Camping Car Park

Das Geschäftsmodell der französischen Firma „Camping Car Park“ ist das Management und die Organisation von Wohnmobil-Stellplätzen. Die Ausgangsidee fanden auch wir bestechend und für Frankreichliebhaber unter den Mobilfahrern sehr vorteilhaft, dazu muss ich ein wenig ausholen: Frankreich ist schon lange Campingland und Franzosen lassen sich nicht so leicht lenken wie die deutschen Schäfchen. Um dem dort auch schon in den Sechzigern oft vorkommendem „Wildcampen“(damals allerdings vor allem mit Zelten und Klappwohnwagen) wenigstens ein wenig Einhalt zu gebieten, wurde das sogenannte „Stationnement réglementé“ eingeführt. Die Schilder kann man am Ortseingang vieler Gemeinden heute noch finden. Die Gemeinden hielten dann Flächen bereit, auf denen die Camper legal stehen konnten. Da es damals so gut wie keine autarken Wohnmobile gab, mussten diese Plätze mit Sanitäreinrichtungen versehen werden und so entstanden die von uns immer heiß geliebten „Camping municipal“. Kleine Plätze in Dörfern oder kleinen Städtchen, oft an Flüsschen gelegen, ganz oft Idylle pur, preisgünstig, familiär und friedlich. Lange ist’s her, viel hat sich geändert. Die kleinen Campingplätze kosten die Kommunen eine Menge Geld, die Camper kommen inzwischen mit Wohnmobilen und stehen überwiegend auf asphaltierten Stellplätzen. Also wurden mehr und mehr der Plätze geschlossen oder zu Ferienhaussiedlungen umfunktioniert. Und nun kommt Camping Car Park ins Spiel: Sie bieten den Gemeinden an, die Organisation und Vermarktung der Plätze zu übernehmen, denn attraktiv sind die Anlagen im Grünen ja immer noch für Viele.  Damit das gewinnbringend ist, wird alles digital über eine App verwaltet, die Sanitäranlagen werden geschlossen, weil ja nur noch Camping Cars, also Wohnmobile, zugelassen sind (stimmt nicht ganz, denn es gibt auf Wunsch einzelner Gemeinden z.B. an Freibädern oft im Sommer geöffnete Sanitäranlagen und in dieser Zeit auch für Zelter zugelassene Plätze). Frisch- und Abwasser, Fäkalentsorgung und Strom sind im Preis inkludiert, nicht alle Plätze bieten Müllentsorgung. Das alles spart Verwaltungsaufwand. Zu- und Abgang werden digital und per Schranke geregelt, auf der App kann ein Guthaben hinterlegt werden und wer unbedingt möchte, kann sogar online reservieren. Weitere Vorteile für uns Mobilfahrer: Die alten Plätze bleiben uns erhalten und sind nun ganzjährig zugänglich, das war früher natürlich nicht möglich. Die Geschäftsidee ist so erfolgreich, dass Camping Car Park inzwischen auch erste Plätze in Spanien und Deutschland anbietet. So weit, so gut. Wie sind nun unsere Erfahrungen?

Bis vor ein paar Tagen waren die überwiegend positiv. Wir haben in den letzten Jahren so einige Plätze gefunden, die wir immer wieder anlaufen. Ein wenig Guthaben auf der App hinterlegt, der Zugang erfolgt einfach durch Vorhalten der Mitgliedskarte (per Zahlencode ist auch möglich) und schon ist man drin. Die Platzgebühr beträgt zwischen 12,70 € und 16 €. Hat bisher immer geklappt – bis jetzt!

 Ich halte die Karte vor. Es piept und auf dem Display erscheint „Bonjour!“ Das ist es aber dann auch. Also das Ganze nochmal, auch das Ergebnis ist das Gleiche. Beim dritten Mal möchte ich gerade beginnen zu fluchen, da hebt sich plötzlich die Schranke. „Na also, geht doch!“ denke ich noch, aber als wir gerade halb durch sind, höre ich auf dem Dach ein schabendes Geräusch, dann poltert etwas und als ich in den Rückspiegel blicke, sehe ich die schräg hängende Schranke am Heck des Wagens. Wir steigen aus und schauen uns die Bescherung an: Die Schranke hat sich bereits nach zwei oder drei Sekunden wieder gesenkt, ist auf unserem Astabweiser gelandet (Ha: Wie viele Diskussionen haben wir über diese „angeblich total überflüssigen“ Teile schon geführt!), darauf bis zum Ende entlang geschliddert und dann am Heck und am Lenker eines unserer Fahrräder hängen geblieben, die dort auf dem Träger stehen. Da sie dort nicht mehr weg kam, ist sie einfach abgebrochen.

Wir legen die nun unnütze Schranke ordentlich an die Seite, suchen uns einen Platz und überlegen, was wohl passiert sein könnte. Die einzige Idee, die wir dazu haben, ist „Fehlfunktion!“. Was tut der brave Deutsche in solch einer Situation? Natürlich meldet er den Schaden. Wir sind in Frankreich, unser Französisch ist nicht zu gut, zum Glück gibt es auch die Möglichkeit, über WhatsApp in Kontakt zu treten. Dort kann man auch die Sprache wählen – passt doch, denke ich! Erster Fehler, denn es meldet sich eine wirklich strunzdumme KI! Nach zwei, drei ergebnislosen Kommunikationsversuchen erhalte ich tatsächlich die Nachricht, eine „Clothilde“ hätte sich zugeschaltet. Nachdem ich den Schaden geschildert habe, ist ihr einziger Kommentar, weshalb ich nicht den lokalen Berater telefonisch informiert hätte. Mein Hinweis (Französisch-Kenntnisse, welcher Berater überhaupt?) wird elegant ignoriert und eine neue Telefonnummer ploppt auf. Mein Verdacht: „Clothilde“ ist vielleicht nur der Name einer anderen KI? Also rufe ich nun doch den Kundenservice an. Hier kann man „Deutsch“ als Sprache wählen, dann meldet sich ein Mitarbeiter auf…na? Richtig, auf Englisch, Deutsch kann er nicht. Zum Glück sind wir ja des Englischen mächtig und so schildere ich erneut den Vorfall. Extrem kundenorientiert kommt nun keine Bemerkung wie „Es tut mir leid, dass Sie so etwas erleben müssen!“ oder ähnliches, sondern nur ein „Aha, ich brauche Ihr Kennzeichen!“. Der nächste Satz macht noch mehr gute Laune, denn er lautet „Verständigen Sie wegen einer eventuellen Zahlung schon einmal Ihre Versicherung!“. Auf meinen zugegeben etwas heftigeren Kommentar kommt immer noch keine Entschuldigung, sondern nur noch: „Wir haben ja die Kamerabilder. Das mit der Meldung an die Versicherung ist nur eine gut gemeinte Information. Mehr Details brauche ich nicht.“. Punkt, Gespräch beendet. Nett!

Ich nehme mir das mit der Information meiner Versicherung nach diesem Gesprächsverlauf aber so etwas von zu Herzen. Zum Glück verläuft das glatt und sehr professionell. Am nächsten Morgen können wir sehen, wie ein Mitarbeiter tatsächlich bereits die Schranke erneuert – sehr zum Verdruss verschiedener Mobilfahrer, die nach uns „kostenfrei“ eingefahren sind und nun vor dem Problem stehen, dem „digitalen  Platzwart“ schlüssig zu erklären, weshalb sie nun ausfahren wollen ohne eingefahren zu sein. Das Problem haben wir nun nicht, denn wir sind ja ordnungsgemäß, wenn auch spektakulär, eingefahren! Bis jetzt, also eine Woche später, haben wir weder von Camping Car Park noch von unserer Versicherung etwas gehört – mal sehen, ob noch etwas kommt!?