu setzen und zu erwarten, dass die Verständigung klappt – auf die Idee muss man auch erst einmal kommen. Nachdem beide „Seiten“ nach ausdauerndem Diskurs und bereits ein wenig entnervt alles Nötige geklärt und wir unseren Stellplatz bezogen haben, besuchen wir zu Fuß das völlig unspektakuläre Kap – keine Touristen, nicht mal ein Schild.
Dafür gibt es im Ort, wieder einmal an einem der vielen Enden der Welt, eine sehr, sehr gute Pizza aus dem Holzofen – spektakulär!!
Nun geht es auf gleicher Strecke zurück, immer noch verboten, immer noch furten, aber dieses Mal mit einigen Idioten im Gegenverkehr, die scheinbar zeigen wollen, wie superschnell sie doch sind. Dabei verursachen sie jedoch eine derart hohe Bugwelle, dass sie bis zu unserem Wagendach hoch reicht und ich nass werde, obwohl ich das Fenster nur einen kleinen Spalt weit offen habe – danke dafür!

Nun geht es auf der R 317 hoch zur N 2. Die R 319 wäre zwar kürzer gewesen, aber auch hier verhindert eine kaputte Brücke die Durchfahrt! Nach 210 km auf der N 2 erreichen wir Mossel Bay und den dortigen Campingplatz Point Caravan Park, direkt am Meer und unterhalb des Leuchtturms gelegen. Hier machen die Einheimischen Urlaub, die Schüler und Studenten haben Frühlingsferien und es ist auch noch Wochenende, hier tobt der Bär! So etwas haben wir lange nicht mehr erlebt: Restaurants am Wasser, Bars, Surfer ohne Ende (hier gibt es extrem lange Wellen), auf der vor uns liegenden Strandstraße ein Auto nach dem anderen – entweder, um zu schauen, ob das Meer noch da ist oder um zu zeigen, was man doch für eine heiße Karre fährt. Der Speedbumper direkt vor uns macht uns viel Spaß: Welche komischen Geräusche doch die tiefer gelegten Kisten machen, wenn sie zu schnell darüber fahren! Hier machen wir nun zwei Tage Strandurlaub. Die Delfine suchen direkt die Nähe der Surfer und sogar einen Buckelwal sehen wir. Im gegenüberliegenden Restaurant mit Meerblick essen wieder sehr lecker – man soll sich ja nicht immer überanstrengen!
Weiter geht es zu den wahrscheinlich letzten Highlights unserer Rundtour, zuerst zum Wilderness Nationalpark, dann weiter zum berühmten Tsitsikamma Nationalpark, jeweils für zwei Tage. Im Wilderness NP machen wir im Ebb’n Flow Campingplatz Station, direkt am Fluss, zwischen Bergen und auf flauschigem Rasen – was für ein Unterschied zu Wüste, Meer und Sand!
Hier machen wir eine dreistündige Wanderung zum Wasserfall des Touw Rivers, an dem wir auch stehen, durch kalten Regenwald mit Lianen, Bromelien und Orchideen.
Am nächsten Tag fahren wir über die „Seven Passes Road“ zum Big Tree, einem 800 Jahre alten Yellowwood-Baum. Dort gibt es einen Rundwanderweg, den wir auch noch mitnehmen, ansonsten genießen wir unser Idyll am Fluss.
Nach einem Zwischenstopp am Knysna Heads, einem hoch über dem Meer gelegenen Aussichtspunkt mit Blick auf die Mündung des Fjords, an dem der Ort liegt,
fahren wir dann rund 150 km weiter in den Tsitsikamma NP. Das Storms River Mouth Rest Camp liegt fantastisch direkt am Meer. Wir sitzen vor dem Auto und schauen auf die wirklich tosende Brandung,
sehen wieder Wale und machen eine kleine Wanderung zu den berühmten Hängebrücken – zum Glück können wir das früher am Morgen machen, da wir ja hier „wohnen“. So erleben wir die Heerscharen, die mit Bussen zu diesem Ereignis gekarrt werden, nur noch auf unserem Rückweg!
Am frühen Morgen unserer Abfahrt trauen wir unseren Augen nicht, denn jedes freie Plätzchen auf dem Campingplatz ist mit PKW und Bussen zugeparkt. Die Erklärung: Hundert Meter hinter unserem Stellplatz beginnt der berühmte Otter-Trail, ein spektakulärer Fernwanderweg, für den man eine Erlaubnis braucht. Heute ist hier allerdings der Startpunkt des „Otter-Trail-Laufes“ mit viel Spektakel, Musik und Durchsagen. Als wir um 8 Uhr aufstehen, ist alles schon vorbei.

Über Jeffreys Bay fahren wir auf der N 2, umkurven wieder größere Pavianfamilien und biegen schließlich kurz vor Port Elizabeth an der Abfahrt 176 ab. Nach drei Kilometern Asphalt und 400 Metern Piste stehen wir am Gate vom „The Ladies Slipper Hiking Trails and Camping“ (was für’n Name!). Anrufen muss ich nicht, denn der Besitzer hat uns schon gesehen und kommt, um uns (zu Fuß!) zu unserem heutigen Übernachtungsplatz zu führen. Er öffnet nur die Waschraumseite für die Frauen, denn wieder einmal sind wir die einzigen Gäste. Die „Ablutions“, wie die Waschräume im Südlichen Afrika genannt werden, sind wie immer sauber und außerdem so etwas von liebevoll gestaltet – mit Polsterstühlen, Herzchen, Sinnsprüchen, Kerzen, Bildern….da könnte man glatt einziehen! Wir fragen nach, ob er etwas über Übernachtungsplätze in Cradock, unserem nächsten Ziel, wüsste. Die Infos bei I-Overlander sind veraltet, denen kann man nicht trauen. Er schnappt sich sofort sein Telefon, denn er hat einen Neffen, der dort ein Restaurant (mit Wildgerichten!) betreibt, vielleicht können wir dort stehen (und essen!?). Leider ist die erste Auskunft negativ, denn genau an diesem Wochenende (also ab morgen) findet in Cradock ein Kajak-Marathon (nicht gewusst, dass es sowas gibt!) statt, alles ist ausgebucht und die beiden Campingplätze sind seit Corona dicht und werden wohl vorerst auch nicht wieder geöffnet. Aber er hat einen Bruder und der hat rund 15 km südlich der Stadt eine Lodge. Dort können wir stehen – einfach nur nett, die Leute hier!
Die ganze Nacht und auch am nächsten Morgen regnet es immer noch – sogar dem regenerprobten Farmer ist es wohl zu nass, denn eigentlich wollte er uns persönlich verabschieden, als wir gegen 9.45 Uhr vorsichtig und mit Allrad von seinem äußerst saftigen Grün fahren und uns bemühen, nicht zu viel kaputt zu machen. Bei absolutem Sch…wetter geht es auf der N 2 nach und durch Port Elizabeth. Nach einem Tankstopp in Colchester biegen wir nach Norden auf die N 10 ab. Auch heute ist der Verkehr auf der von vielen LKW befahrenen Strecke nervend – wie wir später von unseren Gastgebern erfahren, handelt es sich wieder um Kohle- und Manganlieferungen an China, mit denen Südafrika versucht, seine Schulden abzuzahlen.

Es geht über kleinere Pässe und durch die Ortschaften Paterson und Cookhouse immer leicht bergauf bis zum letzten Pass am Mt. Prospect, hinter dem wir auf die R 390 abbiegen, später zur R 337 wechseln (alles auf sehr guter Piste) und bis Buffelshoek zur Dirosie Lodge fahren. Das Gate liegt direkt hinter einem Bahnübergang und genau in dem Moment, als wir passieren wollen, kommt ein Kohle-Manganzug (siehe oben!) amerikanischen Ausmaßes, also drei Lokomotiven mit rund 150 Waggons, und zwingt uns zu einer kleinen Kaffeepause.
Dann „hüpfen“ wir auf die andere Seite und stehen wieder einmal vor einem verschlossenen Gate. Den Code kennen wir nicht, auch mehrmaliges Anrufen bringt nichts – was nun? Zum Glück kommt von der anderen Seite just in diesem Moment ein Pickup und lässt uns rein, bevor er rausfährt. Nach zwei Kilometern Piste stehen wir an der Rezeption. Die Angestellte weiß von nichts und holt Peter, der Bruder von Johannes, der der Bruder des Restaurantbesitzers…ihr versteht? Verwandtschaft eben!
Jedenfalls werden wir total herzlich begrüßt, Peter springt in seinen Pickup und führt uns zu einem Chalet mit atemberaubendem Ausblick auf das gesamte Farmgelände, das nebenan liegende Flusstal mit den lärmenden Ibissen und das Bergmassiv voraus. Wir können unser Stromkabel durchs Küchenfenster legen („Bitte Fensteröffnung klein halten, hier gibt es Monkeys“) und dann erklärt er, das gesamte Chalet stünde zu unserer Verfügung und wir sollten bloß nicht auf die Idee kommen, irgendetwas zahlen zu wollen – wir wären Gäste, unglaublich!!! So sitzen wir nachmittags windgeschützt auf „unserer“ Terrasse, genießen unser Bier, die tolle Gastfreundschaft und die fantastische Aussicht. Nach einigen kurzen Gewittern wird es uns dann doch zu kühl und wir gehen rein, in Navi, denn so ein Chalet ist uns inzwischen zu groß und ungemütlich. Abends kommt dann Johannes – ihr wisst schon: Einer der Brüder! – vorbei und wir klönen lange und ausführlich. Beide Brüder haben uns begeistert Handyfotos vom hiesigen Sternenhimmel gezeigt – bei fehlender Lichtverschmutzung einfach aus der „hohlen Hand geschossen“, atemberaubend! Leider wird bei dem Wetter heute nichts daraus – es regnet und stürmt die ganze Nacht.
Am nächsten Morgen kommt Johannes noch einmal vorbei und wieder klönen wir lange und ausführlich, bevor er sich endgültig von uns verabschiedet und auch wir uns auf den Weg machen. Johannes hatte uns von der von uns favorisierten R 390 abgeraten, sie sei in miserablem Zustand und ein Bekannter hätte sich in der letzten Woche zwei Räder (also nicht nur die Reifen!) kaputtgefahren. Also bleiben wir notgedrungen auf der N 10, die aber zum Glück heute viel leerer und somit auch entspannter zu fahren ist. Es geht über Middelburg nach Carlton Heights, wo wir auf die N 9 und in Colesberg auf die wieder volle N 1 wechseln.

Wir sind inzwischen wieder auf 1600 m Höhe und das Wetter hat sich völlig verändert – der Wind ist zwar immer noch da, aber wir haben blauen Himmel bei 30° C, als wir das wirklich luxuriöse Forever Resort am Gariep Dam erreichen. Hier ist alles wirklich tiptop: Gepflasterte Stellflächen mit Seeblick, saubere und neue Waschräume, Baumschatten und selbst die Speisekarte im Restaurant, denn es gibt wieder Kudu!
Nach einer weiteren Übernachtung im „Danke Schön Guest House“ in Middelburg erreichen wir 70 km vor Johannesburg den „Klipdraai Caravan Park“ in Meyerton, den wir uns extra ausgesucht haben, um langsam mit dem Aufräumen und Packen zu beginnen, denn das ist im Grünen doch bedeutend angenehmer als auf dem engen Abstellplatz beim Vermieter. Ganz drum rum kommen wir natürlich nicht, als wir am nächsten Tag nach 1 ½ Stunden Fahrt wieder bei Britz landen, denn wir haben dort ja unsere leeren Koffer zwischengelagert. Unsere kargen Lebensmittelreste bekommen Claudia und Torsten, die neben uns gerade in ihren Navi eingewiesen werden, außerdem können wir ihnen einige Tipps zum Auto geben, auch wenn sie im Gegensatz zu uns nur zwei Wochen unterwegs sind. Fast gleichzeitig starten wir – die Beiden in ihr Abenteuer und wir mit dem Shuttle zum Flughafen – es ist vorbei, wir fliegen nach Hause……was für eine Tour!!!!!