Nein, kein Wortspiel – genau um das, besser gesagt um das meine! – soll es hier gehen. Wer also „genant“ ist (das sagte immer meine Oma, ausgesprochen heißt es: schenannt!), diese Körperregion gerne tabuisiert oder aber etwas zum Thema Erotik erwartet, der ist hier falsch, denn es geht um Medizinisches und was einem so passieren kann, vor allem, wenn man wie wir oft für längere Zeit unterwegs ist und nicht bereit ist, sein reisemobiles Leben wegen „kleinerer Probleme da unten“ einzuschränken – auch oder gerade, wenn „mann“ sich bereits in etwas fortgeschrittenem Alter befindet. Vielleicht hilft diese Anekdote dem einen oder anderen „alten, weißen Mann“ in ähnlicher Situation zu einer Entscheidungsfindung!?
Zu Beginn muss ich ein klein wenig ausholen. Ich leide seit meinem 28. Lebensjahr (da wurde es zum Glück entdeckt) unter einer genetisch bedingten Stoffwechselstörung. Seither muss ich entsprechende Medikamente schlucken und eine eventuelle, langzeitige Nebenwirkung ist, dass man sich einen leichten Diabetes zuziehen kann, so geschehen bei mir. Bevor wir zur „Winterflucht 2024“ starteten, hat mich mein Hausarzt auf ein neues Diabetes-Medikament umgestellt, das super zu meiner Erkrankung passt und eigentlich nur Vorteile bietet. Allerdings muss man mehr trinken, denn bei diesem Mittel wird der überflüssige Zucker über den Urin ausgeschieden. Es kann sein, dass sich bei zu geringer Flüssigkeitszufuhr wegen der erhöhten Zuckerzufuhr Bakterien und Pilze um den „vorderen Ausgang“ herum ansiedeln und kleine oder größere „Ortschaften“ bilden – sind eben kleine Naschmäuler, diese Mikroben. Das ist nicht schön und so trinke ich brav mein zusätzliches Quantum an Flüssigkeit – leider nicht als Gerstensaft, denn das Ganze muss bereits gleich nach dem Frühstück passieren und das ist mir dann doch für dieses Getränk die falsche Tageszeit!
Nach vier Wochen, wir sind gerade kurz vor der portugiesischen Grenze, bemerke ich, dass es bei mir vorne eben genau um diesen „Ausgang“ herum (trotz entsprechender Hygiene – nicht, dass jemand etwas Falsches denkt!) zu jucken beginnt und man kann tatsächlich auch schon Anfänge einer „Besiedlung“ feststellen. Was nun? Getrunken habe ich genug, daran kann es nicht liegen. Also bleibt nur, wie von meinem Hausarzt für diesen Fall auch empfohlen, der Abbruch der Medikamentengabe. Ist bei mir auch nicht so dramatisch, denn meine Werte liegen immer noch tolerabel über der Diabetesgrenze. Wir warten also bis zur Rückkehr. Was in diesem Zeitraum, immerhin mehr als ein Monat, auffällt: Die „Besiedelung“ verschwindet nicht, sondern nimmt sogar trotz verdoppelter Hygieneveranstaltungen noch stärker zu und es wird immer schwieriger, die schützende Vorhaut dazu zu bewegen, Räumungsaktionen an den Ortschaften oder wenigstens einen Blick darauf zuzulassen.
Wieder zurück führt einer der ersten Gänge natürlich zum Hausarzt. Der nimmt Abstriche und erklärt gleich, dass es Wochen (!) dauert, bis das Labor hierzu Ergebnisse mitteilen würde. Nun gut, wir haben rund sechs Wochen Zeit, bis es wieder auf Tour (nach Schweden) gehen soll, also kein Problem. Die Wartezeit soll mithilfe zusätzlicher Pflegemaßnahmen erträglich gestaltet werden, denn langsam wird es auch ein wenig schmerzhaft. Mein Doc empfiehlt abendliche Salbeibäder und Vaseline. Dabei bleibt es denn auch für eine lange Zeit, also sogar über die fünf Wochen in Schweden hinweg! Das Labor benötigt tatsächlich länger als einen Monat und stellt dann nicht einmal etwas Besonderes fest: Nur die üblichen Siedler, allerdings in größerer Menge. Zum Glück haben wir in diesem Jahr eine sehr gute Salbei-Ernte in unserem Garten – also wird für die Fahrt Salbei portionsweise in Tüten verpackt und eingefroren mitgenommen. Die Aufgüsse kann ich dann unterwegs zubereiten und in wasserdichte Flaschen abgefüllt hält sich der Aufwand in Grenzen. Die Idee ist, dass sich die Besiedelung über die Zeit verringern wird und wir dann nach der Rückkehr sehen werden, welches Medikament anschließend zur Anwendung kommen soll.
Ende Juli sitze ich wieder beim Arzt – seit den ersten Beschwerden sind nun bereits fünf Monate vergangen! – und wir können beiderseits feststellen, dass sich bei der Besiedelung nicht viel getan hat. Allerdings sind die Beschwerden mit der Vorhaut immer stärker geworden, also heißt nun die Diagnose „Vorhautverengung (Phimose)“ und eine durch das veränderte Milieu (feucht und warm) verstärkte Besiedelung mit Keimen. Würde ich mich zu einer Zirkumzision (also einer Beschneidung) durchringen können, dann wäre es möglich, bei dem guten, vorherigen Medikament zu bleiben, denn das dann geänderte Milieu (trocken und kühl) würde der weiteren Besiedelung durch jede Art von Mikroorganismen einen Riegel vorschieben. Insgesamt sind auf der Welt über eine Milliarde Männer beschnitten und der Hauptgrund war früher einmal wirklich der der besseren Hygiene! Was also spricht dagegen? Ich glaube, fast alle unbeschnittenen Männer wissen genau, was mir trotzdem alles so durch den Kopf ging und nicht zuletzt ist so eine OP in höherem Alter nicht ganz so leicht („Schnipp und ab!“) durchzuführen wie bei Jungen oder jungen Männern.
Nach ein paar Tagen Bedenkzeit ringe ich mich dazu durch und melde meine Entscheidung stolz an meinen Hausarzt zurück. Nun beginnt das nächste Problem, denn ein „baldiger“ Termin noch in diesem Jahr (wie gesagt – wir haben Ende Juli!) scheint nicht möglich! Gegen Ende Juli steht dann auch schon die nächste fünfwöchige Tour an! Soll das bedeuten, dass ich mindestens weitere sechs Monate mit Salbei-Bädern und Vaseline leben muss und das trotz fortschreitender Verengung? Mein wirklich engagierter Hausarzt kommt sogar bei uns zuhause vorbei, um mögliche Alternativen anzusprechen – aber so richtig tröstet das nicht. Ein paar Tage später geschieht dann ein kleines Wunder, denn eine sehr nette MTA ruft an und teilt mir mit, dass sich tatsächlich eine Praxis in Eutin bereit erklärt hat, die kleine OP vorzunehmen und einen „Vorstellungs-Termin“ bekomme ich auch gleich mitgeliefert. Optimistisch wie wir nun einmal sind, kommt Kathrin zu diesem Termin gleich mit, denn vielleicht kann die Prozedur ja sofort gemacht werden und in diesem Fall müsste sie mich selbstverständlich zurück fahren. Dieses Wunschdenken ist dann doch ein wenig zu hoch angesetzt und es hätte mich vielleicht auch nachdenklich machen sollen, als der Arzt meint, dann hätte ich „wahrscheinlich an den ersten Wochen unterwegs nicht viel Spaß“. Er erklärt mir dann noch, dass es sich in meinem Alter nicht mehr um eine klassische „Phimose“ handeln würde, sondern um eine „Stenose“, also um eine Verengung wegen nachlassender Elastizität aufgrund zunehmenden Alters – scheinbar verkalke ich sogar da unten! So bekomme ich einen OP-Termin rund drei Monate später, also für Mitte Oktober, und damit es mir bis dahin nicht zu schlecht geht, verschreibt mir der Urologe eine „leicht kortikoidhaltige“ Salbe, die alles ein wenig geschmeidig halten soll und so die Salbeibäder erträglicher macht.
Wir fahren los, die Salbe wirkt tatsächlich beruhigend und für die Aufgüsse haben wir im Tiefkühlfach wieder einen von Kathrin liebevoll geernteten und in Tüten portionierten Salbeivorrat dabei. Rund vier Wochen läuft alles gut, dann bilden sich kleine weißliche Flecken. Ich vermute wieder neue „Besiedelungen“ und gerate ein wenig in Panik, vor allem weil die weißen Flecken sich schnell zu großen Flächen verdichten und innerhalb kurzer Zeit die ganze Eichel bedecken. Leider befinden wir uns zu dieser Zeit in den südlichen Alpen zwischen der Schweiz und Italien und haben selten Empfang – ich habe also nicht wirklich eine Chance, mir ärztlichen Rat einzuholen. Den brauche ich dann zwei Tage später auch nicht mehr, denn es lösen sich erste Stücke der inzwischen dicken, weißen Schicht und was darunter zum Vorschein kommt, sieht ziemlich „roh“ aus und ich beginne plötzlich zu verstehen: Das ist keine bakterielle oder durch Pilze verursachte Besiedelung, hier löst sich großflächig abgestorbene Haut! Der Blick auf den Beipackzettel offenbart dann das Debakel – ich zitiere: „Nicht anwenden auf Schleimhäuten und Genitalien“ und unter den Nebenwirkungen: „Kann zu Hautablösungen führen“. Super – exakt die richtige Salbe für den Zweck!? Also sofort aufhören und wieder zu Vaseline greifen, kommt allerdings für die abgestorbene Haut viel zu spät.
Ein paar Tage später sind wir wieder zu Hause. Zum Glück für den Urologen ist der im Urlaub und nicht greifbar. Also muss wieder mein armer Hausarzt ran. Der kann über die Salbenverschreibung nur den Kopf schütteln, hat aber zum Glück häufig originelle und unkonventionelle Ideen, die oft genug enorm gut helfen. Bei der sich gerade frisch bildenden Haut ist es wichtig, diese feucht zu halten und dabei hilft Urea besonders gut und sorgt außerdem für eine gesunde Ablösung der letzten, alten Hautschuppen. Urea ist Harnstoff und in welcher Körperflüssigkeit kommt die wohl vor? Also gibt es jetzt Bäder des besten Stücks in Eigenurin – das hat nichts mit Esoterik zu tun und hilft wirklich gut. Nach dem gründlichen Abspülen gibt es eine Ladung Vaseline und gut ist. Wem das alles zu eklig ist: Es gibt natürlich auch künstlich hergestellte Urea, aber eine kostengünstigere und direkter zum Einsatzort gelieferte Medizin kenne ich nicht!
Bis zum OP-Termin rund drei Wochen später ist dieser Teil der Geschichte zum Glück so gut wie erledigt. Ein paar Fotos habe ich aber schon gemacht und zeige diese dem Urologen, als ich bereits auf dem „Schneidetisch“ liege und wir gemeinsam auf das Einsetzen der zugegeben exquisiten lokalen Betäubung warten. Seine Reaktion ist allerdings bemerkenswert: Kein Wort zu der offensichtlich falsch verschriebenen Salbe, dafür aber beim Anblick der abgelösten Haut die leicht arrogant hervorgebrachte Bemerkung, es könnte sich hier ja auch um „Smegma“ handeln, also um einen weißlich-gelben Belag an oder auf den Genitalien, der fast ausschließlich durch mangelnde Hygiene entsteht. Das verschlägt mir fast die Sprache, denn vorher habe ich ihm noch ausführlich von meinen „Hygiene-Orgien“ berichtet – zwei bis drei Waschungen bzw. „Pflegeeinheiten“ pro Tag sollten doch wohl genügen!?
Ist vielleicht auch ganz gut, dass mir im Moment nix einfällt, denn nun beginnt er gerade mit der „Schnippelei“ und da ist es vielleicht besser, den Mund zu halten. Außerdem habe ich wirklich lange darauf gewartet, dass es endlich so weit ist und diese Geschichte nun ein Ende findet. Aufmunternde Kommentare von MTA und Arzt beflügeln meinen Optimismus: „Mit den Spritzen haben sie das Schlimmste schon hinter sich.“, „Die Schmerzen nach der OP entsprechen denen nach einem Schnitt in den Finger.“, „Einen Ruhetag sollten Sie sich gönnen, morgen noch etwas schonen, aber dann können Sie auch wieder Gartenarbeit machen.“ Schon ist alles getan und ich werde entlassen. Kathrin hat indessen auf mich gewartet, begleitet mich zum Auto (etwas schwindelig ist mir schon!) und fährt mich nach Hause, dort tue ich wie geheißen nix, sitze im Fernsehsessel und faulenze.
Der erste Gang in den Nasszellenbereich lässt mich doch etwas erschrecken, denn da ist doch einiges an Blut zu sehen. Ich habe zwar von der MTA die Handynummer des Operateurs erhalten, dieser hat mich aber explizit darauf hingewiesen, dass ein Anruf nur im Notfall erwünscht ist – und dazu würden ein paar kleine Blutungen nicht gehören, sagt er! Also verbinde ich alle paar Stunden neu und tatsächlich wird es langsam besser. Die Gefühle da unten sind aber auf alle Fälle um einiges stärker als nur die „nach einem Schnitt in den Finger“. Der „Schnitter“ meint am nächsten Tag bei der Nachschau, es sei alles zum Besten, das würde schon. Einen Tag danach, es ist natürlich Wochenende, sehe ich das anders: Das beste Stück ist geschwollen – nicht so ein bisschen, sondern ganz gewaltig, sieht von oben eher quadratisch aus, also genauso dick wie lang. Also begebe ich mich am Montag ohne Termin wieder in die Praxis. Dort habe ich es von nun an mit dem zweiten, nicht operierenden Urologen der Praxis zu tun und der biegt die vorher getätigten Aussagen „ein wenig“ zurecht: Die Schonzeit beträgt nicht zwei Tage, sondern eher zwei Wochen. Die selbstauflösenden Fäden sind nicht nach zwei Wochen weg, sondern nach rund vier Wochen. Schmerzen, Schwellungen etc. verschwinden nach rund sechs Wochen! Weshalb denn so ein Gerede vorher? Ich hätte mir viel weniger Sorgen gemacht, hätte man mir ehrlich gesagt, was mich erwartet. Was soll das Macho-Superman-Gehabe nach der Devise „Übermorgen können Sie wieder fliegen!“
Und heute? Es sind drei Wochen vergangen, alles normalisiert sich langsam. Gartenarbeit geht jetzt wieder, verbinden muss ich seit ein paar Tagen nicht mehr, mit Wundsalbe schmieren aber immer noch, die Schwellungen sind nicht mehr ganz so stark. Meine Frau hat ihre Unterwäsche wieder. Nicht lachen: Von ihr habe ich mir hautenge Slips ausgeliehen, denn ich trage nur „luftige“ Unterbekleidung und das beste Stück sollte in der ersten Heilungszeit nicht zu viel „Spielraum“ haben. Ich schaue wieder optimistisch nach vorne und ironisch zurück – wie sagte schon Alt-Bundeskanzler Schmidt: Wer alt werden will, muss mutig sein!