Campingplatz oder Stellplatz?

Hierfür, also für diese Frage gibt es sehr viele Antworten und manchmal folgen daraus auch weitere Fragen. Heutzutage ist es häufig kaum möglich, zwischen den beiden Begriffen zu unterscheiden. Beginnen wir doch einmal mit dem Grundsätzlichen und betrachten dann, was daraus geworden ist.

Campingplatz: Gibt es schon lange. Wie der Name schon sagt – hier macht man Camping, also ist die Lage nicht unwichtig! Vielfach liegen sie außerhalb der Städte in der Natur. Es gibt Zelte, Wohnwagen, Reise- und Wohnmobile, Dachzelte…. Hier ist der Campingbetrieb nicht nur erlaubt, sondern logischerweise sogar erwünscht. Es gibt Sanitäreinrichtungen, Strom, Wasser, manchmal sogar Fernsehanschluss und je nach Größe alles, was das Urlauberherz begehrt, also von Waschmaschinen über Shops bis hin zu Restaurants, allen möglichen und unmöglichen Animationen für Erwachsene und Kinder sowie Verleih von Rädern, Booten und manchmal sogar Autos. Es gibt eine Schranke, eine Rezeption, eigentlich immer eine nächtliche Ruhezeit, häufig auch eine Mittagsruhe. Ein Campingplatz bietet somit also auch Sicherheit für seine Besucher und ist oft sogar zusätzlich gesichert, bspw. durch magnet- oder kartengesicherte Personenzugänge und/oder Sicherheitsdienste. Da es sich nicht um öffentlichen Raum handelt, kann der Eigner allerdings auch willkürlich Einschränkungen vornehmen und das tut er manchmal auch: FKK, keine Kinder, nur Senioren ab 60, keine Haustiere, keine jugendlichen Gruppen, nur Wohnwagen, keine Zelte, nur Zelte, keine Anhänger…..alles schon persönlich erlebt – die Briten sind übrigens darin besonders gut!

Stellplatz: Gibt es erst seit Mitte der Achtziger des letzten Jahrtausends, also erst mit dem erhöhten Aufkommen der Wohn- und Reisemobile – und für die sind diese Plätze auch eigentlich gedacht. Man muss ein wenig in der Zeit zurück gehen, um den eigentlichen Sinn und Zweck zu begreifen: Mobilfahrer hatten nicht die Möglichkeit wie Zelter oder Caravaner, vom draußen in der Natur liegenden Campingplatz mal eben schnell in die Stadt und zu Sehenswürdigkeiten zu fahren. Das taten sie dafür mit ihrem Fahrzeug. Die Parkplätze jedoch waren nur für PKW gedacht und erst recht mit der schnell steigenden Anzahl dieser besonderen Gäste überfordert. Das führte zu allen möglichen Problemen und so begannen einige Gemeinden, Bereiche der Parkplätze abzutrennen und für Mobile zu reservieren – nicht mehr als das, also keine Serviceeinrichtungen, allerdings auch keine Extragebühren! Es war dann nur eine Frage der Zeit, bis findige Kommunen (meist in weniger attraktiven Gegenden) begannen, Mobilurlauber als zusätzliche Touristengruppe und Einnahmequelle zu betrachten und für sie spezielle Angebote bereitzuhalten – es gab erste Ver- und Entsorgungseinrichtungen, später auch Stromanschlüsse. Örtliche Betriebe, zumeist Bäcker, aber auch Metzger und Obst-Gemüsehändler fuhren die Plätze an und erweiterten so ihr Geschäftsmodell und irgendwann kam ein cleverer Bürgermeister dann auf die Idee, man könne ja für ein Zusatzangebot auch Gebühren erheben, denn die Zeit der Selbstausbauer war vorbei und wer ein Mobil fuhr, der hatte auch Geld. Zu welchen „Blüten“ das bisweilen geführt hat, werdet ihr wissen. Es gibt inzwischen sogar Stellplätze mit Sauna!

Was ist nun das Besondere, also der Unterschied, der einen Stellplatz eben zu einem Stellplatz macht?  Die einzige Antwort, die mir dazu noch einfällt, ist der 24-Stunden-Zugang – ob über eine Schranke gesichert oder nicht. So etwas gibt es wohl tatsächlich nur auf einem Stellplatz, aber ansonsten? Ist ein Stellplatz mit Reservierung, eigener Rasenfläche für Markise und Campingstühle, an einer Therme mit Restaurant gelegen, mit Brötchenservice ans Auto, mit Strom-, Frischwasser-, Abwasser- und SAT-Anschluss sowie Luxus-Waschräumen, durch eine Schranke gesichert, mit Wertkarte für zusätzliche Services wie Waschmaschine, Trockner und Aufenthaltsräume, mit Spielen etc. wirklich noch ein Stellplatz? Müsste so etwas nicht eigentlich „Campingplatz“ heißen? Und was tun die unter Druck geratenen Campingplatzeigner? Sie bieten Plätze „vor der Schranke“ an – mal mit Nutzung der platzeigenen Services, mal ohne oder nur teilweise. Sind das dann nun „Stellplätze“?

Und um das Durcheinander perfekt zu machen, fordern inzwischen Caravaner freien Zugang zu den Stellplätzen und es gibt Campingplätze ausschließlich für Liner-Fahrer – schöne, neue, bunte Welt!? Natürlich macht auch die „All Inclusive“-Welle nicht vor den Stellplätzen halt. Wie viele andere Mobile auch benötigt Exe keinen Stromanschluss – jedenfalls nicht, wenn wir nicht länger als eine Woche irgendwo stehen. Weshalb sollen wir also durch entsprechende Stellplatzgebühren dafür (oder für Duschen) zahlen? Letztendlich müssen wir uns wohl alle damit arrangieren, dass die ganzen „Neuen“ die alten Strukturen ad absurdum führen – ob aus Ignoranz, Luxusdenken oder einer „Mir-doch-egal“-Mentalität. Es führt nur leider auch dazu, dass – ich nenne sie mal „echte“ oder „altmodische“ – Stellplätze, die nicht viel bieten, dafür aber auch entweder kostenlos oder zumindest preisgünstig sind, langsam zu einer gefährdeten Art werden und eigentlich irgendwie geschützt werden müssten. Die modernen „Fast-Campingplätze“ sorgen dafür, dass sich auch die Gebühren den Campingplatzmieten annähern. In Eckernförde kostet der Stellplatz zum Beispiel ohne Strom und Wasser im Sommer 2024 inkl. Kurtaxe 32 €uro pro Tag. Das ist schon eine Ansage und der Platz ist ständig gut gefüllt. Wir waren im Februar 2016 mit unserer damals nagelneuen Exe für zwei Tage auf dem Platz. Wir mussten damals an den Strom, da wir noch auf unsere Lithium-Batterie warteten und zahlten insgesamt 30,22 € für zwei Tage…Fällt etwas auf? Wohlgemerkt: Der Platz hat sich seither nicht verändert, es ist auch nichts an Service dazu gekommen, dafür sind die Einrichtungen acht Jahre älter. Warten wir ab, wie es weiter geht – Geld scheint immer noch genug da zu sein! Wir werden natürlich auch weiterhin mit Exe unterwegs sein – egal ob Stellplatz, Campingplatz oder Freistehen – es macht einfach zu viel Spaß und letztendlich haben wir es ja selbst in der Hand, ob und wie viel wir bereit sind, für einen Platz zu zahlen.