Also buchen wir ein ganzes Jahr vor der geplanten Fahrt bereits im Frühsommer 2024! Damit wir nicht aufgeschmissen sind, sollte irgendwas während dieser ziemlich langen Zeit passieren, erhöhen wir unsere Reiserücktrittsversicherung entsprechend und beginnen von nun an, vermehrt Videos von Mongoleifahrern anzuschauen und Musik von „The Hu“ zu hören. Was man eben so tut, um sich auf eine Reise „einzugrooven“ und erste Eindrücke zu sammeln. Nach einer gewissen Zeit stellt sich dann aber bei uns Beiden eine leichte Mongoleimüdigkeit ein. Ein Jahr Vorfreude ist einfach nicht realistisch und auch unsere Ansprechpartnerin bei Avis in Ulaan Baataar meint, zu Beginn des Jahres 2025 wäre es früh genug, an weitere Buchungen zu denken. Also ruht das Thema vorerst und wir nutzen unsere Exe ausführlich für weitere, kleine Touren in den Elsass, in die Schweiz, nach Norditalien und zu einem Wellness-Urlaub über den Jahreswechsel.
Davon zurückgekehrt, kümmern wir uns um die Flüge und nötige Hotelbuchungen vor der Über- und nach der Rückgabe des Fahrzeugs. Die Buchung der Flüge ist noch relativ einfach. Wir müssen mehr Gepäck als sonst einplanen, denn schließlich wollen wir campen und würden uns gerne den Luxus leisten, dafür auch liebgewonnenes Zubehör mitnehmen zu können. Also versuche ich wie für Afrika Economy Plus zu buchen – da gibt es oft zwei Gepäckstücke pro Person. Überraschenderweise bietet mir Flüge.de einen Businessflug mit Mongolian Airlines an – der ist tatsächlich günstiger als beispielsweise Turkish Airlines oder andere, vergleichbare Fluglinien in Economy und sogar mit gerade einmal acht Stunden Flugzeit bedeutend kürzer. Ja, der Flug geht über Russland, davon wird auch bereits verschiedentlich abgeraten, aber wir meinen, das Risiko kann man noch eingehen.
Nun aber geht es zu den Hotelbuchungen und das gestaltet sich doch um einiges aufwendiger! Zuerst schnappen wir uns Google Maps und kundschaften aus, welche Hotels nicht nur zentrumsnah, sondern auch nicht zu weit von unserer Mietstation entfernt sind. Unsere „Avis-Beraterin“ hatte bereits zwei bis drei Hotels empfohlen, also ab auf deren Homepage…und der Ärger beginnt! Entweder werde ich bei Buchungsversuchen direkt zu Booking.com weitergeleitet oder der entsprechende Button führt ins Leere. Eigentlich versuchen wir, gerade booking.com zu vermeiden, aber wenn es denn nicht anders geht – nach der Eingabe der gewünschten Tage bekomme ich einen Schock, denn alle besseren, aber bezahlbaren Hotels im Zentrum sind für die ersten Tage unseres Aufenthaltes ausgebucht! Also versuche ich weiter mein Glück über die Homepages und habe bei einem einzigen Hotel tatsächlich Erfolg. Hier kann ich online buchen und ein Zimmer soll auch noch zu haben sein. Also Buchungsseite ausfüllen, ich werde für eine Anzahlung (25 %) zu einer Visa-Seite weitergeleitet, die Zahlung wird bestätigt und dann erscheint eine Fehlermeldung nach dem Motto „Upps, da ist wohl etwas schief gelaufen“! Wir schreiben eine E-Mail an das Hotel, warten ein paar Tage ab, als sich dann aber selbst nach weiteren Mails auch an andere Mailadressen des Hotels immer noch nichts tut, nehmen wir Kontakt mit unserer Avis-Mitarbeiterin auf und bitten um Assistenz. Die sagt sofort zu, das sei kein Problem, denn das Hotel läge ja nur ein paar Minuten entfernt. Dann tut sich tagelang nichts, schließlich meldet sie sich mit der Mitteilung, dort sei weder Buchung noch Zahlung eingegangen, ich solle doch einfach selbst mailen und nennt alle Adressen, die wir bereits kennen. Weiter behauptet sie steif und fest, um diese Jahreszeit sei kein Hotel in Ulaan Baatar ausgebucht! Nochmalige Mailversuche enden inzwischen für uns als „nicht zustellbar“. Die Avis-Mitarbeiterin meint daraufhin auch, das Management sei wohl nicht sehr zuverlässig und empfiehlt inklusive Adressen (die wir auch bereits haben!) ein anderes Hotel. Alle Versuche, dieses Hotel zu erreichen, enden ebenfalls mit „nicht zustellbar“. Allerdings liefert sie auch die Handynummer der Managerin dort – die haben wir bisher noch nicht! Obwohl ich ja nichts oder nur wenig von Social Media halte, schreibe ich sie über Messenger an. Bis zu einer eventuellen Antwort denken wir uns, wäre es sinnvoll, wenigstens ein Hotel für die letzten Tage vor dem Rückweg zu buchen. Ein Aufruf bei booking.com – kein Problem, freie Auswahl! Also buchen wir bei dem von Avis empfohlenen Hotel, alles läuft wie am Schnürchen und ein paar Tage meldet sich die Managerin persönlich. Sie bestätigt die Buchung am Ende der Tour, aber auch die Vollbelegung zu Beginn unserer Reise. Also scheint die Buchungslage Mitte Juni doch bedeutend anders zu sein, als Avis meint!
Nun werden wir hektisch, denn irgendwo müssen wir an den vier Tagen zwischen Ankunft und Mietbeginn ja bleiben. Also suchen wir nach Alternativen und werden letztendlich auch fündig: Es gibt nahe dem Zentrum quasi nur noch „Guesthouses“, die Zimmer zur Verfügung haben. Die haben alle nur ein Gemeinschaftsbad, sind aber dafür natürlich auch sensationell günstig. Also suchen wir eines, das einigermaßen nah an der Mietstation liegt (20 Minuten zu Fuß) und buchen dort das letzte (!) freie Zimmer.
Die Visa-Anzahlung haben wir bisher übrigens immer noch nicht zurück erhalten. Ein Anruf bei Visa hat aber ergeben, dass wir nach der Reise das Geld zurück erstattet bekommen sollen. Weshalb erst danach? Es könnte ja sein, dass sich die Zahlung doch noch anfindet und dann wäre das Hotel zahlungspflichtig.
Noch ist das Abenteuer nicht zu Ende, denn wir haben ja immer noch keine Sitzplätze für den Langstreckenflug. Also versuche ich mein Glück zuerst bei Flüge.de, worauf man mir erneut mitteilt, das müsse über die Homepage von Mongolian Airlines geschehen. Also gebe ich dort unsere Buchungsnummer ein und erhalte die leicht Panik verursachende Meldung, diese Buchung wäre dort nicht bekannt. Also schicke ich eine Mail und bekomme einen Tag später die kryptische Nachricht, verantwortlich für das gesamte Verfahren wäre Delta Airlines. Die kennen wir nun gut aus unserer USA-Zeit und schnell habe ich herausgefunden, dass die aber auch gar nichts mit der Mongolei am Hut haben.
Das schreibe ich denn auch Mongolian Airlines, bekomme aber trotzdem wieder die gleiche Antwort. Also rufe ich in den USA bei Delta an, der Mann dort ist genauso verdutzt darüber, wofür Delta verantwortlich sein soll, gibt sich aber jede Mühe, aber ohne Erfolg. Das teile ich nun wieder Mongolian Airlines mit und erhalte nun zwar textmäßig wieder die gleiche Meldung zurück, wobei aber dieses Mal schön sauber Delta Airlines durch Condor Airlines ersetzt wurde.
Also auf zu Condor, Ergebnis: Wegen eines technischen Problems wäre die Homepage nicht erreichbar, man solle die Hotline kontaktieren. Habt ihr das einmal probiert? Ihr dreht durch! Nach der üblichen Nummernwählerei (wenn…dann wählen Sie bitte die…) bekommt man die Informationen, die sonst auf der Homepage stehen, man dankt und verweist auf die Homepage – die ja kaputt ist! Keine Chance, irgendein lebendes Wesen ans Telefon zu bekommen. Also Misserfolg auf der ganzen Linie. Über zwei Stunden hat das Theater gedauert- ich gebe erstmal auf!
Zwei Tage vor dem Abflug soll man bei Mongolian Airlines online Einchecken können. Daran glaube ich zwar nach dem bisher Erlebten nicht mehr, aber spaßeshalber… Nur zehn Minuten später bin ich perplex: Boardkarten in der Hand, die für uns reservierten Sitzplätze perfekt – hätten wir auch nicht anders gebucht, wow!
Nun mutig zu Condor: Leider ist die Homepage immer noch defekt, bitte checken Sie am Flughafen ein…oh, Deutschland!